Abordnungsanweisung des Landes Gymnasien im Emsland müssen Personalnot an anderen Schulen lindern helfen

Von Tim Gallandi, Maike Plaggenborg und Wilfried Roggendorf

Meine Nachrichten

Um das Thema Meppen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Um den Lehrermangel besonders an den Grundschulen zu kompensieren, müssen Gymnasiallehrer im Emsland teils dort aushelfen. Foto: Caroline Seidel/dpaUm den Lehrermangel besonders an den Grundschulen zu kompensieren, müssen Gymnasiallehrer im Emsland teils dort aushelfen. Foto: Caroline Seidel/dpa

Meppen. Etwa 2900 Lehrer in Niedersachsen müssen im nun begonnenen zweiten Halbjahr an anderen Schulen Personalengpässe ausgleichen und unterrichten. Auch Gymnasien im Emsland sind betroffen; allerdings kam die Anweisung zur Abordnung durch das Land nicht mehr so unvermittelt wie im vergangenen Sommer.

Wie die Landesschulbehörde auf Anfrage mitteilte, unterstützen insgesamt sieben emsländische Gymnasien Grundschulen und Oberschulen in der Region, um die Verlässlichkeit dieser Schulen sicherzustellen. „Wir haben die betroffenen Gymnasien bereits Anfang Dezember über diese Maßnahme informiert, sodass diese planen konnten und ein frühzeitiger Austausch zwischen abgebender und aufnehmender Schule erfolgen konnte“, erklärte eine Sprecherin.

Einigermaßen akzeptabler Rahmen

Die meisten angeordneten Abordnungen der Landesschulbehörde betreffen das nördliche Emsland mit vier Schulen. Das Gymnasium Papenburg will die verlangten 70 Wochenstunden auf 15 Lehrer verteilen, die in einem „relativ geringen Stundenmaß“ mit zwei bis vier Stunden abgezogen werden, wie Schulleiter Theo Hockmann auf Nachfrage angibt. Das sind fünf Stunden weniger als noch im ersten Halbjahr. Aufnehmende Schulen sind die Ludgerusschule in Rhede, die Amandusschule in Aschendorf, die Michaelschule in Papenburg und die Heinrich-von-Kleist-Oberschule, ebenfalls in Papenburg. Sie hat, so Hockmann, mit 26 Stunden den größten Bedarf. Die Unterrichtsversorgung sei gewährleistet in einem „einigermaßen akzeptablen Rahmen“. Die Abdeckung liege jetzt „bei knapp über 100 Prozent“. Lehrer müssten zum Teil Überstunden schieben.

57 Unterrichtsstunden pro Woche

57 Unterrichtsstunden pro Woche hat das Hümmling-Gymnasium in Sögel abzugeben. Der Abordnung, die nach Angaben des Schulleiters Manfred Rojahn für das Schulhalbjahr gelte, werde mithilfe von acht Lehrern nachgekommen. Der Pflicht- und Förderunterricht sei abgedeckt. Allerdings sei im Ganztagesbereich nicht mehr alles im Angebot. Die eine oder andere Nachmittags-AG werde es nicht mehr geben. „Die Kür muss entsprechend darunter leiden“, sagte Rojahn über die Abordnung des Personals, die nun auch in drei Grundschulen – der Bernhardschule Sögel und denen in Walchum und Börgerwald – tätig sind. Ohne die Abordnung läge die Versorgung über 100 Prozent, jetzt – mit 98 Prozent – knapp darunter.

Unverändert macht sich die Anordnung des Landes im Gymnasium Dörpen bemerkbar. „Es hat sich zum Halbjahr nichts geändert“, sagt Thea Wathal, Leiterin der Schule. Dort bleibt es bei 26 Stunden, die zehn Lehrer bewältigen. „Wir haben es tatsächlich hinbekommen, dass wir keine Abstriche machen müssen“, sagt Wathal, möchte aber keine Angaben zur prozentualen Abdeckung machen. Nur so viel: „Wir waren ganz gut versorgt.“ AGs könnten weiterhin angeboten werden. Positiv bewertet die Schulleiterin, dass im Fall Dörpen keine Fahrtzeiten einberechnet werden müssten. Die aufnehmende Grundschule liege in Nebengebäude. Die Lehrer müssten demnach nur einmal über den Schulhof gehen.

Zwei Vollzeitlehrkräfte

Das Gymnasium Werlte ordne im Umfang von zwei Vollzeitlehrkräften an die Grundschule Rastdorf und an die Grund- und Oberschule Lorup ab, teilt Schulleiter Heinz-Joseph Thöle mit. „Genau in diesem Umfang sind uns im Voraus von der Landesschulbehörde zusätzliche Planstellen zugewiesen worden.“ Die Unterrichtsversorgung sei demnach „vollumfänglich gesichert“.

Einige Neueinstellungen

An mehrere Grundschulen und Oberschulen ordnet das Windthorst-Gymnasium Meppen im zweiten Schulhalbjahr Lehrer ab – im Umfang von insgesamt 70 Unterrichtsstunden pro Woche, sagt Schulleiterin Daniela Brüsse-Haustein. Hinzu kämen zwei Kollegen, die eigentlich zum WGM versetzt wurden, aber nun vorerst weiterhin an ihren bisherigen Schulen unterrichteten. „Wir sind recht gut versorgt und haben einige Neueinstellungen, davon ist ja auch die Zahl der Abordnungen abhängig“, so Brüsse-Haustein. Das Windthorst-Gymnasium komme mit der Situation gut zurecht; der eigene Unterricht inklusive Arbeitsgemeinschaften sei nicht beeinträchtigt, kein Angebot werde eingeschränkt. „Und diesmal wussten wir schon vor Erstellung der Stundenpläne Bescheid.“ Zu Schuljahresbeginn hatte die kurzfristige Weisung des Landes für Unmut gesorgt.

Dass es diesmal aus Sicht der Gymnasien besser gelaufen sei, meint auch Norbert Schlee-Schüler, Leiter des Kreisgymnasiums St. Ursula Haselünne. Zupassgekommen sei seiner Schule dabei auch, dass man im Vorgriff auf die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren bereits jetzt mehrere Lehrerstellen zugewiesen bekommen habe. „Dadurch haben wir die Möglichkeit, andernorts Stellen zu puffern.“ Momentan stellt das KGH 41 Unterrichtsstunden pro Woche ab. Da die Schule vorher rein statistisch eine Überversorgung von 105 Prozent aufgewiesen habe, sei dies „nicht dramatisch“.

Entspannt sieht auch Manfred Heuer, Leiter des Gymnasiums Georgianum in Lingen die neuerlichen Abordnungen: „Wir kommen damit klar.“ Seit Halbjahresbeginn ordne die Schule Lehrer an die Grundschule Gauerbach in Lingen sowie nach Spelle ab. Der Stundenumfang sei im Vergleich zum zurückliegenden Halbjahr leicht zurückgegangen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN