Gutes und schlechtes Benehmen Tafel Meppen unterscheidet nicht nach Nationalität

Von Stefanie Müller

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Meppen. Bei der Meppener Tafel ist unhöfliches Verhalten von jungen ausländischen Männern nicht unbekannt. Für die Vorsitzende des Trägervereins Lingener Tafel, Edeltraut Graeßner, ist dennoch eine Lösung wie bei der Essener Tafel undenkbar.

Die Stimmung bei der Meppener Tafel ist gut, der Umgangston zwischen Ehrenamtlichen und Kunden ist sehr freundlich. Anita Leipnitz, Leiterin der Meppener Tafel begrüßt die vor der Tür wartenden Kunden sogar mit Namen. „Einige kommen schon Stunden bevor wir öffnen, und spielen Karten oder unterhalten sich. Sie kommen nicht nur wegen des Essens, sie wollen soziale Kontakte knüpfen“, sagt Leipnitz. Die Meppener Tafel ist eine von sieben Ausgabestellen im Emsland und befindet sich in Trägerschaft der Lingener Tafel.

Probleme seit dem Flüchtlingszustrom haben laut Graeßner alle emsländischen Tafeln bereits erlebt. „Besonders in den Jahren 2015 und 2016 kamen vermehrt geflüchtete Menschen in die Ausgabestellen. Probleme bereitete damals vor allem die große Anzahl der Menschen aber auch unhöfliches Verhalten von jungen männlichen Flüchtlingen hat es gegeben“, berichtet Graeßner. „Wir haben sogar Stammkunden deswegen verloren. Eine Lösung wie die der Essener Tafel kam für uns aber auf gar keinen Fall infrage.“ In einer Vorstandssitzung habe man nach Lösungen gesucht. Vorschläge wie einen gesonderten Tag für Geflüchtete einzurichten, habe man eindeutig abgelehnt. „Für uns gibt es nur gutes und schlechtes Benehmen“, sagt Graeßner.

„Wir begegnen allen mit Freundlichkeit und hoffen im Gegenzug auf genau dasselbe“, sagt Tafel-Leiterin Leipnitz. Wie gut das funktioniert ist an diesem Mittwoch zu sehen, als der Lebensmittelwagen von seiner Runde zurückkommt. Rund 40 Kisten Gemüse und Obst sowie säckeweise Brot haben die drei Männer dabei. Mit geübten Handgriffen wird ausgeladen und alle packen mit an. Die drei Männer haben auf ihrer heutigen Route 12 Supermärkte und Bäckereien angefahren, um die Lebensmittel einzusammeln. Vier weitere Märkte stehen vor Ausgabebeginn um 13 Uhr noch auf dem Plan. Ware aus ungefähr 50 Märkten sammeln sie jede Woche ein, um die mehr als 170 Kunden, die jede Woche kommen, zu versorgen.

Drogeriemärkte wie Müller und dm spenden ab und zu Produkte. Alle zwei Wochen bekommt die Tafel zudem Fleischwaren vom Geflügelproduzenten Emsland Frischgeflügel. Und der Backwarenhersteller Conditess aus Haselünne spendet regelmäßig Kuchen. „Wir tauschen Ware auch mit anderen Tafeln. Wenn wir zu viel Kuchen haben, tauschen wir ihn oft mit der Tafel in Leer. Und wenn Ware nicht mehr gut ist, geht sie an Bauern, die beispielsweise trockenes Brot an ihre Tiere verfüttern“, erzählt Leipnitz. Die emsländischen Tafeln in Meppen, Lingen, Freren, Haselünne, Lathen, Spelle und Twist sammeln zusammen jede Woche ungefähr 25 Tonnen an Lebensmitteln.

Während die Ehrenamtlichen Ware sortieren und alles für die Ausgabe vorbereiten, unterhalten sich vor der Tür die Kunden. Sie sind alle Rentner, die ein geringes Einkommen erhalten. Angst, wie die Menschen in Essen haben sie nicht. Aber von Problemen mit Geflüchteten haben sie schon gehört oder selbst erlebt. So erzählt einer von ihnen von Vordrängeln und respektlosem Verhalten. „Einige verstehen das System der Tafel nicht und denken nur an sich selbst. Um das Nummernsystem auszutricksen, haben einige schon Nummern getauscht, damit sie die beste Ware bekommen“, erzählt der Rentner. Er selbst komme aus Russland und man müsse sich an die Regeln des Landes halten, findet er. „Schwarze Schafe gibt es aber überall und die meisten Menschen hier sind freundlich“, ergänzt er.

Kunden werden Helfer

Das bestätigen auch die ehrenamtlichen Helfer der Meppener Tafel. „Eine Frau aus Syrien war vor Kurzem als Kundin hier. Sie hat direkt angefragt, ob sie helfen kann“, sagt Leipnitz. Zwei junge Männer aus Eritrea und Syrien helfen ehrenamtlich. „Sie sind froh, helfen zu können“, erzählt Leipnitz. Die Männer vom Fahrdienst berichten, wie schon so manch einer der wartenden Kunden, egal ob Ausländer oder Deutscher, spontan beim Ausladen der Waren geholfen hat.

Die Vorsitzende Graeßner findet es schade, dass einige Kunden nicht mehr kommen. Das Problem sei längst nicht mehr so groß wie noch 2015 und 2016, der Zulauf habe sich inzwischen entzerrt. Viele der Flüchtlinge sprechen heute besser Deutsch und das System der Tafel ist ihnen nicht mehr so fremd. „Ich möchte alle, die aus Unsicherheit wegbleiben, bitten unser Angebot wieder zu nutzen. Wir haben so viel Ware und es wäre schade, wenn wir sie wegschmeißen müssen“, appelliert Graeßner.


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