18. Emslandforum Landwirtschaft „Faktor Boden entscheidet über Zukunft der Betriebe“

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Meppen. Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Das ist beim 18. Forum Emsländischer Landwirte in Meppen deutlich geworden. Drei hochkarätige Vorträge machten eines klar: So wie bisher geht es nicht weiter.

Das Landwirteforum ist seit der ersten Auflage 2001 zu einem festen Termin im Jahreskalender für alle diejenigen geworden, die wissen wollen, was kommen könnte. Klartext soll dort gesprochen werden, und in diesem Jahr haben sich die Redner vorbildlich an diese Maxime gehalten.

Das Forum wird von Landwirtschaftskammer (LWK), Volksbanken und Beratungsgemeinschaften organisiert, deshalb hielten Kammerpräsident Gerhard Schwetje und Volksbank-Vorstandssprecher Frank Thiel auch die Begrüßungsreden. Danach hielt Arnold Krämer, der in wenigen Tagen als Leiter der Bezirksstelle Emsland der LWK in den Ruhestand treten wird und Hauptorganisator des Forums ist, einen Vortrag, der die Erfahrung von fast 40 Jahren Beratung in der Landwirtschaft vereinte.

„Aus dem Ruder gelaufen“

Krämer ging mit der aktuellen Landwirtschaft kritisch ins Gericht – nicht unbedingt mit den Landwirten selbst, sondern mit der Politik, die die Rahmenbedingungen geschaffen habe. Rahmenbedingungen, die zum Teil aus dem Ruder gelaufen seien.

So gebe es in Deutschland zwar ein sehr hohes Maß an Versorgungssicherheit mit hervorragenden Lebensmitteln. Gleichzeitig seien aber viehreiche Gebiete wie das Emsland entstanden, die durch handwerkliche Fehler vor allem bei der Förderung von Biogasanlagen noch zusätzliche Flächenkonkurrenz erhalten hätten.

Quersubventionieren

So seien die Preise für Ackerland seit 2004 von durchschnittlich drei bis vier auf sieben bis acht Euro pro Quadratmeter gestiegen. Preise von zehn Euro wie in Vechta seien auch bei uns zu erwarten. Weil mit den Bodenpreisen auch die Pachten steigen, werde der Faktor Boden entscheiden, welche Höfe auf Dauer existierten und welche nicht. „Am Ende bleiben die übrig, die ihren Ackerbau durch Biogas oder Mastställe quersubventionieren können“.

Die Novellierung des Düngerechts erhöhe den Druck auf das Land zusätzlich. Denn nun würden die Düngefrachten der Biogasanlagen im Gegensatz zu früher richtigerweise berücksichtigt, die Düngemenge insgesamt begrenzt. Aber das habe Folgen: „Entweder wir exportieren noch mehr Gülle und Mist, oder wir verringern den Viehbestand oder die Zahl der Biogasanlagen.“

Deutliche Worte fand Krämer zur Tierhaltung: „So wie heute wird sie in Zukunft nicht mehr aussehen. Der gesellschaftliche Druck ist zu groß, das im Grundgesetz festgeschriebene Staatsziel Tierschutz und Tierwohl bislang nicht ausreichend umgesetzt worden.“ Reine Stallhaltung ohne verschiedene Klimazonen, fehlende Funktionsbereiche, fehlendes Beschäftigungsmaterial, zu wenig Platz: Die Liste der Forderungen von Wissenschaft und Gesellschaft an die Tierhaltung sei lang.

Kaum überschaubar

Krämer ging ausführlich auf den Faktor Mensch im Betrieb ein und betonte, nicht immer sei die Größe des Unternehmens entscheidend für dessen Erfolg, sondern es komme auch auf dessen Stärke an. Steuerliche Anreize hätten zu immer komplexeren Unternehmensformen mit vielen Buchführungseinheiten geführt, der bürokratische Aufwand sei enorm und vielfach kaum noch überschaubar.

Eigenmotivation, Beratungsfähigkeit, Flexibilität und Selbstdisziplin entschieden neben den Rahmenbedingungen mit über den eigenen Erfolg. Am Ende stehe die Frage: „Sind Sie ein guter Unternehmer. Nicht unbedingt: Sind Sie ein guter Landwirt.“

Professor Friedhelm Taube von der Uni Kiel stand Krämer in der Deutlichkeit seiner Botschaft zur „ökologischen Intensivierung“ in nichts nach. Er gehört unter anderem dem wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik der Bundesregierung an und stellte fest: „Deutschland hat dank Intensivierung der Landwirtschaft zwar die 2003 von der EU geforderte Ernährungssicherheit mehr als erreicht. Die ebenfalls geforderte Ökologisierung dagegen nicht.“

Verträge gebrochen

Deutschland habe alle einschlägigen Verträge wie die Nitratrichtlinie oder die Wasserrahmenrichtlinie gebrochen und die Biodiversitätsziele verfehlt. Und das trotz eindeutiger Verpflichtungen. Hauptproblem sei ein deutlicher Stickstoffüberschuss, der die Landschaft und das Grundwasser auf verschiedene Art und Weise schädige. Das sei schlicht illegal. Es gebe ein weitgehendes Staatsversagen bei der Umsetzung von Umweltzielen, auch dank der Agrarlobby.

Eine Folge: Die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft sinke weiter dramatisch. „Pro Hektar kostet das den Steuerzahler an zusätzlichen Umweltkosten 300 Euro pro Jahr“, sagte Taube. 300 Euro bekomme jeder Landwirt ebenfalls aus Steuergeldern zudem pro Hektar als Flächenprämie.“

Fehlende Rohstoffe

„Das ist auf Dauer nicht zu vermitteln. Es wird Veränderungen geben“, sagte er, allerdings sei nicht Ökolandbau auf allen Flächen die Lösung. Denn dann sinke der Ertrag teilweise um 70 Prozent, und die fehlenden Rohstoffe müssten außerhalb Europas unter deutlich schlechteren Standards erzeugt werden.

Stattdessen forderte Taube einen dritten Weg, der ökologische Elemente integriere und über ein einfaches ökologisches Punktesystem eine Gemeinwohlprämie installiere.

Welche technischen Lösungen der Landwirtschaft durch die Digitalisierung helfen können, darüber berichtete dann Professor Hubert Korte. Selbstfahrende Ackergeräte oder Roboterschwärme seien nur zwei Schlagworte. Entscheidend sei Effizienzsteigerung durch Wissen.


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