Mit Technik Pflegekräften und Betroffenen helfen Caritas Emsland-Mitte startet Projekt „help4work“

Von Ingo Hinrichs

Erwarten vom Einsatz der Software „help4work“ eine wirksame Entlastung der Pflegekräfte: (v. l.) Martin Schellhammer, Gabi Fehnker, Marcus Drees, Christa Ahlers und Sonja Stagge. Foto: Ingo HinrichsErwarten vom Einsatz der Software „help4work“ eine wirksame Entlastung der Pflegekräfte: (v. l.) Martin Schellhammer, Gabi Fehnker, Marcus Drees, Christa Ahlers und Sonja Stagge. Foto: Ingo Hinrichs

Meppen. Mit dem neuen Projekt „help4work“ will die Caritas im mittleren Emsland mithilfe von Technik die Arbeitssituation der Pflegenden verbessern.

Mitarbeiterinnen in der ambulanten Pflege sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Kontinuierlich steigende Patientenzahlen, häufig wechselnde Einsatzorte, höhere Anforderungen an die Dokumentation und die im Emsland teils langen Anfahrwege sind dauernde Stressfaktoren. Ein Zustand, der sich angesichts des Fachkräftemangels im Pflegebereich auch nicht einfach durch zusätzliche Einstellungen beheben lässt.

Um diese Situation zu verbessern, startete der Caritas-Pflegedienst Emsland-Mitte das Projekt „help4work“. Es wird von der Osnabrücker Hochschule und dem Bistum begleitet und soll die Pflegedienstmitarbeiterinnen durch den Einsatz von Technik wirksam entlasten.

Testphase bis zum Jahresende

Zunächst werden nach Worten von Caritas-Geschäftsführer Marcus Drees acht Fachkräfte in Geeste, Meppen und Twist mit einem Tablet-Computer ausgestattet und durch eine intensive Schulung vorbereitet. Die per iPad verfügbaren Patientendaten vereinfachen demnach die Vorbereitung auf den Hausbesuch. Durch einen Sprachassistenten in der eingesetzten Software wird zudem die Dokumentation und Leistungserfassung stark vereinfacht.

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Vor Ort sind dann per Videokonferenz auch Abstimmungen mit der Pflegedienstleitung oder einer weiteren Fachkraft möglich. So können Entscheidungen schnell getroffen werden; auch Dienstbesprechungen oder Gruppendiskussionen sind möglich. Durch diese Hilfen können Fahrten verkürzt oder sogar ganz vermieden werden. „In der rund achtmonatigen Modellphase werden wir dann genau hinschauen, ob die Mitarbeiterinnen eine wirksame Entlastung erleben“, so Drees.

Zusammenarbeit mit Universität und Bistum

Die Maßnahme wurde laut Geschäftsbereichsleiter Martin Schellhammer von der projektbegleitenden Beratungsfirma „LivingLab“ vor vier Jahren in Zusammenarbeit mit dem Bistum und der Universität Osnabrück gestartet. Genutzt wurde dazu die bestehende Software „MediFox“.

Ziel war letztlich eine Umkehrung der bisherigen Leitungsstrukturen: „Nicht mehr die Mitarbeiter müssen den Weg zur Leitung suche, sondern die Leitung kommt zum Mitarbeiter“. Schellhammer sieht darin auch eine gute Möglichkeit, dem oft beklagten „Sog in die Zentren“ zu begegnen, da Mitarbeiter die zentralen Einrichtungen nicht mehr aufsuchen müssten.

Qualität durch Entlastung

Christa Ahlers als Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Sonja Stagge als Projektleiterin und Pflegedienstleiterin Gabi Fehnker sehen in der digitalen Lösung eine große Chance zur dauerhaften Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Häufig würden heute die Mitarbeiterinnen Dokumentationsaufgaben oder Abstimmungen außerhalb der Dienstzeiten erledigen und dabei eigene Belange als Ehefrauen und Mütter zurückstellen. Die daraus resultierende Überlastung schlage sich auch in einem hohen Krankenstand nieder.

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In der Entlastung durch die Technik läge deshalb auch ein guter Ansatz für eine höhere Attraktivität des Berufs. Die Frage „Was tut mein Arbeitgeber für mich und wie geht es mir im Beruf?“ sei wichtig für die Berufsentscheidung. Eine dauerhafte Entlastung der Mitarbeiterinnen sei zudem ein wichtiger Baustein für eine hohe Arbeitsqualität und damit ein Gewinn für die Pflegebedürftigen.

Fördergelder vom Land

Nach der Projektbeschreibung sind damit auch gesamtgesellschaftliche Vorteile und eine Stärkung des ländlichen Raums verbunden. Dank der Digitalisierung könne die Daseinsvorsorge verbessert werden. Außerdem gehe mit der Verkürzung oder Vermeidung von Fahrzeiten eine Reduzierung von Umweltbelastungen einher sowie innerhalb der Fürsorge für die Mitarbeiter eine Vermeidung von Gesundheitsrisiken.

Das Land Niedersachsen fördert die Maßnahme vor diesem Hintergrund mit Geldern aus dem Programm „Stärkung der ambulanten Pflege im ländlichen Raum“. „Damit ist“, sagt Macus Drees, „zwar die Modellphase weitestgehend ausfinanziert, ein ,Rollout‘ nach der Projektphase wird aber nur in Teilschritten möglich sein.“


Keimzellen für den heutigen Caritas-Pflegedienst Emsland-Mitte waren die 1979 gegründete Sozialstation in Meppen und die ein Jahr später ins Leben gerufene Sozialstation Geeste/Twist. 2017 fusionierten die beiden Pflegedienste zum Caritasverband für den Landkreis Emsland. Die Geschäfte führt Marcus Drees. Rechtsträger ist der Caritasverband für die Diözese Osnabrück. Im jetzigen Pflegedienst Emsland-Mitte sind 46 Fachkräfte, 22 Pflegekräfte, 32 MitarbeiterInnen im Bereich Hauswirtschaft und Betreuung sowie vier Verwaltungskräfte und neun Beschäftigte in der Tagespflege tätig. Der Pflegedienst ist in Zusammenarbeit mit der Marienhausschule in Meppen auch in der Nachwuchsförderung tätig und beschäftigt derzeit zwei Auszubildende für den Bereich „examinierte Altenpflege“.