Spielsucht: 380.000 Euro im Casino verzockt Bewährungsstrafe für Twister wegen Betruges in 223 Fällen

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Wegen Betruges in 223 Fällen musste sich am Mittwoch ein 36-Jähriger vom Twist vor dem Amtsgericht Meppen verantworten. Der an Spielsucht erkrankte ehemalige Versicherungskaufmann hatte durch seine Machenschaften einen Gesamtschaden von über 380.000 Euro verursacht. Symbolfoto: Kay Nietfeld/dpaWegen Betruges in 223 Fällen musste sich am Mittwoch ein 36-Jähriger vom Twist vor dem Amtsgericht Meppen verantworten. Der an Spielsucht erkrankte ehemalige Versicherungskaufmann hatte durch seine Machenschaften einen Gesamtschaden von über 380.000 Euro verursacht. Symbolfoto: Kay Nietfeld/dpa

Meppen. Wegen Betruges in 223 Fällen musste sich am Mittwoch ein 36-Jähriger vom Twist vor dem Amtsgericht Meppen verantworten. Der an Spielsucht erkrankte ehemalige Versicherungskaufmann hatte durch seine Machenschaften einen Gesamtschaden von über 380.000 Euro verursacht.

Die Staatsanwältin warf dem Angeklagten vor, sich im Tatzeitraum von März bis November 2015 durch falsche Angaben gegenüber Versicherungen – darunter bekannte Namen wie Axa, Allianz oder R+V – Provisionsauszahlungen erschlichen zu haben, indem er Vertragsabschlüsse von Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen vortäuschte. Unter dem Vorwand, es handele sich lediglich um unverbindliche Beratungsgespräche, erwirkte er von den Kunden nicht gewollte Abschlüsse. Dabei scheute er teilweise nicht davor zurück, die Unterschriften der Kunden zu fälschen. Der so entstandene Schaden wurde in der Anklageschrift auf insgesamt 383.662,12 Euro beziffert.

Sucht nimmt überhand

Der 36-Jährige stimmte der Anklage in allen Punkten zu und ersparte dem Gericht damit ein langwieriges Verfahren. Stattdessen versuchte er, dem Gericht sein Handeln zu erklären. Er sei seit vielen Jahren spielsüchtig und habe die Kontrolle verloren. 2010 hatte er mit dem Spielen an Automaten angefangen. Durch sein relativ gutes Einkommen als Versicherungsfachmann war es ihm finanziell möglich gewesen, in der Woche zwischen 300 und 500 Euro zu verzocken. Ab 2014 ergriff die Sucht aber immer mehr Besitz von ihm. Um nicht in Spielhallen auf Kunden zu treffen, besuchte er an Wochenenden Casinos in Hamburg, München, den Niederlanden oder der Schweiz. Hier spielte er Roulette. Das er dabei zwischen 20.000 und 30.000 Euro verzockte, war keine Seltenheit. Zwar habe er auch öfters was gewonnen, das Geld aber ebenfalls wieder verspielt, erklärte der Twister.

Suizidversuch

2015 sei sein Leben dann komplett aus dem Ruder gelaufen. Um weiterhin Casinos besuchen zu können, fingierte er die Vertragsabschlüsse. So kam er ohne große Probleme an frisches Geld. Als ihm die geprellten Versicherungen auf die Schliche kamen und die Polizei bei ihm vorstellig wurde, versuchte er, sich das Leben zu nehmen. Umgehend wies er sich selbst in eine psychiatrische Klinik ein. Bis heute sei er in Behandlung und gehe zu Selbsthilfegruppen. Er wolle unbedingt wieder ein normales Leben führen, arbeiten und seine Schulden zurückzahlen, beteuerte er mehrmals.

Bewährungsstrafe gefordert

Die Staatsanwältin wertete die Spielsucht sowie das Schuldeingeständnis als strafmildernd. Trotzdem sei er für seine Taten in immerhin 223 Fällen zu bestrafen. Eine Haftstrafe von zwei Jahren zu einer Bewährung von fünf Jahren hielt sie für angemessen. Weiter solle er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Verteidigung schloss sich dieser Forderung an und merkte an, dass eine Gefängnisstrafe nicht dienlich sei.

Leben in den Griff bekommen

Bis auf die Dauer der Bewährung entsprach das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Dem 36-Jährigen sei die Chance einzuräumen, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Vier Jahre Bewährungszeit, die Rückzahlung der Schulden, 200 Sozialstunden und die Weiterführung der Therapie wurden dem Twister auferlegt.


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