Verdacht auf Schwarzarbeit Zoll ermittelt gegen Campingplatz in Haselünne

Von Konstantin Stumpe

Wehren sich gegen die Vorwürfe gegen den Campingplatz und verweisen auf das Positive: Betreiber Heinz-Richard Holt und Chefin vom Dienst, Bianka Steinbrügge. Foto: Konstantin StumpeWehren sich gegen die Vorwürfe gegen den Campingplatz und verweisen auf das Positive: Betreiber Heinz-Richard Holt und Chefin vom Dienst, Bianka Steinbrügge. Foto: Konstantin Stumpe

Haselünne. Das Hauptzollamt Osnabrück ermittelt derzeit gegen den Campingplatz Comfort Camping Haseufer in Haselünne wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit. Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte Zoll-Pressesprecher Christian Heyer, dass im Frühjahr 2017 eine unangekündigte Durchsuchung des Campingplatzes stattgefunden hatte.

Das Verfahren gegen den Campingplatz läuft bereits seit Januar 2017. Bei der Durchsuchung des Platzes im Frühjahr seien Dokumente gesichtet worden. Ob dabei auch Unterlagen beschlagnahmt worden sind und ob diese den Verdacht bestätigen konnten, gab Heyer aufgrund der noch laufenden Ermittlungen nicht bekannt. Informationen unserer Redaktion zufolge soll der Campingplatzbetreiber Heinz-Richard Holt mehrere Personen aus Osteuropa beschäftigt haben, ohne seinen Pflichten zur Abführung von Steuern und Sozialversicherungsabgaben nachgekommen zu sein.

Rumänen bei sich wohnen lassen

Auf Nachfrage unserer Redaktion bestreitet Holt die Vorwürfe. Seinen Schilderungen nach habe er damals einen Mitarbeiter aus Rumänien beschäftigt. Dieser habe ihn gefragt, ob er auch Arbeit für zwei Freunde habe, was er bejahte. Als er die beiden habe abholen wollen, hätten plötzlich zehn Personen vor ihm gestanden, die alle bei ihm arbeiten wollten. Er habe aber nicht für allen eine Stelle gehabt. Also habe er auch nur die zwei Männer eingestellt. Unterkommen konnten die neuen Mitarbeiter laut unseren Informationen in einer Wohnung, die an den zum Campingplatz gehörenden Pferdestall angrenzt. Aber auch die anderen Männer hätten eine Wohnung gesucht. „Die habe ich auch bei mir untergebracht“, sagt Campingplatzbetreiber Heinz-Richard Holt im Gespräch mit unserer Redaktion.

Von zwei Seiten wurde unserer Redaktion herangetragen, dass Holt die Männer mit überhöhten Strompreisen zur Kasse gebeten haben soll. Auch diese Vorwürfe bestreitet er. Alle Mieter würden bei ihm die gleichen Strompreise zahlen.

Scheinadresse für Dauercamper?

Die Wohnung am Pferdestall soll von Holt jedoch nicht nur als Unterkunft für seine neuen Arbeitskräfte genutzt worden sein, sondern auch als Scheinadresse für einige Dauercamper auf seinem Platz. Grund: Der Campingplatz ist laut Flächennutzungsplan als Erholungsgebiet ausgewiesen, in dem nur vorübergehendes Wohnen in mobilen Unterkünften zulässig ist. Eine dauerhafte Wohnnutzung ist demnach rechtswidrig. Damit seine Camper eine feste Wohnadresse angeben konnten, soll der Betreiber den Dauercampern nahegelegt haben, sich an der Wohnung am Pferdestall anzumelden, obwohl die Wohnung für eine solch große Zahl an Mietern nicht ausgelegt ist. Holt bestreitet auch diese Vorwürfe. Er fordere jährlich von allen Dauercampern die aktuellen Wohnadressen ein. So eine Vorgehensweise habe es bei ihm nie gegeben. Bei einem Besuch unserer Redaktion vor Ort war die Wohnung unbewohnt und wurde gerade renoviert.

Überprüfung durch Landkreis

Der Landkreis Emsland ist als zuständige Aufsichtsbehörde für die Kontrolle zuständig. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt Pressesprecherin Anja Rohde: „Der Fall Campingplatz Comfort Camping beziehungsweise das Erholungsgebiet Campingplatz in Haselünne und die aktuelle Problematik des Dauerwohnens sind hier bekannt. Es hat vor Kurzem eine Überprüfung vor Ort stattgefunden. Bauaufsichtliche Verfahren befinden sich aktuell in der Bearbeitung.“

Stall und sanitäre Anlagen sauber

Auch Verordnungen im Bereich Gesundheit und Hygiene auf dem Campingplatz sollen Informationen unserer Redaktion zufolge nicht immer korrekt eingehalten worden sein. „Die Pferde versinken im Matsch“, kritisiert ein Informant. Bei einem Rundgang über den Platz und den Stall, zu dem der Betreiber unserer Redaktion nach ein paar Tagen Vorlaufzeit eingeladen hatte, konnten keine Mängel gefunden werden. Der Stall war ordentlich und gepflegt. Auch bei der Überprüfung durch den Landkreis wurden keine Mängel festgestellt. Das Stroh liege laut Bianka Steinbrügge, Chefin vom Dienst, im Winter nur etwas höher, damit sich die Pferde wärmen können. Auch die sanitären Anlagen waren ohne Mängel.