Bedarfsplanung in der Kritik Sozialausschuss nimmt Ärzteversorgung im Emsland in den Blick

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In Sachen ärztlicher Versorgung steht das Emsland vor umfangreichen Aufgaben, wie im Sozialausschuss deutlich wurde. Symbolfoto: dpa/Bernd WeissbrodIn Sachen ärztlicher Versorgung steht das Emsland vor umfangreichen Aufgaben, wie im Sozialausschuss deutlich wurde. Symbolfoto: dpa/Bernd Weissbrod

Meppen. Dem Landkreis Emsland mangelt es nicht an Hausärzten und allgemeinen Fachärzten: Das bescheinigt ihm die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN). Trotzdem steht die Region in Sachen ärztlicher Versorgung vor großen Aufgaben, wie im Sozialausschuss deutlich wurde.

Der Bedarf an Ärzten im Emsland nimmt zu, die Nachwuchsmediziner stehen jedoch nicht gerade Schlange, um sich hier niederzulassen. Das ist hinlänglich bekannt, weshalb Politik und Verwaltung bereits im Jahr 2014 entsprechende Förderprogramme einleiteten, die jüngst um drei Jahre verlängert wurden.

Bei der ambulanten ärztlichen Versorgung hat indes die KVN ein Wort mitzureden. In der Bedarfsplanung legt sie fest, wie viele Ärzte und Psychotherapeuten in definierten Regionen für eine bestimmte Bevölkerungszahl verfügbar sein sollen. Sind mehr Mediziner tätig als geplant, sieht der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen eine Überversorgung, woraus ein Zulassungsstopp folgt.

Bei Fachärzten laut KVN überversorgt

In seiner jüngsten Sitzung in Meppen nahm der Sozialausschuss des Landkreises die aktuelle KVN-Bedarfsplanung unter die Lupe. Bei den Hausärzten wird zwischen nördlichem, mittlerem und südlichem Emsland (entsprechend der drei Altkreise) unterschieden. Insgesamt können im Emsland derzeit noch 20,5 freie Hausarztstellen besetzt werden (5,5 im Norden, 13 in der Mitte, zwei im Süden), ehe ein Versorgungsgrad von 110 Prozent und damit eine Überversorgung eintritt. Von der Grenze zur Unterversorgung, die die KVN bei 75 Prozent ansiedelt, sind alle drei Regionen demnach weit entfernt.

Im Bereich der allgemeinen fachärztlichen Versorgung, bei der das Emsland als Ganzes betrachtet wird, gilt der Landkreis für die KVN als überversorgt. Eine Ausnahme bilden die Augenärzte, bei denen noch ein halber Arztsitz besetzt werden kann. Rechnerisch gibt es auch bei den Psychotherapeuten noch Spielraum; laut KVN ist aber auch diese Sektion wegen der Umwandlung einer Zulassungsteilung aktuell gesperrt.

Neue Wege gehen

„Die Bedarfsplanung ist in der Kritik“, kommentierte Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis. Denn bestimmte Facharztgruppen gelten als überversorgt, obwohl es einen gefühlten Bedarf nach mehr Stellen gebe. Der demografische Wandel sowie die Dauer der ärztlichen Ausbildung, ehe sich Nachwuchsmediziner überhaupt niederlassen können, stellten die Region vor Probleme.

(Lesen Sie auch: Sozialverband fordert Maßnahmen gegen den Ärztemangel)

„Unser Einfluss vor Ort ist gering“, bedauerte Ulla Haar (CDU). Michael Fuest (Grüne) pflichtete ihr bei und warf zudem die Frage in den Raum, wie sich eine bessere Versorgung im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie schaffen ließe. Hier liegt der Versorgungsgrad im Bereich Emsland/Grafschaft Bentheim bei nur 80 Prozent.

„Wir müssen neue Wege gehen“, forderte Tobias Kemper (FDP). Es gelte einerseits, die Menschen zu sensibilisieren, zu hinterfragen, ob wirklich jeder Gang zum Arzt zwingend notwendig sei. Andererseits ließen sich auch neue Möglichkeiten erwägen, wie die von Kraujuttis erwähnte Telemedizin, also die ärztliche Beratung aus der Distanz, etwa per Internet, wenngleich das gerade auf ältere Generationen zunächst befremdlich wirken möge.


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