Jannis Vieting räumt in Berlin ab Meppener Nachwuchsfilmer gewinnt Kurzfilmpreis

Von Lukas Hemelt


Meppen/Berlin. Großer Erfolg für den Meppener Jannis Vieting. Der Nachwuchsfilmer ist in Berlin mit dem „99 Fire-Film-Award“ ausgezeichnet worden – einen Kurzfilmpreis. Vieting und seine beiden Kollegen Marc Ginolas und Henrik Weimar erhielten die Auszeichnung „Beste Kamera“ für ihr Werk „1990“.

Roter Teppich, Blitzlichtgewitter, Filmprominenz. Die Kulisse vor dem Berliner Admiralspalast am Mittwochabend bot alles für eine große Gala. Aber nein, es war nicht die parallel stattfindende Berlinale, die hier die Gäste anlockte. Der „99 Fire-Film-Award“ – das laut Veranstalter weltweit größte Kurzfilmfestival – kürte seine Gewinner. Dazu zählt auch der Meppener Jannis Vieting.

Aufwand lohnt sich

Zusammen mit seinen Azubi-Kollegen Marc Ginolas und Henrik Weimar hatte Vieting Anfang Februar im Emsland den 99-sekündigen Kurzfilm „1990“ produziert. Darin erklärt ein älterer Herr seinem Nachwuchs, wieso er das Filmen so sehr liebt und nimmt ihn mit auf eine eindrucksvolle Reise durch seine Erinnerungen, die in der malerischen Winterlandschaft des Emslandes spielen. Die große Herausforderung bei der Produktion des Filmes: Vieting, Ginolas und Weimar hatten für Planung, Dreh und Schnitt nur 99 Stunden Zeit, kannten das Thema vorher nicht. Sie kamen dafür extra von ihrem Ausbildungsort Mainz in Vietings emsländische Heimat. „Das alles hat uns viel Kraft und vor allem Schlaf gekostet“, erinnert sich Vieting. Seit Mittwoch ist klar: Dieser Aufwand hat sich gelohnt.

Glückliche Sieger

Unter 3121 Einsendungen wurden „1990“ für die beste Kamera ausgezeichnet. „Man sagt ja immer, dass man mit der Auszeichnung nicht rechnet“, schildert Vieting. Er war eigentlich schon hochzufrieden, zum Kreis der besten 99 Filme zu zählen. „Aber wir haben wirklich kein Stück mit dem Gewinn gerechnet. Die Konkurrenz war enorm stark, setzte Kinokameras ein. Wir haben nur auf unser eigenes Equipment und das von Foto Mundus zurückgegriffen“, sagt der 20-Jährige. „Umso glücklicher sind wir, dass wir gewonnen haben.“

Der Preis für die beste Kamera wurde erst ganz zum Schluss verliehen. Eine gefühlte Ewigkeit für die drei Mediengestalter, die ihr Handwerk beim ZDF bzw. SWR in Mainz lernen. Letztlich hielt Schauspielerin Bettina Zimmermann die Laudatio auf die drei. „Wenn ein Film es schafft, auch ohne Sprache eine Geschichte zu erzählen, dann spricht das für eine gute Kamera“, sagte das prominente Jury-Mitglied und verkündete Momente später den Sieg des Kurzfilms aus Meppen, der ihnen ein Preisgeld von 999 Euro beschert.

Ganz schön nervös

„Normalerweise bin ich nie nervös. Aber als ich dann vor so vielen Leuten eine Rede halten musste, habe ich am ganzen Körper gezittert“, lautet der Erlebnisbericht von Marc Ginolas von der großen Bühne, auf der er stellvertretend für das ganze Team dankte. Und dabei versprach: „Ich werde die Flex rausholen und den Preis dreiteilen.“

Wie es sich für eine echte Filmgala gehört, wurde im Anschluss gefeiert. Zu der schaffte es auch Vieting, der eigentlich aus privaten Gründen nicht nach Berlin reisen konnte. „Aber ich konnte es noch organisieren. So etwas wollte ich mir nicht entgehen lassen“, sagt Vieting. Gemeinsam wurde dann gefeiert. „Ein unglaubliches Erlebnis“, schwärmen die drei 20-Jährigen vom Abend, an dessen Ende eine Party unter Gleichgesinnten stand. „Insgesamt eine sehr aufgeschlossene Community. Wir waren mit den anderen schnell auf einem Nenner“, sagt Vieting. Logisch, dass er da den einen oder anderen Kontakt knüpfte. „Ich habe jetzt ein paar Visitenkarten und Facebook-Freunde mehr“, erzählt der Meppener. Und vor allem hat er eins: Den ersten großen Preis seiner noch jungen Filmkarriere.