Amtsgericht stellt Verfahren gegen Geldauflage ein Prozess gegen Pkw-Insassen nach Vorfall am Meppener Schullendamm

Von Gerd Albers

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Das Amtsgericht Meppen hat ein Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Nötigung, Körperverletzung und Beleidigung gegen zwei Männer aus Haren gegen eine Geldauflage eingestellt. Symbolfoto: Manfred FickersDas Amtsgericht Meppen hat ein Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Nötigung, Körperverletzung und Beleidigung gegen zwei Männer aus Haren gegen eine Geldauflage eingestellt. Symbolfoto: Manfred Fickers

Meppen. Das Amtsgericht Meppen hat ein Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Nötigung, Körperverletzung und Beleidigung gegen zwei Männer aus Haren gegen eine Geldauflage eingestellt. Beide Angeklagte müssen je 750 Euro an den Geschädigten zahlen.

Die Anklage hielt den Männern vor, mit einem Pkw auf einem Tankstellengelände am Schullendamm in Meppen gewendet und entgegen der Fahrtrichtung den Radweg befahren zu haben, um zu einer Pferdekoppel in den Emswiesen zu gelangen. Dabei nötigten sie einen Radfahrer, ihnen auszuweichen. Als dieser zum geöffneten Fenster an der Beifahrerseite fuhr, soll er von dem Beifahrer gestoßen, geschlagen und als „Kanake“ beschimpft worden sein.

Da der Fahrer das Auto weiterfuhr, als der Beifahrer den Radfahrer festhielt und schlug, klemmte der Radfahrer sich das Bein zwischen Pkw und Fahrrad ein. Er trug eine Knieverletzung davon, sein Rad wurde beschädigt. Weiterhin wurde dem Beifahrer die Nötigung eines Augenzeugen zur Last gelegt.

Kreuzfahrt statt Gerichtsverhandlung

Von den Angeklagten erschien nur der Beifahrer vor Gericht. Der Fahrer hatte sich damit entschuldigt, dass er sich zum Zeitpunkt der Verhandlung auf einer Kreuzfahrt befinden würde und das Buchungsdatum vor der Terminfestsetzung lag. Für ihn erschien sein Rechtsanwalt.

Aufgrund dieses Sachverhalts beschloss das Gericht, das Verfahren gegen den Pkw-Fahrer abzutrennen, um es möglicherweise durch ein neues Verfahren oder im Wege eines Strafbefehls zu erledigen. So wurde nur gegen den Beifahrer wegen Körperverletzung, Beleidigung und Nötigung eines Augenzeugen verhandelt.

Versöhnung angeboten

Hierzu gab der Rechtsanwalt des Angeklagten eine Erklärung ab. Demnach habe sich der Radfahrer gestikulierend neben dem Fahrzeug befunden und auch in das Fahrzeug hineingegriffen. Dies habe der Beschuldigte abgewehrt und ihn weggestoßen. Beleidigt habe er ihn keineswegs, und den Ausdruck „Kanake“ benutze er nicht. Dies sei ihm fremd, da er in der Berufsschifffahrt viel mit Ausländern zu tun habe. Sein Mandant sei auch bereit, dem anwesenden Geschädigten die Hand zur Versöhnung zu reichen.

Von einer Nötigung des Zeugen wollte der Angeklagte nichts wissen. Zwar habe er den Augenzeugen auf der Tankstelle aufgesucht, ihn aber dazu ermahnt, in einem möglichen Strafverfahren die Wahrheit zu sagen. Anderenfalls würde er eine Anzeige wegen Falschaussage erstatten.

Schadensregulierung

Der Geschädigte, der als Nebenkläger anwesend war, wurde als Zeuge vernommen. Aus seiner Sicht wurde deutlich, das sich der Sachverhalt so zugetragen hat wie in der Anklage niedergelegt. Durch Schläge auf seine Schulter habe er Schmerzen gehabt, auch sein Knie habe behandelt werden müssen. An seinem Fahrrad sei ein Schaden in Höhe von 1343 Euro entstanden. Der Augenzeuge schilderte, dass er gesehen habe, wie der Pkw entgegen der Fahrtrichtung den Radweg befuhr und dass es zwischen dem Beifahrer und Radfahrer zu einer Handgreiflichkeit gekommen sei.

Der Verteidiger des Beifahrers beantragte, das Verfahren gegen seinen Mandanten einzustellen. Gericht und Staatsanwaltschaft hingegen forderten, dass der Angeklagte bei einer Einstellung eine Geldauflage von 1500 Euro an den Geschädigten zahlen solle. Darauf schlug der Verteidiger des nicht anwesenden Fahrers vor, die 1500 Euro auf beide Angeklagten, also 750 Euro für jeden, aufzuteilen. Damit waren alle Beteiligten einverstanden. Zu der angebotenen Versöhnung zwischen Angeklagtem und Geschädigtem kam es nicht, weil der Angeklagte dies nach der Verhandlung nicht mehr für nötig hielt.


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