Besitzer weiter dagegen Neuer Versuch für Hümmling-Waldschutzgebiet

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Nadelbäume dominieren auf dem Hümmling. Foto: Tobias BöckermannNadelbäume dominieren auf dem Hümmling. Foto: Tobias Böckermann

Meppen. Das Verfahren zur Ausweisung eines großen Waldschutzgebietes auf dem Hümmling geht in die entscheidende Phase. Der Umweltausschuss hat sich auch in der Neuauflage des Verfahrens für das bei den Waldbauern umstrittene Vorhaben ausgesprochen. Endgültig entscheiden soll der Kreistag im Februar.

Hintergrund der Schutzgebietsausweisung ist die Gründung des Naturparkes Hümmling. Voraussetzung für dessen Einrichtung ist ein Mindestanteil an Schutzgebieten. 40 Prozent der Naturparkfläche hat das Land Niedersachsen vorgegeben, ohne das Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Waldgebiete auf dem Hümmling“ ist dieser Wert nicht zu erreichen.

Aber vor allem Waldbesitzer und Landwirte haben sich dagegen ausgesprochen. Sie befürchten massiven Wertverlust ihrer Flächen oder Einschränkungen ihrer Waldwirtschaft. Eine erste Schutzgebietsverordnung brachten sie 2017 vor Gericht zu Fall – allerdings nicht wegen inhaltlicher Mängel, sondern wegen eines Formfehlers. Die Kreisverwaltung hatte die Schutzgebietskarten für das jetzt 12149 Hektar große Gebiet in einem falschen Maßstab veröffentlicht.

Neustart

Ende November hatte die Verwaltung das Schutzgebietsverfahren deshalb erneut gestartet – denn „inhaltlich haben wir keinen Zweifel an Sinn und Zweck“, sagte Kreisbaurat Dirk Kopmeyer jetzt. Man habe einige inhaltliche Änderungen vorgenommen, mit denen man den Waldbesitzern entgegenkomme.

So habe man ausdrücklich die „nachhaltige Nutzungsfähigkeit der Wälder“ festgeschrieben, man habe festgelegt, dass nicht nur Laubwälder gefördert werden sollten, sondern auch multifunktionale Mischwälder. Außerdem seien Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen „im Einvernehmen mit dem Eigentümer“ vorzunehmen.

Keine Änderung gebe es dagegen trotz anderslautender Forderungen beim Begriff des historischen Waldstandortes“ – die Waldbesitzer hatten argumentiert, der jetzt vorhandene Wald sei nicht historisch gewachsen, sondern ein moderner Nutzwald mit Baumarten, die natürlicherweise zum Teil nicht vorkämen. „Das sehen wir aufgrund von historischen Karten anders“, sagte Kopmeyer.

Nicht gebietsfremd

Er stellte klar, dass die derzeit genutzten Baumarten nicht als gebietsfremd angesehen würden und weiter verwendet werden dürften. Auf Antrag könnten unter Umständen auch weitere Baumarten gepflanzt werden. Nicht erlauben will der Landkreis das Errichten von Windrädern im Wald und auch der Forderung eines Landwirtes aus Sögel, zu seinem Hof 500 Meter Abstand zu halten, könne man nicht nachgeben. „Dann können wir das Schutzgebiet vergessen, weil jeder diesen Abstand fordert.“

Außerdem habe das Schutzgebiet auf angrenzende landwirtschaftliche Nutzflächen oder Höfe keine Auswirkung. Bei konkreten Vorhaben der Kommunen könne man kleine Teilflächen unter Umständen aus dem LSG löschen – so wie nun konkret für eine einen Hektar kleine Teilfläche in Sögel vorgesehen. Insgesamt hatte es 124 Stellungnahmen gegeben.

Drei dagegen

Der Umweltausschuss diskutierte engagiert. Während sich Reinhard Kurlemann und Georg Raming-Freesen (CDU), Klaus Fleer (SPD) und Carsten Keetz (Grüne) eindeutig dafür aussprachen und „keine nennenswerten Nachteile für die Waldbesitzer und Landwirte“ erkennen konnten, sah das Tobias Kemper (FDP) anders. Er monierte: „Wir schützen alles und jeden, aber nicht das Eigentum“.

Hermann Meyer (UWG) fragte sich, wie man die Energiewende schaffen wolle ohne weitere Windräder und bemängelte, das LSG diene nicht der Natur sondern dem Tourismus. Außerdem stimme die Kartengrundlage nicht. Hartmut Krüger (AFD) sprach von einem Alibi-Schutzgebiet und befürchtete Massentourismus im Wald.

Der Ausschuss stimmte bei drei Gegenstimmen dem Vorhaben zu. Es wird am 19. Februar abschließend im Kreistag beraten. Einige Waldbesitzer kritisierten das Vorhaben erneut heftig. Trotz einiger Verbesserungen des Verordnungstextes fürchte man weiter Wertverlust und Restriktionen. „Der Naturpark steht auf wackeligen Füßen“, hieß es.


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