Hochseilnummer im Mai in Meppen Show-Unfall des Neffen schreckt Artist Falko Traber nicht ab

Von Carola Alge


Meppen. Falko Traber liebt den Kick. Der Spross der berühmten Artistenfamilie, deren Dynastie 1799 beginnt, fährt immer noch auf dem Motorrad über das Hochseil. Während der Maitage am 5./6. Mai 2018 auch in Meppen. Das Risiko seines Berufs hält er für kalkulierbar. „Man muss den Schalter umlegen können weg von der Angst vor dem möglichen tödlichen Fehler“, sagt er im Interview mit unserer Redaktion.

  • Prinzen, Könige, Scheichs, Promis aus Sport Showbusiness und Politik waren das Publikum der Traber-Familie
  • Stunts wie im James-Bond-Film „Moonraker – Streng geheim“ gehörten auch für Falko Traber zum Alltag
  • Noch immer geht der Artist auf das Hochseil – am 5./6. Mai in Meppen
  • Der folgenschwere Sturz seines Neffen Johann Traber Jr. schockte ihn, schreckte ihn aber nicht ab
  • Das Risiko sei kalkulierbar, sagt Falko Traber

Traber, der mit der Familie für Stunts schon mit Roger Moore in einem James-Bond-Film vor der Kamera stand, hält verschiedene Rekorde. Unter anderem den als schnellster Artist. 1998 raste er am Freiburger Schlossberg mit einer Honda CBR 1100 XX mit einer Geschwindigkeit von 96 Stundenkilometern über das Seil.

Die Gefahr seines Berufes hält er für kalkulierbar. Wichtig seien Disziplin und Konzentration. „Man muss hundertprozentig funktionieren und sich auf das Material verlassen können“. Als sein Neffe vor einigen Jahren bei einer Show 2006 in Hamburg abstürzte und schwer verletzt wurde, sei das schon ein Schockmoment gewesen. An das Aufhören habe er seinerzeit jedoch nicht gedacht. „Denken Sie zum Beispiel an einen Dachdecker mit Angestellten. Wenn einer von denen vom Dach fällt, kann er auch nicht sagen, ich mache das Geschäft zu, weil einer heruntergefallen ist.“

Herr Traber, Sie waren vor Jahrzehnten schon mal in Meppen. Können Sie sich daran noch erinnern?

Das war in den 1970er- oder 1980er-Jahren. Die ganze Gegend ist sehr schön. Das sage ich jetzt nicht nur so, sondern meine es auch. Ich war öfters in der Nähe, unter anderem in Osnabrück. An Baulichkeiten erinnere ich mich natürlich weniger, aber an die Menschen schon. Die Mentalität ist toll, und die Begeisterung der Menschen für unsere Arbeit war groß.

Höher, weiter, spektakulärer. Das Programm dürfte bei Ihrem Auftritt bei den Meppener Maitagen ein komplett anderes sein. Ganz kurz: Was erwartet die Besucher?

Wir machen eine Veranstaltung, die live ist. Live heißt ohne Netz und doppelten Boden. Bei einer Fernsehsendung kann viel manipuliert werden. Hier nicht. Die Leute sind live dabei und spüren einen gewissen Nervenkitzel. Wir müssen uns immer nach Platz und Raum richten. Das heißt, unsere Seile werden so hoch und so weit gespannt, wie es die Platzmöglichkeiten erlauben. Der Artist begibt sich immer, egal bei welcher Höhe und Weite, in Gefahr. Jeder Auftritt ist eine Premiere. Auch der in Meppen im Mai.

Stichwort Gefahr. Wie kalkulierbar ist so ein Risiko?

Das Risiko ist gegeben, sobald Sie auf die Welt kommen (lacht). Man muss viel Erfahrung haben. Toi, toi, toi, hat es bis jetzt bis auf wenige Abstürze immer geklappt. Unsere Artistinnen sind immer gesichert. Wir arbeiten seit Jahrhunderten stets im Ortskern nah am Publikum.

Einen schweren Absturz hatte Ihr Neffe Johann Traber Jr. Er verunglückte bei einem Auftritt, als er in Hamburg aus 45 Meter Höhe abstürzte. Wie geht es ihm heute, zwölf Jahre später ?

Dem geht es gut. Er ist verheiratet, fährt Auto. Natürlich ist er nicht 100-prozentig fit, aber er steht im Leben, ist im Leben zurück.

Als das in Hamburg passierte: Haben Sie da selbst einen Moment dran gedacht aufzuhören?

