Gastspiel im Meppener Theater Musiker von Allotria holen Jazzsterne vom Himmel

Von Gerd Mecklenborg

Alles, was den klassischen Jazz so ausmacht,  präsentierten die Musiker von Allotria im Meppener Theater. Foto: Gerd MecklenborgAlles, was den klassischen Jazz so ausmacht, präsentierten die Musiker von Allotria im Meppener Theater. Foto: Gerd Mecklenborg

Meppen. Eine lange Anfahrt aus Bayern haben die sieben Herren der renommierten Jazzformation Allotria auf sich genommen, um im Emsland ihre virtuose musikalische Handwerkskunst vorzuführen. Dafür sprühten sie voller Spielfreude, die sich schnell auf das leider sehr überschaubare Publikum im Meppener Theater übertrug.

Die swingende Ära der 1920er-Jahre und weitere Jazz-Dekaden des vergangenen Jahrhunderts standen auf der Meppener Setlist der Band, die auf 50 Jahre Bühnenerfahrung – in wechselnder Besetzung – zurückblicken kann. Diese Erfahrung rufen die begnadeten Jazzmusiker dann auch gleich beim musikalischen Einstieg am Sonntagabend ab. Mit dem dynamisch interpretierten „Don’t Be That Way“ von Benny Goodman eröffnen die hellwachen Herren aus München ihr swingendes Programm mit viel Tempo, Spielwitz und enormen Gespür für die coolen alten Jazzweisen.

Hervorragende Solisten

Als hervorragende Solisten in einem harmonischen Kollektiv präsentieren sich Bandleader Rainer Sander (Klarinette und Alt Saxophon), Andrey Lobanov (Trompete), Peter Cischeck (Kontrabass), Mathias Götz (Posaune), Gregor Beck (Schlagzeug), Thilo Wagner (Klavier) und der junge „Ersatztrompeter“ Marko Mebus vom ersten Takt an. Die Band-Frontline mit vier Bläsern nimmt das Auditorium in die gesamte Palette des Jazz mit. Ihre Reminiszenz an die gute alte Zeit mixt Swing, Jazzballaden und Dixieland in einem musikalischen Kuchenteig zusammen. Begleitet wird die Brass-Gang von Gregor Beck, dem ehemaligen Drummer von Chris Barber, und von Peter Cischeck, der unauffällig sein feines und akzentuiertes Bassspiel beisteuert.

Szenenapplaus

Für die Soli der Akteure gibt es immer wieder Szenenapplaus, „denn damit holen wir für euch die Jazzsterne vom Himmel“, heißt es in der jeweiligen Ankündigung vor den Soloparts der einzelnen Musiker. Stark der Auftritt vom jungen Marko Mebus, der den Stammtrompeter Colin T. Dawson vertritt, „und alles, was wir ihm so vorlegen, easy vom Blatt wegspielt“, lobt Bandleader Rainer Sander.

Fast 50 Jahre Banderfahrung bewirken dann auch in Meppen, dass die sieben Instrumentalisten bei aller Individualität und Solistenklasse einen von Präzision dominierten Gesamtsound hinlegen. Und ihre Jazzmucke klingt atmosphärisch, fast bildlich, etwa bei „April Showers“, da hört man raus, dass dem Komponisten lustige Regentropfen, angesichts des nahen Frühlings‚ „aber auch so was von schnuppe“ waren. Oder den orientalischen Touch in der klassischen Jazzmusik bei „Egyptian Fantasy“.

All das machte diesen Jazzabend spannend. Ein Highlight für die Genre-Kenner im Publikum. Mit „Sing, Sing, Sing“, dieser legendären, feurigen Jazzkomposition, und einem coolen Zugabenblock verabschiedeten sich die weit gereisten Jazzmucker von ihrem Publikum.