852 Fälle - hohe Dunkelziffer Grippewelle im Emsland auf neuem Höchststand

Von Carola Alge, Hermann-Josef Mammes, Julia Mausch und Maike Plaggenborg

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cw/jma/ma/mpl Meppen. In der abgelaufenen Woche hat die Grippewelle im Emsland einen neuen Höchststand erreicht. Allein in der neunten Kalenderwoche gab es den Rekordwert in diesem Winter von 184 offiziellen Labornachweisen.

„Dabei handelt es sich weiterhin vorwiegend um Influenza vom Typ B“, sagte Kreissprecherin Anja Rohde auf Anfrage der Redaktion. Die Gesamtzahl in dieser Saison liege bei 852 gemeldeten Fällen, in der Vorsaison 2016/1017 waren es lediglich 335 Fälle. Dabei sei zu beachten, dass Influenza nur meldepflichtig sei, wenn der Erreger per Nasen-/Rachenabstrich auch nachgewiesen wurde. „Da die meisten Fälle ausschließlich anhand der Symptome diagnostiziert werden, besteht eine erhebliche Dunkelziffer“, sagt Rohde.

Krankenhäuser ausgelastet

Von den Krankenhäusern im Emsland würden weiterhin hohe Aufnahmezahlen gemeldet. Es besteh zwar eine hohe Auslastung der Bettenkapazitäten, aber es gebe bei keinem Krankenhaus im Emsland einen generellen Aufnahmestopp wie in anderen Regionen. In einigen Häusern würden aber zur Aufnahme strengere Kriterien bei der Aufnahme von Patienten angewandt. „Auch kommt es teilweise zu Bettensperrungen als Folge des hohen Krankenstandes beim Personal“, ergänzte Rohde.

alle Betten belegt

Im Haselünner St.-Vinzenz-Hospital sind sämtliche Zimmer der Abteilung für Innere Medizin belegt. „Wir haben in diesem Bereich eine Auslastung von mehr als 100 Prozent“, sagte eine Sprecherin des Krankenhauses. Es seien 40 stationäre Betten auf der Normalstation sowie sechs Betten auf der Intensivstation belegt. „Die Überbelegung kommt dadurch zustande, dass alle Ist-Betten belegt sind, deutlich über die Anzahl der Planbetten hinaus.“ Die Lage sei allerdings nicht so dramatisch, dass Patienten in ihrem Bett auf dem Flur liegen müssten. Die Auslastung des in diesem Bereich tätigen Personals sei sehr hoch. Vor allem viele ältere Patienten müssten behandelt werden, die mit grippalen Infekten wie Bronchitiden oder Pneumonien stationär aufgenommen wurden. Fälle von Influenza seien im St.-Vinzenz-Hospital zurzeit nicht bekannt. Beim Pflegepersonal halte sich die Anzahl der Erkrankten in Grenzen.

Operationen verschoben

Ähnlich sieht die Situation im Meppener Ludmittelstift aus. „Wir haben alle Betten belegt. Es ist eine sehr hohe Zahl an Grippen Erkrankten zu versorgen“, sagt Verwaltungsdirektor Wilhelm Wolken. Es würden bereits andere Therapien und geplante Eingriffe verschoben, um die „Akut-Fälle“ aufnehmen zu können. Im Meppener Krankenhaus habe es auch sehr viele Mitarbeiter erwischt. Zum Teil verzichteten andere Kollegen auf ihren Urlaub, um die Krankheitsausfälle zu kompensieren.

Eigene Isolierzimmer

Das Hümmling Hospital Sögel gibt auf Nachfrage an, dass „die Aufnahme von Patienten mit Verdacht auf Influenza“ im Moment geringer als in der Vorwoche sei. Stationär aufgenommen werden Patienten, wenn ambulante Maßnahmen nicht ausreichend seien, „um den Patienten zu behandeln, beispielsweise bei einer Lungenentzündung mit Atemnot“, teilt Sprecherin Katja Köß weiter mit. Wer mit infektiösen Erkrankungen ins Hümmling Hospital komme, werde dort generell in Isolierzimmern untergebracht, damit diese nicht weiter übertragen würden. „Grundsätzlich ist es möglich, jedes Patientenzimmer zu einem Isolierzimmer umzurüsten“, so Köß weiter. Mehr Isolierungen bedeuten mehr Aufwand für die Mitarbeiter, heißt es. Bei jedem Betreten eines solchen Zimmers müsse eine persönliche Schutzkleidung neu angelegt werden.

Auch das Marien Hospital Papenburg Aschendorf verzeichnet in diesem Jahr eine sehr hohe Zahl Influenza-Erkrankter, wie uns der Chefarzt der Gastroenterologie Dr. Hans Joachim Balks bestätigte. „In diesem Jahr sind vermehrt junge Menschen von der Influenza, aktuell überwiegend Typ B, betroffen. Unsere Mitarbeiter sind mit der besonderen Behandlung von ansteckenden Virus-Erkrankungen vertraut und handeln entsprechend der hygienischen Vorgaben.“ Die Isolation sei zudem für 7 Tage nach Erkrankungsbeginn verpflichtend.

Bonifatiushospital ausgelastet

Das Bonifatius Hospital in Lingen ist derzeit nahezu voll ausgelastet, heißt es auf Anfrage. Viele Patienten seien in Isolierzimmern unter Beachtung besonderer Hygienemaßnahmen untergebracht, da sie mit ansteckender Influenza oder hochinfektiösen Noroviren aufgenommen wurden.


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