Jannis Vieting kreierte mit Kollegen „1990“ Meppener Nachwuchsfilmer kämpft in Berlin um Kurzfilmpreis

Von Lukas Hemelt


Meppen. Dieser Tage tummeln sich in Berlin die Stars der Filmbranche auf der Berlinale. Fast unentdeckt im Trubel der Hauptstadt bleibt da der weltweit größte Kurzfilmwettbewerb. Der Meppener Nachwuchsfilmer Jannis Vieting hofft bei der Preisverleihung am Mittwoch, 21. Februar, auf eine Auszeichnung – mit einem Kurzfilm, gedreht in der emsländischen Heimat.

Ein alter Mann steht im trüben Infrarot-Licht eines dunklen Raums. An den Wänden und auf dem Tisch: Fotos. „Ich liebe es zu fotografieren“, sagt er, „Momenten eine Dauer zu geben, sie einzufangen, festzuhalten.“ Es sind die Erinnerungen an seine Zwanziger, die der alte Mann mit seinem Enkel teilt und ihn mitnimmt – ins Jahr 1990.

Damit beginnt der Kurzfilm „1990“, eine 99-sekündige Reise durch unvergessliche und bildstarke Erinnerungen. Erdacht hat sich dieses Kunstwerk der Meppener Nachwuchsfilmer Jannis Vieting. Zusammen mit seinen zwei Arbeitskollegen Marc Ginolas und Henrik Weimar produzierte er diesen Film, mit dem das Trio nun an den „99 Fire-Films-Awards“ teilnimmt – dem laut Veranstalter weltweit größten Kurzfilmfestival.

Nur 99 Stunden zur Verfügung

Die Herausforderung: 99 Stunden Zeit, einen 99-sekündigen Kurzfilm zu einem vorgegebenen Thema zu drehen. Das lautete in diesem Jahr: „Ich liebe es – Erzähl der Welt, was du liebst und warum“.

Das taten Vieting, Ginolas und Weimar. Dafür reisten sie an einem Wochenende extra aus Mainz – wo die drei beim ZDF beziehungsweise SWR eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild & Ton machen – 400 Kilometer ins Emsland. „Das Gesamtpaket war entscheidend“, erklärt Vieting. In seiner Heimat fanden sie die optimalen Voraussetzungen: eine herrlich verträumte Winterlandschaft, Zeit, Ruhe und die Unterstützung von Freunden, Familie, dem Fotostudio Mundus sowie dem Meppener Schauspieler Wilhelm Warren.

Unter den 99 Besten

Er übernimmt einen Part in „1990“. In die Hauptrolle schlüpft Vieting höchstpersönlich, zusammen mit seiner Freundin Marie Klöpperpieper. Herausgekommen ist ein Film, der unter 3121 Einsendungen zu den 99 Besten zählt. „Es war unglaublich viel Arbeit, eine große Herausforderung. Wir hatten nur 99 Stunden für Idee, Organisation, Dreh und Schnitt“, erklärt Vieting.

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Ihr Ziel, unter die besten 99 Filme zu kommen, erreichten sie bereits. Nun hoffen die drei Mediengestalter, dass ihr Werk auch zum erlesenen Kreis der nominierten Filme zählt, die am Mittwochabend im Berliner Admiralspalast aufgeführt und in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Kamera“ und „Beste Idee“ prämiert werden. Hauptpreis: 9999 Euro. Die Entscheidung fällt eine Jury aus Produzenten, Regisseuren und Schauspielern, darunter auch Matthias Schweighöfer.

Ziel erreicht

„Mit der Platzierung unter den besten 99 haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Vieting, für den alles weitere nun das „Sahnehäubchen“ wäre. Ob die angehenden Mediengestalter am Mittwoch nun gewinnen oder nicht, für sie zählt vor allem: „Wir lieben es, zu filmen und haben unglaublichen Spaß daran. Und das haben wir versucht, in unserem Film deutlich zu machen.“

Den Kurzfilm sehen kann man unter https://www.youtube.com/watch?v=NijzE_3fSeg. Einen Livestream zur Preisverleihung im Berliner Admiralspalast gibt es am Mittwoch, 21. Februar 2018, ab 21 Uhr auf www.99fire-films.de.