Ich war damals mit meinem Sohn bei einer Veranstaltung hier in Breisach, wo wir leben. Er fuhr mit mir auf dem Motorrad mit. Die Nachricht war natürlich ein Schockmoment. Aber ich hatte ja schon 1996 einen Lauf in Baden-Baden. Wir liefen auf einem 640 Meter langen Seil über die Altstadt, von dem ein junger Artist, der sich unserer Familie angeschlossen hatte, stürzte, nachdem das Seil ruckartig um einige Zentimeter abgesackt war. Er starb. So einen Schock zu überwinden ist immer schwierig. Aber denken Sie zum Beispiel an einen Dachdecker mit Angestellten. Wenn einer von denen vom Dach fällt, kann er auch nicht sagen, ich mache das Geschäft zu, weil einer heruntergefallen ist. Ich versuche, mich nie unnötig in Gefahr in dem Sinn zu begeben, dass ich leichtsinnig bin. Man kalkuliert und konzentriert sich sehr exakt auf die Schritte, die man tut, um jedes unnötige Risiko auszuschließen. Das verlangt viel Disziplin und ist natürlich auch anstrengend. Man muss den Schalter umlegen können weg von der Angst vor dem möglichen tödlichen Fehler. Man muss hundertprozentig funktionieren und sich auf das Material verlassen können.

Gibt es für Sie eine Altersgrenze, dass Sie sagen: Dann trete ich ab, oder machen Sie das von anderen Faktoren abhängig?

Als ich 16, 17 Jahre alt war, habe ich gesagt, dass ich mit 40 nicht mehr über das Seil gehe. So einen Beruf kann man nicht machen, wenn man sich eine Altersgrenze setzt. Man muss diesen Beruf lieben – und natürlich Erfolg haben. Es hängt von der Liebe ab, mit der Sie den Beruf machen. Das ist in jedem Job so. Solange die da ist und ich das mir und dem Publikum gegenüber verantworten kann, mache ich weiter. Egal, was man beruflich macht, man muss es mit Freude und Respekt tun.

Ihre Familie hat in der Vergangenheit einige spektakuläre Aktionen hingelegt, unter anderem das Laufen auf einem Seil auf der Zugspitze und auf dem Zuckerhut. Welche Nummer hätten Sie gern präsentiert, zu der es aber nie kam?

Ja. Ich plane zum Beispiel ein Projekt in der Schweiz. Dort würde ich gern zu Fuß und mit dem Fahrrad den Rheinfall von Schaffhausen überqueren. Das wäre eine schöne Sache.

Die Trabers lieben ja die Herausforderung. 1979 trat Ihre Familie in dem James-Bond-Film „Moonraker – Streng geheim“ auf., machte sie Stunts. Wie war der Kontakt zu Roger Moore?

Das war alles sehr locker. Wir haben ihn Jahre später noch mal getroffen. Es war immer sehr nett. Wir konnten am Set alles anschauen, was gefilmt wurde, haben sämtliche Schauspieler kennengelernt. Ein bisschen liegt das auch daran, wie man selbst auf die Menschen zugeht und dass wir natürlich bekannt sind und einen Namen haben wie das Tempo-Taschentuch oder eine Flasche Selters-Wasser (lacht).

Apropos Promis. Ihr Vater kam auf die Idee, nach der Geburt von Caroline von Monaco das Fürstenpaar anzurufen und zu fragen, ob die Trabers zu Ehren Carolines bei den Feierlichkeiten auftreten sollten. Ihr Vater wurde danach Ehrenbürger von Monaco.

Ja, wir haben hier Bilder mit der Fürstenfamilie mit Original-Unterschrift von Fürstin Grace Kelly und Fürst Rainier an der Wand. Oder auch vom Papst. Ich hätte übrigens gerne einen Lauf über den Petersplatz in Rom gemacht als Mahnung für die Welt: dass sie nicht aus der Balance, aus den Angeln gerät. Das wäre mein Traum gewesen.

Warum?

Die Leute aufmerksam zu machen: Die Welt fällt aus den Angeln, wenn wir nicht die Balance halten zwischen Gut und Böse, zwischen Politik und Realistik. Ich bin nicht politisch, aber ich mache mir Sorgen um die Welt. Sie ist zu schnell und zu oberflächlich.

Zu schnell, zu oberflächlich. Inwieweit kann Artistik im großen Sinne da etwas bewirken?

Man kommt als Zuschauer und fühlt mit. Der Mensch ist immer auf der Suche nach irgendetwas. Aber Gefühle bleiben oft auf der Strecke. Dabei ist es so einfach. Man muss nur sich selbst kennenlernen. Wenn Menschen manchmal ein schlechtes Gefühl haben, wissen sie oft nicht, woran das liegt. Haben sie Existenzängste, haben sie Angst, den Partner zu verlieren, den Job? Wer aber denkt an das Leben, denkt daran, dass er es schnell verlieren kann? Wer über das Seil geht, denkt immer: Hoffentlich klappt es– aber mit einem gewissen Lächeln dabei.

Lernt man als Artist, das Leben anders, bewusster zu schätzen?

Absolut. Ich hänge mehr am Leben als manch anderer und bin ganz sicher nicht lebensmüde. Und irgendwie ist doch das ganze Leben ein Drahtseilakt.

Die Hochseilartisten der bekannten Familie Traber werden bei den Meppener Maitagen am 5. und 6. Mai in 40 Meter Höhe über dem Marktplatz ihre akrobatischen Darbietungen präsentieren. Am Samstag wird Falko Traber zweimal gegen 21.30 sowie 23 Uhr seine spektakuläre Hochseilshow (jeweils 20 Minuten) zeigen. Am Sonntag ist die Traber-Familie um 13.30, 15 und 17 Uhr zu sehen.