Speichelprobe untersucht Haren: Der Emsland-Wolf ist eine Sie

<em>Gefilmt</em> und jetzt auch genetisch durchleuchtet: die Emsland-Wölfin.Gefilmt und jetzt auch genetisch durchleuchtet: die Emsland-Wölfin.

Meppen/Haren. Lange hat niemand mehr etwas gehört vom Emsland-Wolf, geschweige denn einen Nachweis geliefert, dass er überhaupt noch da ist. Nun gibt es dennoch eine Neuigkeit: die Herkunft des Tieres, das Ende März auf der Wehrtechnischen Dienststelle bei Haren gefilmt worden war, ist ansatzweise geklärt. Und man weiß nun: Der Emsland-Wolf ist eine Sie.

Die neuen Erkenntnisse ergeben sich aus der Untersuchung einer Speichelprobe, die am 12. April bei Haren-Emmeln an einem gerissenen Stück Damwild genommen worden war. Damals hatte die Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, Britta Habbe, von einem Förster auch Hinweise auf zwei Kotproben erhalten und diese sowie die Speichelprobe zur Analyse ins Senckenberg-Forschungsinstitut Frankfurt geschickt.

„NI008w“

Da die Untersuchung zeitlich nicht sehr dringend war, hat sie einige Monate in Anspruch genommen, und Inka Burow, Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums in Hannover, hat die Ergebnisse nun auf Anfrage mitgeteilt. Verantwortliche Behörde ist der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Wichtigste Erkenntnisse der Untersuchung: Der Wolf ist eine Sie und bisher noch nicht genetisch in Erscheinung getreten , von dem Tier hatte man also bislang keine Genprobe untersucht. Nun wird der Wolf formell als
„NI008w“ geführt, also als achter Wolf, der in Niedersachsen genetisch identifiziert wurde. Das W steht für weiblich.

Interessant ist die Herkunft des Tieres: Es stammt aus der sogenannten deutsch-westpolnischen Population, zu der bislang der gesamte deutsche Wolfsbestand gehört. Damit ist klar, dass es sich bei der Wölfin, die vor einigen Wochen in den Niederlanden überfahren wurde, nicht um das emsländische Tier gehandelt hat. Dieser Wolf stammte aus den Karpaten.

Nicht nur die Emsland-Wölfin ist ein unbeschriebenes Blatt, auch ihre Eltern sind unbekannt und gehören zu keinem bisher genetisch untersuchten deutschen Rudel. Ob die junge Wölfin aus Ostniedersachsen stammt, wo mindestens drei Rudel leben, ist deshalb nicht zu klären. Auch kann die genetische Untersuchung nicht feststellen, wie alt die Wölfin ist – hier gilt weiterhin die Annahme, dass es sich um ein junges, wanderndes Tier gehandelt hat.

Verbleib unklar

Ob es sich derweil noch im Emsland aufhält, weiß niemand genau. Der letzte sichere Nachweis war ein kurzes Video von Anfang Mai, das in der Nähe des Schießplatzes gedreht wurde. Ansonsten gab es zwischen Anfang April und Anfang Mai sechs sogenannte C3-Hinweise, also Beobachtungen, die nicht bestätigt sind oder nicht bestätigt werden können.

Seitdem ist es ruhig geworden um den Emsland-Wolf, und es ist denkbar, dass er weitergewandert oder tot ist. Aber auch das Gegenteil ist möglich: In der Lüneburger Heide hatte man vor einiger Zeit ebenfalls den Verdacht, dass Wölfe anwesend und dann ein Jahr lang wieder verschwunden waren. Plötzlich erschienen sie dann wieder auf der Bildfläche.

Im Kalenderjahr 2012 sind niedersachsenweit 330 Meldungen auf Wolfsvorkommen eingegangen, 28 Prozent davon erwiesen sich als definitive Nachweise. Insgesamt ist bis heute die Anwesenheit von mehr als 20 Wölfen in Niedersachsen sicher nachgewiesen worden. Bestätigt sind drei Wolfsrudel, und zwar bei Munster, Gartow und Bergen –alle im Osten des Landes.

Ortstreue Wölfe benötigen in Deutschland eine Fläche von 200 bis 300 Quadratkilometern. Als territorial, also an einem Ort etabliert, gilt ein Tier, wenn es regelmäßig über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten nachgewiesen werden kann. Wegen des hohen Wald- und Wildtierreichtums findet der Wolf hierzulande nach Einschätzung des niedersächsischen Umweltministeriums ideale Lebensbedingungen.


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