„Sich dem Fremden nicht verschließen“ Syrerinnen in Meppen erzählen von ihrem Leben und Glauben

Von Stefanie Müller

Freuen sich über das große Interesse, Gemeindereferentin Petra Kleene, Integrationslotsin Anne Herbers, Jumana Awad, Iman Alahmad, Maria Alahmad und Marianne Neesen (v. l.). Foto: Stefanie MüllerFreuen sich über das große Interesse, Gemeindereferentin Petra Kleene, Integrationslotsin Anne Herbers, Jumana Awad, Iman Alahmad, Maria Alahmad und Marianne Neesen (v. l.). Foto: Stefanie Müller

Meppen. Zahlreiche Frauen sind der Einladung der KFD in Meppen-Hemsen zu einem Kennenlernen gefolgt. Die Schwestern Maria und Iman aus Syrien erzählten an diesem Abend zusammen mit ihrer Mutter von ihrem Glauben, dem Leben in Syrien und ihrer Flucht.

„Es ist gut, sich dem Fremden nicht zu verschließen. Wissen heißt auch, den anderen besser zu verstehen“, sagte Marianne Neesen vom Vorstand der KFD Hemsen in ihrer Begrüßung. Sie machte mit diesem Abend das Kennenlernen möglich und wollte Vorurteile zwischen unterschiedlichen Glaubensrichtungen abbauen.

Auf Olivenplantage Geld für Flucht verdient

Für viele der Gäste war besonders Marias und Imans Begeisterung für ihren Glauben beeindruckend und rief viele Fragen hervor. „Warum tragt ihr Kopftücher?“, war eine der ersten Fragen. Stolz war Imans Antwort: „Es ist ein Teil des Glaubens und ein großer Teil kommt von Herzen.“

Seit zwei Jahren leben die 17-jährige Maria und die 15-jährige Iman mit ihren drei Brüdern und den Eltern in Hemsen. Ihre Heimatstadt Rakka im Norden Syriens haben sie 2014 aufgrund des Bürgerkriegs verlassen. Im Jahr zuvor hatten die Terror-Organisationen IS und Al-Nusra-Front die Stadt erobert.

Um Geld für die Flucht zu verdienen, arbeitete die Familie zunächst in der Türkei. „In Syrien waren wir weder arm noch reich. In der Türkei mussten wir alle arbeiten, auf einer Olivenplantage und später als Näherinnen“, erinnerte sich Iman. Weil das verdiente Geld auch nach einem Jahr nicht für die Überfahrt reichte, liehen Verwandte ihnen Geld. (Weiterlesen: 850 Flüchtlinge leben in Meppen)

In kleinem Boot nach Griechenland

700 US-Dollar (etwa 560 Euro) pro Person mussten sie den Schleusern zahlen, um in einem kleinen Boot nach Griechenland zu gelangen. Trotz der langen Flucht hat die Familie Heimweh. Besonders Iman und Maria finden es schwierig, ihren Glauben und ihre Tradition hier zu leben. Die Familie ist sehr religiös und traditionsbewusst, der Koran spielt in ihrem Alltag eine wichtige Rolle. Zurück könnten sie aber nicht, da in ihrer Heimatstadt fast alle Häuser vermint seien. Und hier alles aufgeben wollen sie auch nicht, erklären die beiden Mädchen.

Beruflich in Deutschland Fuß fassen

Beide gehen im Emsland zur Schule und machen im Sommer ihren Abschluss. Mutter Jumana Awad ist stolz auf die guten Ergebnisse in der Schule und dankbar für die Hilfe, die sie in Deutschland bekommen. Berufswünsche haben die jungen Mädchen auch schon: Maria möchte Krankenschwester werden und Iman Floristin. Erste Praktika haben beide bereits gemacht.

Kein Händeschütteln mit Männern

Ihren Glauben mit dem Berufsalltag zu verbinden, stellen sich die Mädchen noch schwierig vor. „Unserem Glauben nach geben wir einem Mann nicht die Hand, fünf Mal am Tag beten wir und während des Ramadan fasten wir von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“, erklärte Maria. Während der Praktika haben sie aber auch schon erste Lösungen gefunden; so kann ein Gebet verschoben und zur Begrüßung können Handschuhe getragen werden.

Große Unterschiede

Die Unterschiede zwischen ihrem Leben in Syrien und dem in Deutschland sind groß. Eine Ausbildung wie Maria und Iman jetzt geplant haben, hätten sie in Syrien nicht gemacht. Fahrrad fahren haben beide in Deutschland gelernt. „Frauen tragen bei uns lange Kleider, und das ist auf dem Fahrrad nicht praktisch. In Syrien haben wir ein Taxi oder den Bus genommen“, sagte Iman. Auch Hochzeiten werden anders gefeiert. Männer und Frauen feiern getrennt. „Und wir Frauen feiern ohne Kopftuch“, ergänzte Maria.

In Hemsen haben sie viel Unterstützung erfahren. Mittlerweile hat die Familie ein eigenes Auto, und auch die Eltern haben im Sprachkurs schon etwas Deutsch gelernt. Begleitet wird die Familie von der Integrationslotsin Anne Herbers. Ehrenamtlich steht sie der Familie bei Fragen zur Seite und stellt Kontakte zu Ämtern, Schulen oder Ärzten her.