Zehn Teilnehmer aus der Region Telefonseelsorge Emsland startet neuen Ausbildungskurs

Von Matthias Engelken

Psychologe Markus Melnyk (v. l.) und Sozialpädagogin Beate Leugers-Warnking überprüften jetzt gemeinsam mit Hermann Niemann (Vorsitzender), Gislinde Prange (stellvertretende Vorsitzende), und Ludger Plogmann (Geschäftsführer) die Eignung der Bewerber zum Telefonseelsorger. Foto: Franz HillmannPsychologe Markus Melnyk (v. l.) und Sozialpädagogin Beate Leugers-Warnking überprüften jetzt gemeinsam mit Hermann Niemann (Vorsitzender), Gislinde Prange (stellvertretende Vorsitzende), und Ludger Plogmann (Geschäftsführer) die Eignung der Bewerber zum Telefonseelsorger. Foto: Franz Hillmann

Meppen. Anspruchsvoll sind die Aufgaben der Ehrenamtlichen in der Telefonseelsorge Emsland/Grafschaft Bentheim. Für das helfende Gespräch am Telefon sind außer gutem Willen und Hilfsbereitschaft bestimmte persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten nötig. Diese müssen erlernt werden. Jetzt nehmen erneut zehn Teilnehmer aus der Region an einer Fortbildung zum Telefonseelsorger teil.

Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit, Distanzfähigkeit und natürlich Verschwiegenheit gehören zu den Fertigkeiten, die ein Telefonseelsorger mitbringen muss. Dinge, die zum Teil erlernt werden müssen. „Die Mitarbeiter müssen beispielsweise lernen, sich von den oft belastenden Eindrücken zu lösen. Das Leben darf nicht in der Mitarbeit bei der Telefonseelsorge aufgehen“, sagt Hermann Niemann, Vorsitzender der Telefonseelsorge Emsland/Grafschaft Bentheim.

Er weiß, die Gespräche können durchaus belastend sein. „Nicht immer finden sich Lösungsmöglichkeiten oder Auswege. Erst in den Supervisionsgruppen, die einmal im Monat stattfinden, können wir das, was uns belastet, besprechen“, erzählt er aus seiner Erfahrung mit der Telefonseelsorge.

Flexibilität

Wichtig ist ihm die Flexibilität. „Wir haben es kurz hintereinander mit unterschiedlichen Menschen und Problemen zu tun und müssen uns oft von einer Minute auf die andere umstellen.“ Dabei ist flexibles Agieren wichtig, aber ebenso Offenheit, denn vielfach werden die Mitarbeiter mit den Wertesystemen und Weltanschauungen anderer Kulturen konfrontiert, die möglicherweise dem eigenen widersprechen. „Das fordert die Seelsorger in jedem einzelnen Gespräch heraus.“

Immense Herausforderungen

Doch obwohl die Herausforderungen immens sind, nehmen immer wieder neue Ehrenamtliche an den Kursen zum Telefonseelsorger teil. „Das freut uns jedes Mal“, sagt Niemann. Der Bedarf ist da, denn das Ziel der Telefonseelsorge Emsland/Grafschaft Bentheim ist eine „Rund-um-die-Uhr-Versorgung“ aus eigener Kraft. Dazu werden gut 80 Mitarbeiter benötigt, die im stetigen Wechsel ehrenamtlich arbeiten. Immerhin werden etwa 10.000 Gespräche jährlich geführt. Eine immense Zahl, die den Bedarf erklärt. „Auch deshalb hoffen wir immer auf weitere Mitarbeiter.“

Ein Jahr Ausbildung

Die Ausbildung beträgt etwa 150 Stunden und dauert ein Jahr. Im letzten Abschnitt der Ausbildung nehmen die Ehrenamtlichen als Hospitanten teil. Die Ausbildung findet in Meppen statt und startet mit einem Wochenende im Kloster Ahmsen.

Gut 14000 Euro kostet ein Kursus. Kosten, die der Verein übernimmt. Die Teilnehmer zahlen lediglich eine Gebühr von 100 Euro und verpflichten sich, für mindestens zwei Jahre, zwei Dienste à vier Stunden im Monat und zwei Nachtdienste pro Jahr zu übernehmen.

Wichtig ist dabei auch die Teilnahme an den monatlichen Supervisionsgesprächen. Dort wird jedem Zeit und Raum eingeräumt, über seine Erfahrungen zu sprechen. Das hilft oft und wirkt befreien, sagt Niemann. Auch wenn er auf viele Mitstreiter hofft, nicht jeder ist geeignet. In einem Auswahlverfahren wird die persönliche Eignung eines jeden überprüft. „In den meisten Fällen bewerben sich aber Menschen, die zu uns passen“, lädt Niemann herzlich ein, sich über die Arbeit zu informieren. Zu erreichen ist die Telefonseelsorge über die kostenlose Telefonnummer 08001110111.