Fluss soll renaturiert werden Bald mehr Freiheit für die Nordradde

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Meppen. Die Nordradde ist ökologisch gesehen eine Art Pflegefall: 16 Prozent ihrer ursprünglichen Länge hat sie bei ihrer Begradigung Ende der 1970er Jahre verloren. Nun soll sich Vieles zum Guten wenden – die Renaturierung in Teilbereichen steht an.

Hintergrund des Vorhabens sei die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), sagte die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, Kirstin Meyer dem Kreisumweltausschuss. Diese Richtlinie fordere europaweit, Gewässer wieder in einen ökologisch guten Zustand zu versetzen. Die Nordradde ist heute 32,5 Kilometer lang. Sie entspringt in Spahnharrenstätte und mündet in Meppen in einen Altarm der Ems.

Im Zuge der Begradigung habe der Fluss nicht nur an Länge verloren, sondern auch alle Auwaldbereiche seien zerstört worden, sagte Meyer. Das Gewässer sei auf weiten Strecken unbeschattet und vielfach gebe es Staustufen, die für wandernde Fischarten ein Hindernis darstellten. Der Gesamtzustand des Gewässers sei laut den Kriterien der WRRL schlecht, das ökologische Potenzial mäßig bis schlecht, der Fluss diene hauptsächlich der Entwässerung.

Aber, und das scheint die gute Nachricht, die Nordradde könne wiederbelebt werden, sagte Meyer. Das Ziel, ein gutes ökologisches Potenzial zu erreichen, könne durch den Rückbau von Staustufen, die Verlängerung des Flusslaufes oder den Bau von Umgehungsrinnen zum Beispiel an der Meppener Herrenmühle, verwirklicht werden.

In öffentlicher Hand

Da sich vor allem am Mittellauf im Bereich Clemenswerth bereits viele anliegende Flächen im Besitz der öffentlichen Hand befänden und das ökologische Potenzial hier mit dem Status „mäßig“ für hiesige Gewässer vergleichsweise gut bewertet worden sei, könne man dort starten. In Meppen bemühe sich die Stadtverwaltung um Fortschritte. Da im Einzugsgebiet der Nordradde noch Flurbereinigungsverfahren liefen, könne eventuell über Flächentausch noch weiteres Potenzial erschlossen werden.

Wichtig sei, dass die Entwässerungsfunktion für die landwirtschaftlichen Flächen erhalten und alles einvernehmlich mit den Anrainern geplant werde. Dabei werde man mit den Kommunen, dem Unterhaltungsverband 100 „Nordradde“ und der Moorverwaltung zusammenarbeiten. Wie teuer die Renaturierung werde, sagte Meyer nicht. Man bemühe sich um Fördermittel und setze ansonsten auf die kreiseigene Naturschutzstiftung.

Konkrete Maßnahmen sollen 2018 in einem Gewässerentwicklungskonzept gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sowie dem Landesfischereiverband erarbeitet und dann der Politik vorgestellt werden. Im Kreishaushalt sind 100.000 Euro für die Planungen veranschlagt.

Der Umweltausschuss stimmte dem Vorhaben zu. Bernhard van der Ahe (CDU) berichtete, die Renaturierung der Mittelradde im Jahr 1989 sei ein einmaliger Erfolg für die Natur gewesen. „Auf freiwilliger Basis haben wir mit den Anliegern damals ganz viel erreicht.“ Auch Jürgen Broer (SPD) lobte den Plan. „Ein gutes Beispiel, was aus einem kaputten Gewässer wieder werden kann, ist die Emscher in Nordrhein-Westfalen. Wenn wir das erreichen können, lohnt es sich allemal.“


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