Dichter und Propagandist Straßennamen in Meppen — Die Karl-Wagenfeld-Straße

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Die Karl-Wagenfeld-Straße befindet sich im sogenannten Dichterviertel in Meppen-Esterfeld. Foto: Manfred FickersDie Karl-Wagenfeld-Straße befindet sich im sogenannten Dichterviertel in Meppen-Esterfeld. Foto: Manfred Fickers

Meppen. In Meppen-Esterfeld erinnert ein Straßenname an den niederdeutschen Dichter Karl Wagenfeld. In den 1950er und 1960er Jahren wurden Straßen und Schulen nach ihm benannt, vielerorts sind diese Benennungen rückgängig gemacht worden.

Zu seinen Lebzeiten war die schriftstellerische Arbeit von Wagenfeld, der am 5. April 1869 in Lüdinghausen geboren wurde, hoch geschätzt und hatte Einfluss auf Generationen niederdeutscher Autoren. Die Ehrungen des Dichters durch die Benennung von Straßen und Schulen nach seinem Tod am 19. Dezember 1939 in Münster würdigte auch dessen Rolle als Mitbegründer des Westfälischen Heimatbunds 1915. 1921 bis 1926 war er Geschäftsführer des WHB. Andererseits gab es bereits in den 1950er Jahren Kritik an der Würdigung Wagenfelds wegen dessen politischer Arbeit.

Der Lehrer Wagenfeld glaubte an die Rassenlehre und leitete daraus 1913 politische Forderungen ab, die sich gegen die Zuwanderung von Ausländern in den Rheinisch-Westfälischen Industriebezirk richteten. Im Ersten Weltkrieg ab 1914 betätigte sich Wagenfeld dichterisch als Propagandist des Krieges. Die Revolution im November 1918 und die von der Nationalversammlung in Weimar 1919 beschlossene Verfassung stießen bei ihm auf Ablehnung.

Heimatverein in Meppen

Die regionale Kulturpflege sollte der Abwehr fremder Einflüsse und Menschen dienen. In diesem Sinne förderte er die Gründung des ersten Heimatvereins in Meppen, indem er am 1. September 1920 an einem Heimatabend teilnahm und darüber hinaus die Heimatbewegung im Emsland durch Vorträge unterstützte. 1922 veranstaltete der Heimatverein Meppen einen „Karl-Wagenfeld-Abend“ mit Werken des Dichters. In der ersten Ausgabe des Meppener Heimatkalenders wurde 1925 Wagenfelds Aufsatz „Heimatschutz und Heimatpflege“ veröffentlicht. Der erste Heimatverein Meppen stellte Ende der 1920er Jahre seine Tätigkeit ein.

Wagenfeld begrüßte die nationalsozialistische Bewegung und setzte sich für sie ein. Unmittelbar nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 wurde er Parteimitglied und betrieb erfolgreich die Auflösung des Westfälischen Heimatbundes verbunden mit der Eingliederung der Heimatvereine in die nationalsozialistische Kulturorganisation „Reichsbund Volkstum und Heimat“ mit Wagenfeld als „Landschaftsführer“. 1934 wurde er Fachreferent für westfälische Heimatfragen im Amt für Volkstum und Heimat der Reichsleitung der Nationalsozialistischen Gemeinschaft „Kraft durch Freude“.

Wagenfeld schrieb im Oktober 1935 in einem Brief an den Schriftstellerkollegen Josef Winckler, dass „die Richtigkeit meines Wollens und Arbeitens durch die Entwicklung zum nationalsozialistischen Staat ihre Bestätigung gefunden hat“. Die sich verschlechternde Gesundheit bremste seinen Einsatz für das Regime. Dennoch fand seine Propagandistenarbeit höchste Anerkennung. Zu seinem 70. Geburtstag 1939 gab es ein großes Geldgeschenk vom Führer Adolf Hitler.

Streit um Straßennamen

Der Experte für niederdeutsche Literatur, Rainer Schepper, sieht in Wagenfeld einen „Wegbereiter des Nationalsozialismus“, ebenso Karl Ditt vom Institut für westfälische Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Sie vertreten unterschiedliche Auffassungen, wie mit den nach Wagenfeld benannten Straßen umgegangen werden soll. Ditt schlug vor, auf Zusatzschildern über das politische Wirken des Dichters aufzuklären. Schepper befürwortet Umbenennungen.

Ahlen in Westfalen, Ahaus, Drensteinfurt und Sendenhorst haben sich im Sinne von Ditt gegen eine Umbenennung von Straßen und für Zusatzschilder ausgesprochen. Umbenennungen gab es in Arnsberg, Burgsteinfurt, Emsdetten, Ibbenbüren, Laer, Lünen, Metelen, Münster, Neuenkirchen bei Rheine, Ochtrup, Ostbevern, Paderborn, Rheine, Telgte und Warstein. In Arnsberg, Bottrop und Münster erhielten Karl-Wagenfeld-Schulen neue Namen.


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