Blühende Landschaften gesucht Wie Karikaturist Fritz Wolf die Liebe zum Emsland entdeckte

Von Hermann Queckenstedt

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Meppen. Generationen von emsländischen Zeitungslesern freuten sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf die morgendliche Karikatur von Fritz Wolf. Am 7. Mai 2018 würde der begnadete Zeichner 100 Jahre alt, wenn er nicht im Dezember 2001 an den Folgen einer Herzoperation verstorben wäre. Ausstellungen in Hannover, Osnabrück, Lingen und andernorts erinnern an den „Männekesmaler“ – wie er sich selbst gern titulierte.

Als der Verkehrsverein Osnabrück Fritz Wolf im Februar 1999 zum neuen Grünkohlkönig kürte, bekannte dieser: „Ich bin ein Osnabrücker!“ Und das, obwohl der Mann eigentlich aus Mülheim an der Ruhr stammte. In den vorangegangenen fünf Jahrzehnten hatte er sein Herz für den Nordwesten entdeckt, wo er von 1949 bis 2001 die regionalen Zeitungsleser mit seinen humorvollen Zeichnungen begeisterte: Diese brachten komplexe politische oder gesellschaftliche Sachverhalte mit einem ebenso einfachen wie genialen Strich auf den Punkt.

Für den Osnabrücker Presseball kam ihm 1995 ein ganz besonderer Einfall. Hatte Bundeskanzler Helmut Kohl für die Zeit nach der Wiedervereinigung blühende ostdeutsche Landschaften prognostiziert, so suchte Fritz Wolf diese zeichnerisch im Emsland. Beim Vorbeimarsch der Wanderer Helmut Kohl und Rudolf Seiters raunt ein Beobachter der Szenerie dem anderen vor einem Emsland-Wegweiser zu: „Seiters zeigt Kohl blühende Landschaften“.

„Bilder aus der Provinz“

Vor allem in dessen Zeit als Kanzleramts- und Innenminister würdigte Fritz Wolf den emsländischen Bundestagsabgeordneten zu den Themen Asylrecht und Rechtsradikalismus oder als öffentlichen Wortführer bei den Tarifverhandlungen mit der ÖTV. Ein weiteres Bildthema Fritz Wolfs war der SV Meppen, den er für seine gezeichneten Prognosen zum neuen Jahr wiederholt in einträchtiger Konkurrenz mit dem VfL Osnabrück präsentierte.

Weit über das Verbreitungsgebiet der Neuen Osnabrücker Zeitung und ihrer Vorläuferinnen Neues Tageblatt und Neue Tagespost hinaus hat Fritz Wolf den Lesern der Hamburger Zeitschrift „Stern“ mit seinen „Bildern aus der Provinz“ einen spannenden Einblick in das Leben der Region gegeben. Die einzelnen Szenen dieser Rubrik verweisen häufig auf den Nordwesten: ob durch entsprechende Autokennzeichen, Reminiszenzen an regionale Sportvereine oder das Bildnis seines Lieblingswirts Alois Wermelt, in dessen Kneipe Fritz Wolf in den 1960er Jahren oft vorbeischaute, wenn er in der Zeitungsredaktion seine tägliche Karikatur abgeliefert hatte.

Schöpfer humoristischer „Stern“-Serien

Im Stern wurde er durch zwei weitere humoristische Serien bekannt: Die „Bon(n)bons“ legten bekannten Politikern in beigefügten Sprechblasen schräge Aussprüche in den Mund und am Fuß der Seite „satire“ suchten die Leser wöchentlich die drei oder vier cartoonartig nebeneinander stehenden Politkarikaturen, die neben den Bonner Akteuren auch die Weltpolitik aufs Korn nahmen.

Den Bildern aus der Provinz nicht unähnlich, lieferte Fritz zudem regelmäßige Zeichnungsfolgen zur Lebensart für die Illustrierten „Brigitte“ und „Schöner wohnen“, die wie der „Stern“ im Verlag Gruner & Jahr erschienen. Bisweilen druckten internationale Blätter wie das „Time Magazine“ seine politischen Karikaturen nach, die Fritz Wolf zudem für die „Bild-Zeitung“, „Die Welt“, die „Rheinische Post“ und verschiedene Publikationen unterschiedlicher Couleur bis hin zu Fachzeitschriften lieferte.

