Serie „Mein Job und ich“ Künstler Erik Zwezerijnen über Erfolg und persönliche Höhepunkte

Von Stefanie Müller

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Klein Berssen. Der Künstler Erik Zwezerijnen ist seit 26 Jahren international erfolgreich. In New York, Paris und Monaco stellt er regelmäßig aus. Sein Atelier hat der gebürtige Niederländer in Klein Berßen. Für die Serie „Mein Job und ich“ erzählt der 59-jährige warum er Künstler geworden ist und verrät sein Geheimnis für den Erfolg.

Herr Zwezerijnen, Sie sind Autodidakt, haben sich die Kunst selbst beigebracht. Wie kam es dazu?

Schon als Kind konnte ich gut zeichnen, und das war auch das Einzige, was mich in der Schule so richtig interessiert hat. Kreativität begleitet mich mein ganzes Leben. Mein Vater hatte ein Klaviergeschäft. Ich bin also erst einmal in das Geschäft eingestiegen und habe das Restaurieren alter Klaviere und Flügel gelernt. Das hat mir Spaß gemacht, ich konnte aber meine Fantasie nie richtig nutzen. Es gab immer ein Konzept, nach dem wir gearbeitet haben. Mir fehlte es, meine Kreativität einzubringen. Ich habe mich gefragt, ob ich das wirklich weiter machen möchte. Irgendwann habe ich mir Leinwände gekauft und angefangen zu malen. Das war der Moment, in dem ich wusste: Das will ich machen! Und so ging das große Abenteuer los.

Sie sprechen von einem Abenteuer. Wie schwierig ist es, Künstler zu werden?

Für mich war es nicht schwierig. Man fragt mich manchmal, wie lange bist du schon Künstler und ich antworte: Ich wurde als Künstler geboren. Man muss wirklich an sich glauben. Es dauert natürlich, bis man bekannt ist und es gibt Zeiten, in denen man von wenig lebt. Ich wusste aber: Das will ich machen. Für mich war es eine Befreiung und ich hatte sehr schnell meinen Stil gefunden. Meine Bilder sind figurativ, man kann erkennen, was abgebildet ist. Es gibt viele Arten zu malen, ich habe großes Glück, dass das Publikum sehen will, was ich male. Damals waren schnell Galerien, auch international, interessiert. Einen sicheren Stil zu haben, ist sehr wichtig.

Man kann also von der Kunst leben. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis?

Man kann davon leben. Ich habe zwei Galerien in den Niederlanden, in Echten und in Groningen. Im Grunde ist es wie bei einer Firma, die gute Arbeit macht. Gute Arbeit spricht sich rum und auf diese Weise wird man bekannter. Ein guter Ruf ist wichtig. Das wirkliche Geheimnis ist aber, immer seinem Herzen zu folgen und niemals etwas zu machen, das gegen das eigene Gefühl geht. Was man tut, sollte glücklich machen. Man muss aber auch etwas Geschäftsmann sein und sich bewusst machen, dass man ein einzigartiges Produkt hat. Wenn Menschen das Produkt haben möchten, ist das eine gute Basis. Genauso wichtig ist, dass die Menschen wissen, dass man seine Arbeiten verkauft. Mit dem Internet und Social Media ist das einfacher geworden. Ich mache auch Auftragsarbeiten, Kunden können ihr ganz persönliches Bild in meinem Stil bestellen. Man könnte sagen: Ich habe ein Atelier in Klein Berßen und zwei Läden in Echten und Groningen. Ein guter Ruf ist mein Marketing und Auftragsarbeiten mein Kundenservice.

Sie haben in New York, Paris und Monaco ausgestellt und sicher viel Interessantes erlebt. Was hat Sie besonders beeindruckt?

Man trifft sehr viele interessante Menschen und diese Ausstellungen sind immer fantastisch. Ich habe viele berühmte Menschen getroffen, wie den ehemaligen niederländischen Premierminister Jan-Peter Balkenende. Er hat eines meiner Bilder gekauft. In einer niederländischen Serie, ähnlich wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, werden meine Bilder seit Jahren für das Set verwendet. Das sind tolle Sachen. Oft sagt man mir, das ist jetzt der Höhepunkt deiner Karriere. Aber so ist es für mich nicht. Meine Höhepunkte sind, wenn ganz normale Menschen meine Bilder haben möchten. Ihre Begeisterung ist für mich viel beeindruckender als die großen Ausstellungen. Wenn jemand mein Bild in seinem Zuhause haben möchte, das ist mein persönlicher Höhepunkt.

Künstler gelten als ein wenig verrückt. Muss man als Künstler verrückt sein?

Manchmal erwartet das Publikum das. Künstler sind aber nicht verrückter als andere Menschen. Positiv verrückt, könnte man sagen. Es hilft, visionär zu sehen und zu denken. Wenn eine Leinwand noch leer ist, habe ich Ideen, die andere Menschen nicht haben. Im Gegensatz zu anderen Berufen folgt man als Künstler mehr dem Gefühl als dem Verstand. Und natürlich lebt man viel in seiner eigenen Welt und Fantasie. Mir ist aber die Gemeinschaft sehr wichtig. Ich bekomme viel Inspiration aus meiner Umwelt und ich möchte nicht nur nehmen, sondern auch etwas zurückgeben. In Klein Berßen leite ich den Kirchenchor und spiele Orgel.

Wer sind Ihre Vorbilder in der Kunst?

Ich war noch nie im Rijksmuseum in Amsterdam und die Nachtwache von Rembrandt habe ich auch noch nicht gesehen. Meine Vorbilder sind nicht die klassischen Maler. Ich liebe die moderne Kunst. Beeinflusst haben mich eher die Arbeiten von Picasso oder Karel Appel. Die Freiheit des Geistes in der Kunst, das finde ich interessant. Die Kunst ist immer eine Handschrift der Zeit und mich interessiert auch sehr die Kunst der heutigen Zeit. Positive Energie in einem Werk ist mein Vorbild.

Sie haben in internationalen Metropolen ausgestellt. Was hat Sie ins Emsland geführt?

Einen großen Teil meines Lebens habe ich in der Nähe von Stadskanaal gelebt. Das ist vom Emsland nicht weit entfernt. Vor fünf Jahren wollten meine Frau und ich ein Haus kaufen und sind dabei auf Klein Berßen gestoßen. Das Haus in dem wir jetzt wohnen hat uns mit seinem Charme und Charakter sofort überzeugt. Die Menschen hier sind sehr nett und wir haben den Umzug noch keinen Tag bereut. Klein Berßen ist ein ruhiger Ort, von meinem Atelier aus schaue ich direkt in die Natur. Das ist für mich inspirierender als die großen Städte.


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