52 Schüler in Dirk Kummers erster Klasse Stellvertretender Leiter der Musikschule Meppen im Ruhestand

Von Petra Heidemann


Meppen. „Prima la musica“ (zuerst die Musik) – dieses Mozart-Zitat bringt die 38 Jahre musikpädagogischen Schaffens von Dirk Kummer auf den Punkt. Musikalische Förderung der sich ihm anvertrauenden Menschen braucht Einfühlungsvermögen und Herzblut, braucht Takt, aber kennt keine Arbeitsstundentaktung.

1952 in Berlin in eine Musikerfamilie hineingeboren, gab die vom Urgroßvater geerbte Geige dem Zwölfjährigen den Anstoß, sich diesem Instrument zu widmen. Drei Jahre Unterricht und unermüdlicher Fleiß ließen ihn erfolgreich bei „Jugend musiziert“ teilnehmen.

Konzertmeister

Als Konzertmeister im Landesjugendorchester traf er auf  den Trompeter Wilfried Peters, von dem man sich zugeraunt habe, „der kommt irgendwie von der Ems - da kommen die tollen Bläser her“. Schmunzelnd erwähnt Kummer, dass Peters dieses Jahr auch „auf Rente gesetzt“ worden sei. Von ihm habe er erstmals vom Emsland gehört, nichts ahnend, dass ihn 1979 sein Weg nach dem Studium in Hannover zum Vorstellungsgespräch nach Meppen führen würde. Gustl Huuck stellte ihn ein, Ernst Neuhäuser machte ihn zu seinem Stellvertreter. 52 Schüler habe seine erste Klasse umfasst - „Ich kniete mich gleich richtig rein.“

Schüler-Zählaktionen

Auflachend berichtet Kummer von Schüler-Zählaktionen rund um große Holzkisten des „Karteikartenzeitalters“. An so mancher Entwicklung habe er Anteil haben dürfen, seien es die unterschiedlichen Orchesterstrukturen, die er geleitet habe, sei es die individuelle Betreuung so manchen Schülers vom Anfangsunterricht bis zur erfolgreichen Teilnahme bei „Jugend musiziert“ auf Bundesebene. Viele hätten Musik studiert oder seien inzwischen versierte Hobbymusiker, freut sich Kummer, und seine Augen leuchten. Musik bringe Menschen zusammen, so habe er in Meppen auch seine Frau kennengelernt, ebenfalls eine engagierte Geigenlehrerin der Musikschule. Kein Wunder, dass sich auch ihre gemeinsame Tochter auf diesem Instrument wohlfühlt.

Erinnerungen an Projekte

Die Musikschule sei die für damals typische „Mischung aus Konservatorium und Jugendmusikschule mit vielen Einzelschülern“ gewesen, die Aufgaben und Anforderung vielfältig und „wie für mich zugeschnitten“. Mit Begeisterung erzählt Kummer von Auslandsreisen, vom Opernfest in Dankern, einem Sinfoniekonzert mit Solisten der Berliner Philharmoniker und des Tonhalle-Orchesters Zürich. So manches Projekt lässt er noch einmal lebendig werden – Händels Feuerwerksmusik in Clemenswerth, die eher zur Wassermusik wurde, weil er als Dirigent ungeschützt in strömendem Regen stand, Händels Wassermusik im Trockenen auf dem Dortmund-Ems-Kanal, die EXPO 2000, Musikschultage. Etwa 16000 junge Menschen habe man allein bei den Niedersächsischen Musiktagen erreicht, zieht Kummer Bilanz und betont, wie wichtig „aufsuchende Pädagogik“ in den Kitas und Klassenräumen sei, gerade in der heutigen medienbestimmten Gesellschaft.

Ganzen Menschen im Blick

Während seiner fast zweijährigen kommissarischen Leitung der Musikschule in den 1990ern habe er nicht eine Unterrichtsstunde ausfallen lassen, zu wichtig sei ihm selbst in dieser Zeit gewesen, „immer den ganzen Menschen im Blick zu haben“. Da müsse dann eben auch so manches Wochenende herhalten, um mit Geduld und Verständnis jederzeit für Schüler und Projekte da zu sein. Immer sei es um Qualität und Niveau gegangen, aber vor allem darum, jeden mit Freude an sein individuell Bestmögliches heranzuführen.

Schlüssel zur Entwicklung

Der Schlüssel zur Entwicklung der Musikschule, der Martin Nieswandt schon in kurzer Zeit viele neue Impulse gegeben habe, so der Teamplayer, sei das engagierte Kollegium: „Geht nicht, das gibt es nicht!“ So habe es sich „immer gelohnt, sich für diese tolle Schule einzusetzen“, manchmal auch 60 Stunden in einer Woche, gibt Kummer augenzwinkernd zu.

Und nun? Kummer legt nur Leitungsverantwortung aus der Hand, nicht aber die Geige. Er wird weiterhin seine Schüler an der Musikschule unterrichten, das Kammerorchester Concertino Lingen leiten und an Konzepten arbeiten, wie man jungen Streichern „das Üben schmackhaft machen“ und Begabtenförderung voranbringen könne – eben „Prima la musica“.