Intensive Planung nötig Neue Düngeverordnung fordert emsländische Fachschüler

Intensiv üben derzeit Junglandwirte einjährigen Fachschule Agrarwirtschaft der BBS-Lingen-AS die Düngeplanung. Intensiv inspizieren Tim Hartke (v. l.), Lukas Feld und Manuel Manemann dazu auch die Pflanzen. Foto: FachschuleIntensiv üben derzeit Junglandwirte einjährigen Fachschule Agrarwirtschaft der BBS-Lingen-AS die Düngeplanung. Intensiv inspizieren Tim Hartke (v. l.), Lukas Feld und Manuel Manemann dazu auch die Pflanzen. Foto: Fachschule

Lingen. Akribisch beschäftigen sich derzeit Schüler der einjährigen Fachschule Agrarwirtschaft der BBS-Lingen-AS mit Junglandwirten aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim mit der Frühjahrsbestellung. Die neue Düngeverordnung stellt die angehenden Agrarwirte dabei vor große Herausforderungen. Eine intensive Beratung ist erforderlich.

Wie Gartenbesitzer ihren Garten aus dem Winterschlaf wecken möchten, müssen auch Landwirte derzeit ihre Düngung ausführlich planen. Grundlagen dazu werden bereits in der Fachschule gelegt. In diesem Jahr intensiver als sonst, denn die neue Düngeverordnung beschäftigt auch die angehenden Landwirte.

Die Bundesregierung hatte 2017 die Düngeverordnung überarbeitet. Noch gezieltere Düngung war das Ziel, um Nährstoffüberschüsse und Nährstoffauswaschungen wie etwa Stickstoff auszuschließen. Auch deshalb beschäftigen sich die Fachschüler mit diesem Thema.

Optimierungspotenzial

„Die Verordnung ist für die Betriebe eine echte Aufgabe“, sagt Matthias Albers. Zwar seien die technischen Möglichkeiten wie etwa Schleppschläuche am Güllefass vorhanden, doch der bürokratische Aufwand sei um einiges gestiegen. Allerdings gebe es auch viel Positives an der Neuregelung. Denn die Gesetze orientieren sich am Bedarf der Pflanze. Der Junglandwirt sieht durchaus Potenzial, die Düngung zu optimieren. Ohnehin möchten Landwirte wie Albers weiterhin nachhaltig wirtschaften.

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„Mein Ziel ist es, so zu arbeiten, dass auch meine nachfolgenden Generationen den Boden ertragreich nutzen“, meint auch Schulkollege Janek Kuiper aus Neuenhaus. Gemeinsam mit den Klassenkameraden sieht er Möglichkeiten, Nährstoffkreisläufe weiter zu schließen. „Unsere Tiere werden auch mit Futtergetreide aus Ostniedersachsen und aus den östlichen Bundesländern gefüttert, dort wird aber Dünger benötigt“, hofft Kuiper auf intensiven Austausch, auch für flüssige Gülle. Separationsverfahren bieten dabei zukünftig gute Möglichkeiten, um sie transportfähig zu machen. „Da sind wir auf einem guten Weg“, ist Kuiper überzeugt.

Rahmenbedingungen schaffen

Doch bis es soweit ist, spielt auch die Lagerung eine große Rolle in der Planung. Während einige Flächen aufgrund der hohen Niederschläge derzeit nicht befahrbar sind und Pflanzen mit ihren Wurzeln im Wasser stehen, geben die Tiere im Stall weiterhin Reststoffe ab, die als Gülle und Mist vom Landwirt gelagert werden müssen. Diese Lagerung auch nach neusten Richtlinien zu optimieren, erscheint den jungen Landwirten in Lingen als ein wesentlicher Schlüssel für eine gezielte, am Bedarf der Pflanze ausgebrachte, organische Düngung.

„Leider schafft die Politik dafür zurzeit nicht die Rahmenbedingungen für betriebliche Investitionen“, kritisiert Matthias Albers. „Die bodennahe emissionsarme Ausbringtechnik und ein ausreichender Lagerraum ergeben nur als Paket die Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Düngung.“

Bodenschonend

Doch Lagerung, Planung und Aufzeichnung sind nur einige Dinge, die Landwirte zu beachten haben. „Die Düngung ist ein sehr komplexes Thema, eine intensive Beratung ist deshalb unumgänglich“, baut Tim Hartke auf Experten, wie etwa von der Landwirtschaftskammer oder von privaten Unternehmen. Hartke weiß, es kommt auf ein genaues Maß an. Denn ähnlich dem Tier und dem Menschen kann die Pflanze nur bestimmte lebenswichtige Nährstoffe im eigenen Stoffwechsel erstellen. Der größte Teil muss zugeführt werden, wenn die Kulturpflanze einen Ertrag erzielen soll. Dies soll aber bodenschonend geschehen, keine Rückstände übrig bleiben.

Dies alles findet Beachtung im Fach Produktions-und Verfahrenstechnik an der Fachschule Agrarwirtschaft der BBS Lingen AS. „Die natürlichen Ressourcen wie Wasser, Luft und den Boden zu schonen ist dabei oberstes Gebot“, meint Hartke. Lösungen werden diskutiert und wieder verworfen; die jungen Menschen, die das landwirtschaftliche Unternehmen von ihren Vorfahren weiterführen wollen, stellen dabei auch Traditionen auf den Prüfstand und gehen mit dem Handeln ihrer Väter und Mütter ins Gericht, wie in jedem anderen Übergabeprozess von einer Generation zur nächsten.

Verantwortungsvolle Aufgabe

Dass sie alle weiter Landwirte sein wollen, da sind sie sich sicher. Pflanzen und Tiere zu ernähren und damit als Nahrungsproduzent für den Menschen da zu sein, ist ihrer Meinung nach wichtige und ebenso verantwortungsvolle Aufgabe und ein wunderbarer Beruf. Doch ein weiter so wie bisher, so sind sich alle einig, wird es nicht geben. Dafür sehen sich die Junglandwirte gut gerüstet: „Für die notwendigen Veränderungen im Dialog mit der Gesellschaft sind wir bereit und durch die Aus-und Weiterbildung gut vorbereitet“, sagt Kuiper.