Mit Sinn für Ironie und Melancholie Chansonnier Stephan Sulke verzaubert Meppener Publikum

Von Daniel Lösker

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Der Musikpoet Stephan Sulke erzählt meist amüsante Anekdoten aus seinem bewegten Leben. Foto: Daniel LöskerDer Musikpoet Stephan Sulke erzählt meist amüsante Anekdoten aus seinem bewegten Leben. Foto: Daniel Lösker

Meppen. Der weltgewandte Chansonnier Stephan Sulke hat sein Publikum bei einem Konzert in Meppen mit feinem Sinn für Ironie und einer kräftigen Prise Melancholie verzaubert.

Die Verantwortlichen des Meppener Theaters haben alles richtiggemacht. Statt, wie ursprünglich geplant, Stephan Sulke im großen Saal auftreten zu lassen, entschieden sie sich für das Weinhaus Hülsmann. Zwar kann man dort wesentlich weniger Plätze zur Verfügung stellen. Aber wobei lassen sich die kleinen, großen Liederkunstwerke des Weitgereisten besser verstehen als bei einem Glas guten Rotweins?

Und Sulke liefert. Mitunter bringt er sein Publikum mit kurzen und Gottseidank nicht immer politisch korrekten Witzen gerne zum Lachen, doch die wahre Magie seines Auftritts liegt in den mit samtweicher, leicht rauchiger Stimme vorgetragenen Balladen voller Sehnsucht und leiser Ironie.

Wie ein alter Wein

Da ist jenes „Ich hab dich bloß geliebt“, auch bekannt geworden durch die Version Herbert Grönemeyers. Sulke gibt entwaffnend ehrlich zu, dass ihm diese Fassung seines großartigen Liedes so gar nicht gefällt, er aber sehr gerne die Tantiemen entgegennimmt. Und dann singt er es selbst, so wie seit Jahren.

Die Stimme mag älter geworden sein, der Mensch Sulke ist es auch. Doch der Zauber, der ihr innewohnt, und die Wucht der Worte sind so stark wie ehedem. Vielleicht ist er sogar besser geworden, wie ein alter Wein. Sulke möge diesen Vergleich verzeihen, doch das, was früher schon gut war, bekommt nun den letzten Schliff und jene Art von Traurigkeit, oder nennen wir es Melancholie, die nur ein bestimmtes Level an erreichten Lebensjahren zu bieten hat.

Menschen des Alltags

Politisch wird es selten, eigentlich gar nicht. Dennoch ist in seinen Texten immer auch irgendeine Art von Gesellschaftskritik zu spüren. Gut beobachtet hat er sie, seine Umgebung und was tagtäglich in ihr geschieht. Da ist kein Rechts oder Links, keine Parteien und deren Protagonisten. Er nennt sie nicht beim Namen. Er muss auch nicht, denn man hört, dass er verstehen will.

So beschäftigt er sich mit den Menschen, die ihm im Alltag begegnen. Da ist die dicke Ulla, die jeden Abend besoffen an der Theke liegt, weil die „ausrangierte, vulgäre Dirne“ ihr Leben „am falschen Ort vergeben“ hat. Sulke singt für sie und weiß, dass sie es nicht hört. Er singt für sie, der auch ein Sozialstaat nichts mehr nützt, weil er die Menschen liebt.

Liebe spielt Hauptrolle

Er singt, er flüstert, er erzählt. Da schaut auch schon einmal der Meister Kitsch vorbei. Und Sulke? Souverän bittet er den sentimentalen Alten zu sich. Er hat keine Angst vor ihm. Denn letztlich geht es um Empathie, wie er selbst sagt, um das Wecken von Gefühlen und Mitgefühl.

Natürlich spielt die Liebe mit allen Facetten die Hauptrolle bei Sulke. „Liebe ist nichts für Anfänger“, nennt er sein Programm und spricht dem dankbaren Publikum, in dem auffällig viele Frauen der mittleren Jahre ihm textsicher folgen, aus dem Herzen. Auch die mitgekommenen oder manchmal auch mitgenommenen männlichen Begleiter können die ein oder andere Träne nicht verbergen.

Und so sieht man die Stühle näher rücken, man beobachtet die kleinen zärtlichen Gesten und spürt, dass zumindest für diese zweieinhalb Stunden die Welt besser geworden ist. Das alles hat die Musik getan, die wunderbaren Lieder des Stephan Sulke.


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