Marianum feiert großen Erfolg Meppen: Nach 400 Jahren liebt Julia immer noch Romeo

Von Heiner Harnack


Meppen . Bereits 1596 schrieb William Shakespeare seine Tragödie um das legendäre Liebespaar ‚Romeo und Julia‘. Die Theater AG der Sekundarstufe I des Gymnasiums Marianum Meppen hatte sich über sechs Monate mit dem Klassiker befasst und die moderne Version des Autors Matthias Hahn gewählt, der eine sehr an die Zeit angepasste Sprache verwendet.

Die Premiere des nach wie vor äußerst populären Werks bescherte den Darstellern und Machern einen viel umjubelten Abend. An der 422 Jahre alten Geschichte hat sich nichts verändert. In Verona leben mit den Familien Capulet und Montague zwei miteinander bitter verfeindete Clans. Eigentlich soll Julia Capulet den Grafen Paris heiraten. Paula Pater gibt die sehr glaubhafte Verliebte, der man sofort zu Hilfe eilen möchte; spätestens als sie im offenen, echten Sarg liegt.

Großer Maskenball

Sie verliebt sich aber auf einem Maskenball unsterblich in Romeo Montague (Maximilian Calarasu), der zu einem Treffen schon mal mit dem Auto fährt. Tom Scheve spielt den Paris so gekonnt langweilig, dass kaum eine Frau auf die Idee käme, sich nach ihm umzusehen, während Maximilian Calarasu eher ein bißchen als James Dean daherkommt und diesen auch genauso cool abliefert. Natürlich immer nur die Augen und Emotionen auf seine Julia gerichtet.

Großer Kamp

Nach der Heirat kommt es zu einem Kampf zwischen Romeos Freund Mercutio. Chris Gravelaar packt alles aus der Rolle an Sprache und Gestik auf der Bühne aus, was nur irgendwie möglich ist. Eigentlich ein Wunder, dass Julia sich nicht in diesen verrückten Typen verguckt. Vielleicht schreibt Matthias Hahn diesen Teil des Epos irgendwann noch einmal um. Dazu haben dem Mercutio die Kostümbildner ein herrlich buntes Outfit verpasst, das eher an die ‚Flower-Power-Bewegung‘ der 1960er und 1970er Jahre erinnert und seine quietsche-gelbe Hose könnte durchaus der Kentucky-Fried-Chicken-Werbung entstammen. Und so spielt sich irgendwie Gravelaar in die Herzen aller Zuschauer und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Bei einem sehr dunklen, den Umständen entsprechenden, Bühnenbild, kommt der eine oder andere Farbtupfer in dem Stück gut an.

Große Rolle

Isabell Weiss gibt als ‚Grande Dame‘ die Herrscherin von Verona und bei ihren Blicken durchs Publikum wünscht man sich eher nicht, von ihr bei irgendetwas ertappt zu werden. Nena Arends ist so gut als die um alles Besorgte Amme von Julia, dass man sie sofort als Freundin der Familie engagieren würde. Witzig, trotz des nahenden Suizids, Leni Dycker in der Miniaturausgabe des Apothekers, der Romeo den giftigen Trank verkauft.

Großes Schauspiel

Bei solchen Protagonisten ist es für den Rest der Truppe nicht ganz leicht, gegenzuhalten. Übrigens werden viele Rollen von jungen Frauen gespielt. So zum Beispiel die beiden Familienvorstände Montague (Nele Anbergen) und Capulet (Charlotte Masch). Selbst der Mönch, Bruder Marcus, kommt als Frau (Mareen Hülsmann) daher. Die beiden Regisseure Hermann Breer und Ruppert May haben es verstanden, aus der Tragödie durchaus in einigen Bereichen das Komödiantische voll heraus zu arbeiten. Auch, wenn es, wie im Original, nur mit einem Teil-Happy-End ausgeht. Zum Schluss schließen beide Clans ihren Frieden miteinander.