Situation wird sich verschärfen In Meppen fehlen günstige Wohnungen und Grundstücke

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Hochpreiswertige Wohnhäuser sind auch an der Meppener Schützenstraße gebaut worden. Foto: Hermann-Josef MammesHochpreiswertige Wohnhäuser sind auch an der Meppener Schützenstraße gebaut worden. Foto: Hermann-Josef Mammes

Meppen. In Meppen mangelt es nicht nur an Bauland, sondern auch an bezahlbaren Wohnungen für Alleinlebende und größere Familien. Zudem gibt es auf dem Wohnungsmarkt keine barrierefreien Wohnungen für behinderte Menschen und Senioren.

Zu diesem düsteren Ergebnis kommt eine Studie der NWP Planungsgesellschaft mbH und der re.urban Stadterneuerungsgesellschaft mbH, die Baudezernent Dieter Müller am Donnerstag in der Sitzung des Stadtrates vorstellte. Verbunden ist die Studie mit einem Wohnraumversorgungskonzept. Der Stadtrat stimmte dem Konzept bei zwei Gegenstimmen von Tobias Kemper (FDP) und Jutta Oestreicher (Bürger für Meppen) zu. Dabei wies Müller darauf hin, dass die Stadt nur in den Genuss von Fördermitteln für den sozialen Wohnungsbau der NBank kommen kann, wenn es ein solches Konzept vorlegen kann.

Nur wenige Sozialwohnungen

Derzeit gibt es in Meppen noch 245 Wohnungen, die mit öffentlichen Fördergeldern erstellt wurden und damit günstige Mietpreise ermöglichen. 41 Wohnungen hält die Stadt Meppen vor, den überwiegenden Teil aber die Baugenossenschaft Aschendorf-Hümmling. Allerdings wies Müller darauf hin, dass dieser „preisgünstige Wohnraum“ aufgrund der auslaufenden Förderkulisse bis 2023 auf 50 Wohnungen schrumpfen werde. Zum Vergleich: In Papenburg gibt es 396 Wohnungen, die sich in einer Förderung durch den sozialen Wohnungsbau befinden.

Immer mehr Einwohner

Entgegen früherer Prognosen geht man inzwischen davon aus, dass die Einwohnerzahl in Meppen bis zum Jahr 2035 um etwa 1300 Menschen auf dann etwa 37.000 Einwohner anwachsen werde. Da es in Zukunft immer mehr Ein- und Zweifamilienhaushalte geben werde, bedeute dies einen Zuwachs von 1.156 Haushalten in Meppen. So geht die NBank davon aus, dass im Jahr 2035 die Einpersonen-Haushalte 43 Prozent und die der Zwei-Personenhaushalte 35 Prozent aller Wohneinheiten in der Kreisstadt bilden. 2.500 Menschen, darunter viele Alleinerziehende, Arbeitslose und Rentner, beziehen in Meppen Mindestsicherungsleistungen. Die Zahl der Wohngeldempfänger sei zuletzt sogar deutlich gesteigen.

Geringer Leerstand

Auf der anderen Seite gebe es in Meppen jetzt schon mit 211 Wohnungen (1,4 Prozent) einen sehr geringen Leerstand. „Normaler ist ein Leerstand von drei Prozent“, sagte Müller. Dabei sei das Mitniveau binnen der vergangenen zehn Jahre um 28 Prozent von 4,70 auf 6 Euro pro Quadratmeter gesteigen, Ähnliches gelte für die Immobilien- und Grundstückspreise. Die Studie kommt laut Müller denn auch zu der Erkenntnis, dass die entstandenen Mehrfamilienhäuser oft „im hochpreiswertigen Segment“ liegen. Private und gewerbliche Bauträger seien nicht in der Lage „preiswerte Wohnungen zu schaffen“.

Konkrete Handlungsanweisungen

Als Konsequenz leitet das Konzept konkrete Handlungsfelder ab. Hierzu zählt bei der Vergabe städtischer Grundstücke, Kriterien für „günstigen Wohnraum anzulegen“. Weiter müsse die Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften gesucht werden. Auch eigene städtische Lösungen für den sozialen Wohnungsbau seien denkbar, um in den Genuss von Wohnraumfördermitteln zu gelangen. Vorbild könne zum Beispiel die Lingener Wohnbau eG sein, die 2017 unter Mitwirkung der Stadt aber auch der Kirchen, der Volksbank Lingen, des Bonifatius-Hospitals und des Christophorus-Werkes gegründet wurde.

„Mit diesem Konzept-Papier verfügt die Stadt Meppen über einen wertvollen Leitfaden, der gezieltes, förderungsfähiges Handeln in Sachen Wohnraumversorgung ermöglicht“, resümierte Bürgermeister Helmut Knurbein.


Eingriff in Immobilienmarkt notwendig

ma Meppen. Gleich mehrere Meppener Stadtratspolitiker haben in der Ratssitzung dasselbe Fazit aus der Studie gezogen: Es fehlen in Meppen preiswerte Wohnungen gerade in dem Segment unter 80 Quadratmetern. Für CDU-Sprecher Reiner Fübbeker steht fest: „Wir müssen in den Immobilienmarkt regulierend eingreifen.“ Ansonsten würden viele Menschen in umliegende Kommunen ziehen. Nach Ansicht des Christdemokraten müsse die Politik Anreize schaffen. Hierzu gehöre ein städtisches Förderprogramm. Diese gebe es zum Teil bereits. So würde die Stadt bereits den Ankauf und die Sanierung von älteren Immobilien finanziell fördern.

Wichtige Funktion

SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Kötter fügte hinzu: „Das Konzept hat zwei wichtige Funktionen.“ Zum einen gehe es darum, in den Genuss öffentlicher Fördergelder zu kommen. Zudem sei es die Basis für die zukünftige Planung der Stadt. Es gebe ein großes Defizit in Meppen an preiswerten Wohnungen. Auch für Familien sei das Angebot „überschaubar“. Kötter sieht einen großen Handlungsbedarf. Sie forderte die Stadtverwaltung bei der Lösungssuche auf, sich mit Baugenossenschaften in Verbding zu setzen“. Zudem müssten Grundstücksverkaufe mit der Auflage des sozialen Wohnjungsbaus verknüpft werden.

Zweifel an Seriosität

UWG-Fraktionsvorsitzender Günther Pletz bezweifelte unterdessen die Seriosität des Konzeptes. Prognosen, wonach Meppen binnen weniger Jahre 1200 neue Wohnungen benötige, seien „völlig unrealistisch“. Er halte die Zahlen mit Blick auf den Immobilienmarkt sogar für „gefährlich“.

Dringend notwendig

Der Meppener Behindertenbeauftragte Walter Teckert mahnte hingegen „zur Dringlichkeit“. Ganz aktuell betreue er wieder drei Familien. „Es gibt in Meppen für sie keinen bezahlen barrierefreien Wohnraum“, so Teckert. Er sieht als Problemlösung eine „eigene städtische Genossenschaft“. Im Rahmen der Einwohnefragestunde hatte sich zuvor Gisela Suhlmann in der Sitzung zu Wort gemeldet. Die besorgte Mutter sucht ebenfalls für ihre behinderte Tochter eine Wohnung.

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