„Es muss Hoffnung für den nächsten Schritt geben, sei er auch klein“ Tausende Gläubige bei Kreuztracht in Meppen

Von Heiner Harnack

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Meppen. 1647, kurz vor Ende des Dreißigjährigen Kriegs, führten Jesuiten-Patres den Brauch ein, am Karfreitag durch einen Unbekannten, der Jesus Christus darstellt, ein Holzkreuz durch die Straßen der Stadt zu tragen. Mit der Kreuztracht sollte ein Zeichen gegen die geistliche Not der Menschen gesetzt werden. Zum 371. Mal begleiteten nun in Meppen Tausende Gläubige den Leidensweg durch die Straßen der Innenstadt.

Bereits eine Dreiviertelstunde vor Beginn des Gottesdienstes in der Propsteikirche St. Vitus war diese fast bis zum letzten Platz gefüllt. Dem Anlass angemessen, war das Gotteshaus bis auf wenige eingeschaltete kleine Scheinwerfer und das Licht, das durch die Fenster drang, kaum beleuchtet. Vorne am Altar das in Trauerflor gehüllte Kreuz, rund 70 Kilogramm schwer.

„Wer diesen Kreuzweg geht, ahnt etwas von diesem grauenhaften Geschehen und ist erschrocken, wenn er erkennt, wozu Menschen fähig sind, einander etwas anzutun“, sagte Propst Dietmar Blank. Manchmal erscheine auch das eigene Leben wie ein Kreuzweg. Da gebe es Erfahrungen mit Leid, Unrecht, Krankheit und Begegnungen mit Sterbenden und Toten.

Nachdenken und zur Besinnung kommen

„Mitten in unserer Stadt, wo sich sonst unser Leben abspielt, geht heute der Darsteller des Jesus mit dem Kreuz.“ Damit wolle man deutlich machen, dass Jesus mit den Menschen gehe. Das gelte für die guten und gelungenen Wege, aber auch für die des Leidens, so Blank.

„Dieses ist ein Tag, um nachzudenken und zur Besinnung zu kommen“, sagte der aus Lengerich stammende Weihbischof Johannes Wübbe. Wie oft werde das eigene Leben durch Themen wie Leid und Ohnmacht durchkreuzt. Das komme ungefragt und sei plötzlich einfach da. Wübbe vertrat in diesem Jahr Bischof Franz-Josef Bode, der sich in einer Rehabilitationsmaßnahme befindet. Er meinte, dass es häufig sehr beschwerlich sei, nach dem Fallen wieder aufstehen zu können. „Es gibt auch Menschen, die es einem anderen mit großer Grausamkeit schwer machen, wieder aufzustehen“, mahnte er ein besseres Miteinander an.

Die auf den Herrn vertrauen, gewinnen neue Kraft“

Wübbe erinnerte an die schwere Krankheit von Pastor Rainer Lührmann, den man vor einigen Wochen verloren habe. „Rainer Lührmann war als Seelsorger, Mensch und als guter Begleiter und Freund bei so vielen von uns.“ Der Weihbischof spiegelte in seiner Predigt auch menschliche Verhaltensweisen wider, als etwas versprochen, dann aber doch nicht eingehalten worden sei. Er erinnerte ebenso an die Enttäuschungen bei Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak oder den jüngsten Terroranschlag in Frankreich. „Wie sollen all diese Menschen wieder aufstehen?“, fragte er in die Gemeinde.

Aufstehen müsse auch die Perspektive bieten, es lohne sich wirklich, meinte Wübbe. Selbst der noch so kleine Schritt müsse Hoffnung geben, mahnte der Weihbischof die Hilfe unter den Menschen an. „Die auf den Herrn vertrauen, gewinnen neue Kraft.“ Anschließend folgte eine riesige Menschenmenge den Darstellern von Jesus Christus und Simon durch die Meppener Innenstadt, wo fünf Mal der Kniefall des Gepeinigten stattfand.


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