Gewässer und Wegerandstreifen wichtig Landkreis Emsland will Biotope besser vernetzen

Von Tobias Böckermann

Die ökologischere Gestaltung von Ackerrandstreifen kann zur Biotopvernetzung beitragen. Archivfoto: EngelkenDie ökologischere Gestaltung von Ackerrandstreifen kann zur Biotopvernetzung beitragen. Archivfoto: Engelken

Meppen. Der Landkreis Emsland soll mehr tun für die Biotopvernetzung. Das hat der Umweltausschuss auf Antrag der SPD beschlossen.

Zwar konnte sich Ausschussvorsitzender Ulrich Wilde nicht in allen Punkten seines Antrages durchsetzen, den letztlich von der Verwaltung vorgetragenen Beschlussvorschlag konnte er aber gut mittragen. Carsten Keetz (Grüne) sprach gar von einem „historischen Moment“ für das Emsland.

Wilde hatte in seinem Antrag ausführlich begründet, woran nach seiner Einschätzung der Schutz der Natur auch im Emsland kranke – nämlich unter anderem an fehlenden Verbindungslinien zwischen den vielen unter Schutz stehenden Gebieten. Zwar habe der Landkreis Emsland viele Maßnahmen zum Stopp des Artensterbens ergriffen, dieses gehe aber dennoch weiter. Deshalb seien die Anstrengungen zu intensivieren.

In einem funktionierenden Biotopverbund können Tier- und Pflanzenarten wandern, sich also mit anderen Populationen in der Nähe genetisch austauschen. Außerdem vergrößert sich der potenzielle Lebensraum, wenn geeignete Strukturen nicht unerreichbar weit auseinander liegen. Wilde möchte eine Entwicklung weg von „Biotopinseln“ hin zu einer „Biotopvernetzung“ erreichen und dafür zum Beispiel Linienbiotope in der Agrarlandschaft fördern, etwa über Ackerrandstreifen, Wege, Hecken oder Gewässer.

„Dafür bedarf es eines Konzeptes, das die bisherigen Aktivitäten auf diesem Gebiet aufgreift und verstärkt“, sagte Wilde. Ein erster Schritt sei die Erstellung eines Biotopkatasters, das einen Überblick darüber herstelle, was überhaupt vorhanden sei. Besondere Berücksichtigung müssten dabei Flächen in öffentlicher Hand finden, Wilde forderte aber dazu auf, grundsätzlicher zu denken und zum Beispiel auch wieder mehr Natur in den Gärten zu fördern.

Gesetzlich verankert

Die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, Kirstin Meyer, erläuterte, Wildes Forderung sei bereits gesetzlich verankert. Demnach fordere das Bundesnaturschutzgesetz einen Biotopverbund auf mindestens zehn Prozent der Fläche und landesweit gebe es bereits eine Biotopverbundplanung. Bis 2020, wenn das regionale Raumordnungsprogramm für den Landkreis Emsland neu erstellt werde, müsse man auch auf regionaler Ebene ein Konzept für die Verbindung der verschiedenen Lebensräume erarbeiten, sagte Meyer.

Im Emsland habe man bereits 10,8 Prozent der Kreisfläche unter Schutz gestellt, allerdings fehlten Trittsteinbiotope und verbindende Elemente zwischen diesen Gebieten. Als solche könnten hauptsächlich Gewässer und Wegerandstreifen dienen. Die Gewässer müssten entsprechend der Wasserrahmenrichtlinie der EU ohnehin ökologisch aufgewertet werden und dabei sei das Emsland auch schon vielfach erfolgreich gewesen.

Der Umweltausschuss folgte der Verwaltung per Beschlussvorschlag in ihrem Vorhaben, die vorhandenen Biotope in einem Kataster zu erfassen und die Vernetzung der Lebensräume zu intensivieren. Die Ergebnisse sollen 2020 in das neue LROP einfließen. Der Beschlussvorschlag folgte sinngemäß weitgehend dem Vorschlag der SPD.

Dass dieser wie vorgetragen historisch sei, wollte Kreisbaurat Dirk Kopmeyer allerdings nicht gelten lassen. „Wir haben schon bisher viel getan“, betonte er. „Wir waren nicht untätig.“