Auftritt im Meppener Theater Rüdiger Hoffmann spielt mit Entschleunigung und Abgründen

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Meppen. „Ja, hallo erstmal…“ – seine ersten Worte kamen so klassisch wie das folgende Programm beim Gastspiel von Rüdiger Hoffmann im Meppener Theater. Rund 300 Gäste hörten dabei seine klar umrissenen, meist verdächtig harmlos startenden Geschichten, die mit aller Vorhersehbarkeit natürlich regelmäßig merklich abdriften in unfassbar abgründige Tiefen. Man wartet darauf.

Bereits bei seinem Anblick ahnt man Bösestes – und das nicht grundlos –, als Hoffmann in der Rolle des Vereinsschützen über die neue Einrichtung der „Anonymen Ausländerhasser“ referiert. Oder wenn er als Hausmeister verdächtige Mieter schonmal prophylaktisch bei der Polizei anzeigt, um diese vor sich selbst zu schützen.

Dafür liebt ihn sein Publikum, und damit hat er es in Meppen sehr bald auf seiner Seite. Obgleich, Eile ist nicht so sein Eigen. Entschleunigung, so sagt er, sei lange schon sein Lebensprinzip. Entschleunigung sei zum Beispiel, wenn man, im Urlaubsort angekommen, erst einmal mehrere Tage nicht dusche und auch, am Strand liegend, dem panisch winkenden Ertrinkenden im Wasser höchstens einmal kurz zurückwinke.

Mitmachaktionen

Entschleunigung ist, was aber auch die ganze Show prägt. Gemütlich ist es bei Rüdiger Hoffmann, nicht grell, nicht laut (an dieser Stelle ein großes Lob für den Mann an Ton- und Lichttechnik). Hier ließe es sich an und für sich angenehm zurücklehnen bei moderater Comedy, wenn nicht bereits eingangs von „Mitmachaktionen“ die Rede gewesen wäre.

Immer wieder griff Hoffmann zu seinem mitgebrachten Elektroflügel, um Lieder zu singen über leidig verbotenes „Eimersaufen“ auf Mallorca und über Kinder, die man mögen kann, es aber nicht unbedingt muss. Sein „Hoch hinaus“-Lied wurde zur Chorübung für das ganze Publikum und ging als Ohrwurm auch gern mit nach Hause.

„Früher war’s besser“

Ein Rundumschlag zum Schlagwort „Optimierung“ ließ ihn sinnieren über gute, alte, vergangene Zeiten. „Damals trieb man Sport, heute hat man eine App, die das für einen erledigt. Schritte hat man schon immer gemacht, bloß früher hat die niemand gezählt.“ Früher habe es noch Wörter gegeben für „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“, keine Chat-Buttons. Es gab Stadtpläne („das ist wie Google-Maps ausgedruckt“) und man schrieb auf Papier. „Früher war’s besser.“

Wohl wegen ihrer anarchistischen Sinnfreiheit – soweit war es dann doch nicht vorherzusehen – stachen hier Nummern hervor, wie ein kleines albern getanztes Liedchen an eine Sonnenblume. „Das ist schließlich meine Show, da darf ich machen, was ich will!“ Oder gar der Auftritt des kleinen Watschek, einer Handpuppe, die hier „nur so für Spaß“ mit großem Vergnügen und ohne jeden Gehalt für einiges Amüsement sorgte. „Kann man mal machen, wenn man es drauf hat, so wie ich.“

Am Ende war dies ein gelungener Comedy-Abend, der nicht ohne einige Zugaben ausgehen durfte. Danke dafür, Rüdiger Hoffmann!


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