Daedalus Quartett brilliert Musikalische Weltklasse in Meppen

Von Daniel Lösker

Meine Nachrichten

Um das Thema Meppen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Das Daedalus Quartett interpretiert Charles Ives‘ 2. Streichquartett mit musikalischem Feingespür für die Großartigkeit der Partitur. Foto: Daniel Lösker.Das Daedalus Quartett interpretiert Charles Ives‘ 2. Streichquartett mit musikalischem Feingespür für die Großartigkeit der Partitur. Foto: Daniel Lösker.

dloe Meppen. Das Daedalus Quartett hat im Meppener Theater klassische und moderne Werke mit sensationeller musikalischer Noblesse interpretiert.

Ihrem Namen machen die vier Protagonisten sogleich mit dem ersten Werk des Abends alle Ehre. Himmlisch schwebend erklingt das Scherzo aus dem „Opus 81“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Selten hat man das Pizzicato des Violoncellos mit einer so noblen Feinsinnigkeit vernommen. Thomas Kraines scheint mit seinem Instrument den Theaterboden verlassen zu haben und nimmt dabei seine drei kongenialen Partnerinnen mit zu einer Reise auf den Flügeln des Dädalus, dem Vater des Ikarus. Min-Young Kim sowie Matilda Kaul an den Violinen und Jessica Thomson an der Viola folgen ihrem einzigen männlichen Begleiter bedingungslos.

Einmaliger Klang

In unseren Tagen, die man getrost als das goldene Zeitalter des Streichquartettes bezeichnen kann, ist es schwer, bei der unglaublichen Breite herausragender Formationen des Genres, herauszustechen. Dem Daedalus Quartett gelingt dies dadurch, dass sie einen Klang erzeugen, der eine gewisse Einmaligkeit besitzt. Sie setzen dem manchmal kraftprotzenden Spiel anderer Spitzenensembles eine beinahe edelmütige Nuance entgegen, ohne dabei jemals in irgendeine Form von Belanglosigkeit zu verfallen. Das ist bisweilen ein Tanz auf dem Hochseil und könnte leicht kippen. Doch nicht bei diesen vier zu einem Ganzen verschmelzenden Ausnahmekönnern.

Ungewöhnlicher Komponist

Der Amerikaner Charles Ives ist ein in jeder Hinsicht ungewöhnlicher Komponist. Er schrieb seine Werke in seiner Freizeit mehr oder weniger für sich selbst und wurde doch der Pionier der amerikanischen Moderne. Dabei ist seine Musik nur schwer einzuordnen und in weiten Teilen durchaus europäisch. Er experimentierte mit verschiedensten rhythmischen und klanglichen Variationen und ist damit sogar dem Zwölftöner Arnold Schönberg ein wenig voraus.

Präzise auf den Punkt

Sein „2. Streichquartett“ mit den Sätzen „Diskussionen, Argumente, Der Ruf der Berge“ erklärt er selbst so: „Streichquartett für vier Männer, die sich unterhalten, diskutieren, streiten, kämpfen, Hände schütteln, den Mund halten; dann den Berg hinauf gehen, um das Firmament zu sehen!“ Und wie sie sich da streiten. Kaul an der 2. Violine spielt genüsslich die Rolle des Dissidenten. Die drei anderen antworten mit schroffen Dissonanzen, welche derart präzise auf den Punkt gesetzt werden, dass es dem Hörer fast den Atem verschlägt. Und hinterließ jemals ein Streichquartett nach den letzten flirrend verklingenden Akkorden des Schlusssatzes solch einen geradezu diebisch-freudigen Zweifel über den Ausgang des diskussionsfreudigen Männerclubs?

Kosmos der Musik

Daedalus scheint auf Flügeln über dem Raum zu schweben, vergisst dabei aber nicht, die Partitur mitzunehmen. Vergnüglicher und erhebender kann man den großen Ives nicht für sich entdecken. Das ist Weltklasse im Meppener Theater. Weltklasse, die sich traut, den wunderbaren Kosmos der Musik des 20. Jahrhunderts auch jenen näherzubringen, die dieser bisher lieber ferngeblieben sind. Wäre da nicht schon die Einmaligkeit des großartigen Ensembles durch ihr magisches Zusammenspiel, reichte das allein schon für den Einzug in die musikalischen Ruhmeshallen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN