700 Kilometer bis nach Brüssel Wölfin läuft unbemerkt durch das Emsland

Von Tobias Böckermann


Meppen/Lingen. Ende 2017 ist eine in Mecklenburg besenderte Wölfin bis nach Belgien gewandert und hat dabei das südliche Emsland gestreift.

Der Wolfsbestand in Niedersachsen steigt seit vielen Jahren an. Dem Tier kommt dabei seine ausgesprochen gute Marschfähigkeit zugute: der Wolf kann bis zu 70 Kilometer pro Nacht zurücklegen – auch daraus erklärt sich die rasante Ausbreitungsgeschwindigkeit des Rückkehrers in die heimische Natur.

Zum Ende eines jeden Jahres und bis ins Frühjahr gehen viele Jungwölfe auf Wanderschaft, sie werden im Alter von ein bis zwei Jahren vom eigenen Rudel verstoßen und müssen sich ein eigenes Revier suchen. Bisher schlagen viele Wölfe von Ostdeutschland aus einen Weg in Richtung Westen ein, warum genau, das weiß man noch nicht. Im Emsland sind in den vergangenen Jahren nachweislich bereits mehrere Individuen angekommen, Beobachter gehen davon aus, dass ein bis zwei Tiere dauerhaft auf der WTD 91 leben.

Mehrere Tiere

Jetzt ist auch eine „Naya“ genannte zweijährige Wölfin den Pfaden vieler anderer Wölfe vor ihr gefolgt – das zeigt die Auswertung eines Sendehalsbandes, das ihr Forscher an ihrem Geburtsort in der Lübtheener Heide in Mecklenburg-Vorpommern im Oktober 2016 angelegt hatten.

Die TU Dresden erforscht dort im Auftrag des Landes und in Zusammenarbeit mit der Landesjägerschaft, wie sich die Anwesenheit von Wölfen auf eines seiner Beutetiere, nämlich das Damwild, auswirkt. Im Zuge dessen sind bereits sechs Wölfe gefangen und besendert worden, darunter auch „Naya“. Sie verließ nun im Oktober 2017 ihr Rudel und lief von Mecklenburg-Vorpommern rund 700 Kilometer bis nach Belgien, wo sie sich auf einem dortigen Truppenübungsplatz einrichtete.

Sendehalsband

Die von der TU Dresden veröffentlichten Daten des Sendehalsbandes zeigen, dass sich „Naya“ zunächst in Richtung Süden aufgemacht hatte und passenderweise nach Wolfsburg lief. Dann aber bog sie ab in Richtung Westen und kam über Celle und Nienburg in den Raum Osnabrück, wo sie sich ein paar Tage lang aufhielt.

In der Nacht zum 6. Dezember 2017 versuchte die Wölfin, nordwestlich von Osnabrück die Autobahn A 1 zu queren. Um 3 Uhr morgens wurde sie dabei in Lotte-Büren im Kreis Steinfurt geortet. Das Umfeld des Autobahnkreuzes Lotte-Osnabrück erwies sich aber als Sackgasse. Sie wandte sich daher zurück nach Norden und fand am 17. Dezember zwischen Osnabrück und Diepholz eine Querungsmöglichkeit auf ihrem weiteren Weg nach Westen.

Richtungswechsel

Dann trabte sie nach Lingen, durchquerte kurz vor Weihnachten die Grafschaft Bentheim und lief nach Meppel in den Niederlanden. Danach änderte sie wiederum die Richtung und lief in südwestlicher Richtung nach Belgien in die Nähe von Brüssel. Dort richtete sie sich auf dem Truppenübungsplatz Leopoldsburg ein – einer Landschaft, die wohl ihrem Geburtsort ähnelt.

Naya war nicht der erste Wolf, der auf Wanderschaft das Emsland durchquert hat. Erst vor wenigen Tagen war bei Wippingen ein ebenfalls vermutlich junges Tier durchgezogen. Und 2015 beschäftigte ein männlicher Wanderwolf tagelang die Region.

Und am Dienstagmorgen ist wieder ein Wolf in den benachbarten Niederlanden aufgetaucht, und zwar zwischen Westerhaar und Vriezenveen, nahe Itterbeck in der Grafschaft Bentheim. In den Niederlanden gibt es noch keine eigene Wolfspopulation. Vereinzelt kommt es aber immer wieder zu Sichtungen. Auch Wölfin Naya hatte sich zwischenzeitlich in den Niederlanden aufgehalten.

In Belgien sorgte Naya für große Aufmerksamkeit – sie ist der erste Wolf im Nachbarland seit 100 Jahren und hält sich nach Angaben der Uni Dresden vom Mittwoch auch noch dort auf..