Verfahren in Meppen eingestellt Statt Verurteilung Verdacht auf Falschaussage

Von Gerd Albers

Das Amtsgericht Meppen hat einen 30-jährigen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Symbolfoto: Michael GründelDas Amtsgericht Meppen hat einen 30-jährigen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Symbolfoto: Michael Gründel

ga Meppen. Das Amtsgericht Meppen hat einen 30-jährigen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen.

Die Anklage hatte dem Türsteher einer Meppener Diskothek zur Last gelegt, einen Gast mit der flachen Hand an den Kopf geschlagen und mit dem beschuhten Fuß in die Rippen getreten zu haben. Das Opfer erlitt demnach mehrere Rippenbrüche und ein geplatztes Trommelfell. Der Geschädigte war 16 Tage krankgeschrieben und hat heute noch eine Beeinträchtigung des Gehörs.

Sachlich und nüchtern schilderte der Angeklagte den Vorfall in der Großraum-Disco. Nachdem ein Alarm im Studio der Disco ausgelöst worden war, sei er mit einem weiteren Kollegen zum Einsatzort gelaufen. Vor Ort sahen sie, dass mehrere Personen in eine Rangelei verwickelt waren. Sie seien dazwischen gegangen und hätten die „Kampfhähne“ getrennt. Er habe das mutmaßliche Opfer in den „Schwitzkasten“ genommen und zum Ausgang verbracht.

Dieses habe auf dem Weg zum Ausgang sich bei ihm und seinen Kollegen entschuldigt und eingeräumt, dass er sich falsch verhalten habe. Widerstand habe er keinen geleistet. Ihm wurde gestattet seine Jacke zu holen und seine Zeche zu zahlen. Er, der Angeklagte, habe das Opfer weder geschlagen noch mit dem Fuß in die Rippen getreten.

Das Opfer, ein 19-jähriger Metallarbeiter, erkannte den Angeklagten als den Türsteher wieder, der ihn geschlagen und getreten haben soll. Er und seine Kollegen seien in das Studio gekommen, um dort zu feiern und tanzen. Ein anderer Gast habe ihn und seine Freunde mit Bier bespritzt . Dies habe er unterbinden wollen und sei zu dem Mann gegangen. Zunächst habe man diskutiert, bevor es dann zu einem Handgemenge zwischen ihm und den Verursachern gekommen sei. Plötzlich sei er von dem Angeklagten weggezogen worden, wobei dieser ihm sein T-Shirt zerriss. Kurz darauf erhielt er von ihm eine Ohrfeige aufs Ohr und einen Tritt gegen die Rippen. Danach habe man ihn zu Ausgang befördert.

„Ziemlich kaputt“

Er sei danach ziemlich „kaputt“ gewesen. Sein Ohr und seine Rippen hätten stark geschmerzt . Am nächsten Tag habe er sich in ärztliche Behandlung begeben und bei der Polizei eine Anzeige erstattet. Zwei Freunde des Verletzten wurden als Zeugen gehört. Sie behaupteten, den Angeklagten wiederzuerkennen. Sie hätten gesehen, wie der Angeklagte das Opfer, ihren Freund, ins Gesicht geschlagen und ihm mit dem Fuß in die Rippen getreten habe.

Bei Nachfragen des Richters und des Verteidigers zur Präzisierung des Tatgeschehens kamen die beiden Zeugen sichtlich ins Schwitzen. Hatte der eine Zeuge zunächst noch gesehen, dass ihr Freund getreten und geschlagen wurde, so relativierte er seine Aussage dahingehend, nur den Schlag an den Kopf gesehen zu haben. Den Tritt habe er nicht gesehen. Ihm war durch die Befragung des Richters klar geworden, dass er eine sehr begrenzte Sicht auf das Tatgeschehen gehabt haben musste.

Der zweite Zeuge behauptete, er habe den Schlag und den Tritt genau gesehen und auch beobachtet, wie das Opfer zu Boden gegangen sei. Dies hat zuvor niemand ausgesagt. Auch musste er einräumen, dass er es nicht mehr genau wisse, ob sein Freund zu Boden gegangen sei. Weitere Fragen vom Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidiger zum äußeren Tatgeschehen, wurden von den beiden Zeugen derart abweichend beantwortet, dass der Eindruck entstand, dass die drei sich abgesprochen hatten.

Dieser Eindruck verstärkte sich noch, als weitere Zeugen des Sicherheitsdienstes und Angestellte der Disco aussagten. Alle bestätigten, dass sie weder Faustschläge noch Tritte der einschreitenden Türsteher gesehen hatten. Damit wurde deutlich, dass die Anklage nicht aufrecht erhalten werden konnte.

Folgerichtig plädierte die Staatsanwältin auf Freispruch. Sie behielt sich vor, ein Verfahren gegen die Freunde wegen Falschaussage einzuleiten. So besteht die Möglichkeit, dass auf die drei Zeugen noch ein Strafverfahren zukommt. Der Verteidiger sah ebenfalls den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung als nicht erwiesen an. Der Richter sprach danach den Angeklagten vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei. Die Kosten des Verfahrens muss die Staatskasse tragen.