Amtsgericht Meppen verhängt Bewährungsstrafe Mit Eisenstange ins Gesicht geschlagen?

Von Gerd Albers

Zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilte das Amtsgericht Meppen einen 46-jährigen Marktbeschicker.. Symbolfoto:  Christian Charisius/dpaZu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilte das Amtsgericht Meppen einen 46-jährigen Marktbeschicker.. Symbolfoto: Christian Charisius/dpa

Meppen. Zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten hat das Amtsgericht Meppen einen 46-jährigen Marktbeschicker der Sögeler Maria-Himmelfahrts-Kirmes verurteilt. Die Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

In der Anklageschrift wurde dem Beschuldigten vorgehalten, einen 49-jährigen Kollegen mit einer Eisenstange seines Marktstandes, ins Gesicht geschlagen zu haben. Im Laufe der Auseinandersetzung soll er zudem das Portemonnaie des Geschädigten versucht haben zu rauben. Der Angeklagte widersprach. Als Marktbeschicker habe er einen verbalen Streit mit seinem Nachbarn bekommen. In diesen Streit hätten sich dann auch noch ein paar andere, ebenfalls Marktbeschicker, eingemischt. Gemeinsam sei man auf ihn losgegangen. Er habe sich besonders bedroht gefühlt, als zwei Männer ihn festhielten; habe sich aber befreien können, und dem dem ärgsten Widersacher mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Dabei traf er seine Nase, die danach stark blutete. Mit einer Eisenstange habe er nicht zugeschlagen. Er habe auch nie die Absicht gehabt, dem Geschädigten die Geldbörse zu rauben.

Mehrere Zeugen

Das Gericht hatte mehrere Zeugen vorgeladen, die unmittelbar beteiligt waren. Der Geschädigte wies daraufhin, dass man sich zwischenzeitlich versöhnt und den Streit beigelegt hatte. Zum eigentlichen Tatablauf wollte er keine Auskunft mehr geben. Mittlerweile sei alles wieder gut.Der Angeklagte habe sich bei ihm entschuldigt und er habe die Entschuldigung auch angenommen. Dies sei bereits zwei Wochen nach der Auseinandersetzung geschehen.

Hinsichtlich des tatsächlichen Tatherganges sagte er nur, dass es zum Streit gekommen sei und er dabei verletzt wurde. Er wusste auch nicht mehr, ob der Schlag mit einer Stange oder mit der Faust ausgeführt wurde. Die Geldbörse habe sich nach dem Streit nicht wieder eingefunden. Er könne auch nicht sagen, ob der Angeklagte die Absicht hatte, sie ihm wegzunehmen. Die Verletzungen, die er erlitten habe, seien jedoch recht gravierend gewesen. Einen offenen Nasenbeintrümmerbruch mit einer Platzwunde im Gesicht habe er davon getragen.

Streitende getrennt

Der nächste Zeuge sagte aus, dass der Angeklagte mit einer Art Eisenstange zugeschlagen habe. Er konnte das Tatwerkzeug gut beschreiben. Diese Stange sei einem Kleiderbügel sehr nahe gekommen; oben habe sich ein Haken mit einer Querstange befunden, darunter sind dann mittig untereinander Ösen angebracht, in die mehrere Kleiderbügel mit Waren eingehängt werden können. Nachdem der Angeklagte damit zugeschlagen habe, habe er ihn festgehalten und die beiden Streitenden getrennt. Der Beginn des Streites sei eindeutig vom Angeklagten ausgegangen. Hinsichtlich des verschwundenen Portemonnaies konnte er keine Angaben machen.

In seinem Plädoyer sah der Staatsanwalt den Straftatbestand des versuchten Raubes als nicht nachweisbar an. Somit ging es bei der strafrechtlichen Würdigung nur um die gefährliche Körperverletzung. Diese sah er als erfüllt an, denn der Zeuge hatte den Tatablauf plausibel und glaubhaft dargestellt. Aufgrund der Tatsache, dass der Angeklagte noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, hielt er es für angemessen, das Geschehen als einen minder schweren Fall anzusehen und man von eine Haftstrafe absehen könne. Eine Geldstrafe von 3600 Euro hielt er für schuld- und strafangemessen.

Kein minderschwerer Fall

Der Verteidiger forderte Freispruch für seinen Mandanten, da dessen genaue Tatbeteiligung nicht schlüssig nachgewiesen worden sei. Ganz anders beurteilte das Schöffengericht den Vorfall. Es sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte mit der Eisenstange dem Geschädigten ins Gesicht geschlagen habe. Dieser habe dadurch doch erhebliche Verletzungen erlitten und es vielleicht nur einem glücklichen Zufall zu verdanken sei, dass nicht noch mehr geschehen sei, zum Beispiel hätte der Geschädigte auch sein Augenlicht verlieren können.

Demnach könne man hier nicht mehr von einem minder schweren Fall ausgehen und verhängte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werde. Ein Bewährungshelfer solle dem Verurteilten zur Seite gestellt werden. Neben den Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte eine Geldauflage von 2500 Euro zu zahlen.