Chronist der alten Bundesrepublik

Entwickelt hatte sich seine Lust, Mitmenschen zu karikieren schon in der Schulzeit, als es vor allem seine Lehrer traf. Als Wehrmachtszeichner wurde Fritz Wolf sodann während des Zweiten Weltkriegs in Norwegen und Russland eingesetzt, bevor er nach dem Krieg ein Studium an der Folkwang-Fachschule in Essen begann. Ohne dieses abzuschließen, heuerte er 1949 in Osnabrück beim Neuen Tageblatt an, für das sein früherer Vorgesetzter Achilles Markowski von der britischen Besatzungsmacht eine Lizenz erhalten hatte. Bereits im Vorjahr hatte Fritz Wolf begonnen, freiberuflich für die katholische Jugendzeitschrift „Die Wacht“ zu zeichnen, später auch für die Jungenzeitschrift „voran“. Vor allem letztere bot ihm ein interessantes Experimentierfeld, auf dem er Vorstufen zu den „Bildern aus der Provinz“ entwickelte.

Heute gilt Fritz Wolf als zeichnender Chronist der alten Bundesrepublik, wobei er zunächst vor allem Illustrationen für Zeitungsartikel oder Werbeanzeigen entwarf. Dann kamen im Lauf der 1950er Jahre zusehends Sport- und Lokalkarikaturen hinzu, mit denen er seinen später ebenso einfachen wie treffsicheren Strich entwickelte. In seiner neuen Heimatstadt bestens vernetzt, erfüllte Fritz Wolf Freunden, Bekannten, Unternehmen oder Vereinen Wünsche nach Zeichnungen, die er teils gegen Honorar schuf: Germanen in Kalkriese, Tennissport, befreundete Ärzte und vieles mehr bot ihm reichlich Stoff.

Ausstellungen zeigen Fritz Wolfs Werk

In Niedersachsen legen 2018 verschiedene Museen angesichts seines 100. Geburtstags einen besonderen Fokus auf Wolfs Werk. Noch bis zum 15. Mai zeigt das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover einen Querschnitt vor allem seiner politischen Karikaturen, während das Osnabrücker Museum am Schölerberg seine Umwelt-Karikaturen präsentiert.

Am 15. Juli endet im Diözesanmuseum Osnabrück die Ausstellung „Er war ein Osnabrücker!“, die die vielfältigen Bezüge des Zeichners in seine neue Heimatregion dokumentiert. Mit über 100 zumeist unveröffentlichten kolorierten Zeichnungen aus Privatbesitz erschließt die Schau unbekannte Facetten Fritz Wolfs, zu denen auch die Sport- und Lokalkarikaturen der 1950er Jahre gehören. Im Auftrag der Fritz-Wolf-Gesellschaft hat der Medienwissenschaftler Sebastian Scholtysek sämtliche Zeichnungen zwischen 1949 und 1972 aus den Zeitungsbänden im Archiv der Neuen Osnabrücker Zeitung gescannt: Denn in jenen Jahren warfen die Setzer die Originale in den Papierkorb, nachdem sie als Vorlage für Druckformen aus Blei gedient hatten.


Das Diözesanmuseum Osnabrück bietet ein umfangreiches Begleitprogramm zu seiner Fritz-Wolf-Ausstellung an. So steht der Internationale Museumstag am Sonntag, 13. Mai 2018, ganz im Zeichen des Themas Karikatur: Der Hamburger Karikaturist Jens Natter gibt Einblicke in seine Arbeit und weist den Kindern vormittags in einem Workshop den Weg zum eigenen Comic. Am Nachmittag erzählt der Profi von seinem Alltag als Zeichner, während er live ein Porträt Fritz Wolfs fertigt. Aber nicht nur das Vorbild aus der Ausstellung kommt zu Ehren: Wer sich traut, bekommt ein lustiges Schnellporträt noch vor Ort.

Darüber hinaus gibt es während der gesamten Laufzeit der Ausstellung spezielle museumspädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche sowie regelmäßige öffentliche Führungen an verschiedenen Sonntagen. Ein Begleitbuch wird zum 7. Mai erscheinen und die neuesten Forschungsergebnisse zum Osnabrück-Werk Fritz Wolfs dokumentieren.

Informationen zu allen Fragen rund um Fritz Wolf gibt es im Diözesanmuseum unter Tel. 0541/318481. In weiteren Ausstellungen im Kreishaus in Osnabrück, im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen, im Kunstverein Melle, im Tuchmachermuseum Bramsche, im Stadtmuseum Quakenbrück sowie im Museum Villa Stahmer in Georgsmarienhütte werden im Laufe des Jahres spezielle Schauen folgen, die seine Karikaturen zu den Themen Umwelt, Kirche, Kunst, Mode, Musik und Fußball dokumentieren.

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