Seit 150 Jahren im Familienbesitz Kein Tag ist wie der andere für Meppener Augenoptiker Muke

Von Stefanie Müller


Meppen. Optik Muke in Meppen feiert in den kommenden Tagen sein 150-jähriges Bestehen. Als Uhren- und Augenoptikergeschäft hat das Unternehmen angefangen. Heute leitet Kai-Johannes Muke in fünfter. Generation das Familiengeschäft. Die Familie blickt auf eine erfolgreiche und nicht immer einfache Geschichte zurück.

„Wir mussten Fremdwörter verstehen lernen, Technisierung, Rationalisierung, Digital und Analog, und den Computer. Man hat uns manchmal beschimpft, beschummelt und bestohlen. Gott sei Dank haben wir aber überwiegend sehr nette Leute kennengelernt und deswegen wollen wir weitermachen und sehen, was uns in Zukunft noch blüht“, sagte Hermann Muke zum 120-jährigen Jubiläum. Muke leitete das Geschäft von 1970 bis 2000. Er verstarb kurze Zeit, nachdem Sohn Kai-Johannes und Tochter Jutta das Geschäft im Jahr 2000 übernommen hatten. Kai-Johannes Muke hat inzwischen modernisiert, technisiert, rationalisiert und der Computer ist nicht mehr wegzudenken.

Brand zerstört Mukes Geschäft

Vor 150 Jahren hat für die Familie Muke alles angefangen. Im Jahr 1868 eröffnete der damals 27-jährige Johann Muke zusammen mit seiner Frau das erste Uhren, Brillen und Juweliergeschäft der Familie. Ein Brand zerstörte 1905 in Meppen mehrere Gebäude, darunter auch Mukes Geschäft. Er war gezwungen, nach 37 Jahren sein Geschäft aufzugeben. In der Zwischenzeit hatte Mukes Sohn Hermann, der beim Vater das Handwerk des Uhrenmachers gelernt hatte, ein eigenes Uhrengeschäft eröffnet. Nach dem Brand baute Muke im Haus seines Sohnes ein neues Geschäft auf. Anstatt Uhren und Brillen verkaufte er jetzt Lebens- und Genussmittel, es handelte sich um ein sogenanntes Kolonialwarengeschäft.

Verlorenes Meisterstück

„Mein Urgroßvater Hermann Muke war ein geschickter Uhrenmacher. Er hatte nicht nur bei seinem Vater gelernt, sondern auch die renommierte Uhrmacherschule in Glashütte in Sachsen besucht“, erzählt Kai-Johannes Muke. Während der Zeit in Glashütte hatte der Urgroßvater 1890 in einjähriger Handarbeit eine Taschenuhr als Meisterstück gefertigt. „Diese Uhr ging leider verloren und war seit 1947 verschollen. Bei einem Uhrenhändler in Aachen tauchte die Uhr dann 1983 wieder auf und wurde meinem Vater zum Verkauf angeboten“, erinnert sich Muke. Heute ist sie eine Rarität und wieder im Familienbesitz.

Lehrlinge übernehmen im Krieg

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges und der Einberufung Hermann Mukes fand die Familientradition vorerst ein Ende und das Geschäft wurde geschlossen. Nachdem Muke aus dem Krieg zurückkehrte, eröffnete er nicht nur sein Geschäft wieder, er nahm auch gleich seinen Sohn Johannes in die Lehre. „Mein Urgroßvater starb, kurz nachdem mein Großvater seine Lehre begonnen hatte. Erst sechs Jahre später, nach Abschluss seiner Ausbildung 1926, konnte er das Geschäft übernehmen“, sagt Kai-Johannes Muke. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Johannes Muke zum Kriegsdienst eingezogen, seine Frau Maria und einige Lehrlinge führten das Geschäft bis zu seiner Rückkehr weiter.

Modernes Geschäftshaus

Bevor Kai-Johannes Muke das Geschäft übernahm, hatte sein Vater Hermann Muke das Familienunternehmen 30 Jahre lang erfolgreich geführt. Dem 45-jährigen war von klein auf klar, dass er die Familientradition weiterführen möchte. „Ich bin mit dem Geschäft aufgewachsen“, sagt Muke. Er erinnert sich noch an die große Sanierung 1982. Damals wurde das 1885 gebaute Gebäude abgerissen und es entstand ein modernes Geschäftshaus. Heute ist das Geschäft räumlich aufgeteilt, in die Bereiche Augenoptik sowie Uhren und Schmuck. „Ich habe die Augenoptik übernommen und meine Schwester die Uhren und den Schmuck“, erzählt Muke. Der 45-jährige Augenoptiker hat das Geschäft 2007 modernisiert und erst im vergangenen Jahr renoviert.

Gemischter Kundenstamm

Das Geschäft rund um die Brillen ist ein modernes geworden. „Früher kamen die Kunden mit einem Rezept vom Augenarzt und die Brille wurde einfach bestellt. Heute spielt der Service und die Beratung eine viel größere Rolle“, erklärt Gaby Gädtke-Persike. Die Augenoptikerin arbeitet seit mehr als 30 Jahren im Geschäft der Familie Muke. „Unser Kundenstamm ist sehr gemischt, von Jung bis Alt. Unsere älteste Kundin ist 94 Jahre alt und die Jüngsten um die zwei Jahre. Alle freuen sich über eine gute Beratung und genau das wollen wir auch anbieten“, ergänzt sie.

Onlinehandel als Chance

Laut Muke seien die Ansprüche der heutigen Kunden hoch, besonders junge Menschen seien über das Internet schon sehr gut informiert und wissen genau, was sie suchen. Der Markt im Internet ist für Muke Konkurrenz. Er spüre dies zwar nicht so stark, wie der Einzelhandel aber man müsse auch als Optiker kreativ sein, um konkurrenzfähig zu bleiben. „Ich sehe das als Chance. Wir bieten unseren Kunden Service, wir nehmen uns Zeit für jeden Kunden und geben auch mal Brillen zum Ausprobieren mit“, sagt der 45-jährige.

Mehr als eine Sehhilfe

Seit Johannes Muke 1868 das Geschäft eröffnet hat, hat sich viel verändert. Die Brille ist heute mehr als vor 150 Jahren, sie ist eine hochwertige Sehhilfe und Modeassessor geworden. Während die Brillen um 1900 noch unbequeme Gläser zum Aufstecken auf die Nase waren (sogenannte „Zwicker“), so sind einige Gestelle heute aus leichtem Titan, mit Bambusholz verziert und die Brillengläser gar nicht unbedingt aus Glas. Sie werden zum Teil aus hochwertigem Kunststoff gefertigt. Jede Brille wird individuell für den Kunden hergestellt. Im Beratungsgespräch wird ausgesucht, ausprobiert und angepasst. Der Sehtest ist computergesteuert und die Gläser werden online bestellt.

Muke und seine Mitarbeiterinnen leben für ihren Beruf. „Es macht einfach Spaß, kein Tag ist wie der andere und manchmal kommen auch noch Kunden, die eine Batterie für ihre Uhr kaufen möchten“, sagt Muke. 150 Jahre Uhren- und Augenoptik aus dem Hause Muke ist wohl auch für viele Meppener zur Tradition geworden.