Kreishandwerkerschaft und IHK sind alarmiert Zahl der Ausbildungsabbrecher steigt auch im Emsland

Von David Hartmann

Immer mehr angehende Friseure brechen vorzeitig ihre Ausbildung ab. Foto: David HartmannImmer mehr angehende Friseure brechen vorzeitig ihre Ausbildung ab. Foto: David Hartmann

Meppen . Die Abbrecherquote in der Berufsausbildung ist nach Medienberichten so hoch wie seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr. Jeder vierte Auszubildende beendet seine Lehre vorzeitig. Vor allem die Ausbildung zum Friseur und Koch brechen viele ab – auch im Emsland.

Im Bezug auf den Bericht in der Süddeutschen Zeitung werde in Deutschland bei Berufen wie Koch, Restaurantfachkraft oder Friseur sogar ungefähr jedes zweite Ausbildungsverhältnis vor der Abschlussprüfung vorzeitig beendet. Die Abbrecherquote im Emsland fällt in diesen Berufen sogar noch höher aus. So wurden laut Andreas Lehr von der Kreishandwerkerschaft Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim im vergangenen Jahr 72,6 Prozent der angefangenen Friseurlehren abgebrochen. Im Jahr 2016 waren es zum Vergleich „nur“ 51,4 Prozent.

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Falsche Vorstellungen vom Beruf

Wie es zu diesem massiven Unterschied kommt, kann nur gemutmaßt werden. So geht der Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für Friseure, Marc Ringel, davon aus, dass die meisten Auszubildenden schlicht mit einer falschen Erwartungshaltung an den Beruf herangehen. Sei es der Aspekt des Geldes, die Arbeitszeiten oder die Tatsache, dass der Arbeitstag vorwiegend im Stehen verbracht wird. „Die meisten Auszubildenden beschäftigen sich nicht richtig mit ihrem gewählten Beruf, gehen manchmal sogar ohne Praktikum in die Berufsausbildung. Da ist so mancher Abbruch schon vorprogrammiert“, berichtet Ringel im Gespräch.

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Zu viel Druck

Die Auszubildenden selber können dem Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für Friseure jedoch nur bedingt zustimmen. „Natürlich spielt Geld eine Rolle bei den Abbrechern. Wir lernen ein Handwerk und wenn man sich dann überlegt, dass in anderen Handwerksberufen 40 Euro bis 50 Euro in der Stunde verdient werden, kommt man schon ins grübeln“, sagt Elke Kühn, die aktuell eine Umschulung zur Friseurin macht. Aber es gebe noch durchaus weitere Indikatoren für den verfrühten Abbruch der Lehre. „Vielen liegt auch der enge Kontakt mit den Kunden nicht. Zum einen sind es die Berührungen und Gespräche, aber auch die Verantwortung, die man als Friseur übernimmt. Großen Spielraum gibt es dann nicht, wenn jemand auf dem Stuhl vor dir sitzt. Entweder gefällt die Frisur oder du bist der Schuldige. Mit diesem Druck können viele nicht umgehen“, erklärt Kühn. Die Auszubildende Stefanie Kropf ist der Meinung, dass die meisten Lehrlinge mit einer viel zu hohen Erwartungshaltung an ihre Lehre gehen. „Anfänglich ist es schon schwer zu verstehen, dass man nicht sofort loslegen kann. Man muss den Beruf erst einmal lernen und da gehört es auch dazu mal die Haare aus dem Salon zu fegen oder die Haare zu waschen.“

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Zu lange Arbeitszeiten

Ein ähnliches Bild lässt sich in der Gastronomie im Emsland verzeichnen. Knapp zwei Drittel der Auszubildenden in der Gastronomie beenden ihre Lehre vorzeitig, bei den Köchen ungefähr jeder Zweite. Auch hier sind die Gründe für einen Abbruch wie bei den Friseuren ähnlich. „Häufig sind es Stress, ein teilweiser rauer Umgangston und die falsche Vorstellung des Berufes, die für die verfrühte Beendigung des Ausbildungsverhältnisses verantwortlich sind“, sagt der Leiter für Aus- und Weiterbildung des IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, Eckhard Lammers. Ebenso seien es die Arbeitszeiten und das schnelle und hektische Geschäft, das den jungen Lehrlingen Probleme bereiten. Allerdings ergaben Recherchen des IHK, dass der Aspekt Geld bei den Köchen eher hinten an stehe, so Lammers.

Um Besserung bemüht

Dennoch sind die aktuellen Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) alarmierend. „Wir von der IHK wollen jetzt in unserem Einzugsgebiet die Zügel in die Hand nehmen und uns um Besserung bemühen. Wir suchen aktiv Gespräche bei Auszubildenden aber auch bei den ausbildenden Betrieben. Wir wollen und müssen die Berufsorientierung verbessern und den Lehrlingen einen Arbeitsplatz mit guten Bedingungen und zu guten Konditionen anbieten“, berichtet Lammers.

Abbrecherzahlen ungenau

Die Kreishandwerkerschaft und die IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim mahnen aber auch bei den Statistiken aufzupassen. „Nicht nur die reinen Ausbildungsabbrecher werden in die Statistik aufgenommen, sondern auch diejenigen, die den Betrieb wechseln. Wenn ich also von Firma A zu Firma B wechsel, werde ich sofort als Ausbildungsabbrecher verzeichnet, obwohl ich meine Lehre ganz normal weiterführe. Nur in einem anderen Betrieb“, sagt Ringel. „Die Betriebe sind zur Zeit in einer guten wirtschaftlichen Lage. Wenn es also einen Lehrling gibt, der seine Arbeit gut macht und sein Handwerk versteht, versuchen schnell die ersten Betriebe, ihn abzuwerben. Bei Erfolg wäre dann selbst der beste Lehrling auch ein Ausbildungsabbrecher“, so Eckhard Lammers von der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim.