Direkt an die Autobahn? Debatte um Stromtrasse durchs Emsland geht weiter

Von Tobias Böckermann

Den Aufbau eines Kabelgrabens für die Stromautobahn durch das Emsland stellte Amprion-Projektleiter Klaus Wewering Mitte Januar 2018 vor. Foto: Tobias BöckermannDen Aufbau eines Kabelgrabens für die Stromautobahn durch das Emsland stellte Amprion-Projektleiter Klaus Wewering Mitte Januar 2018 vor. Foto: Tobias Böckermann

Meppen. Die Trassenführung für die geplante Gleichstromleitung A-Nord war Thema im Ausschuss für Kreisentwicklung. Dabei wurde deutlich, dass viele Gemeinden mit dem Vorschlag des Stromnetzbetreibers Amprion nicht einverstanden sind. Kreisbaurat Dirk Kopmeyer berichtete, die Verlegung der Trasse direkt an die Autobahn werde weiter geprüft.

Mitte Januar hatte Amprion nach langwieriger Prüfung seine Vorzugstrasse vorgestellt: sie bietet nach Einschätzung der Planer die geringsten Raumwiderstände, ist also im Vergleich zu anderen geprüften Trassen am verträglichsten. Außerdem haben die Planer eine zweite, etwas schlechter bewertete Alternative vorgestellt – beide führen am äußeren westlichen Rand des Landkreises entlang und liegen damit zu einem erheblichen Teil in der Nähe der ebenfalls in Planung befindlichen 380-kV-Freilandleitung.

A-Nord wird im Gegensatz zu dieser nicht an Masten aufgehängt, sondern in die Erde gelegt und bietet damit zunächst weniger Eingriffe in das Landschaftsbild. Dennoch sind die Einschränkungen für einige Kommunen erheblich, da die Trasse später nicht bebaut werden darf und so zum Beispiel Gewerbegebieten entgegensteht.

Gleichzeitig müssen andere „Raumwiderstände“ wie Naturschutzgebiete oder Siedlungen so weit wie möglich geschont werden, so dass den Planern nach eigenen Angaben nicht allzu viel Freiraum bei der Linienführung blieb.

Dennoch habe man die Forderung von Kreisverwaltung, Städten und Gemeinden aufgenommen und eine Parallelführung entlang der A31 erarbeitet, bei der Naturschutzgebiete aufgrund rechtlicher Vorgaben vermieden werden mussten, Gewerbegebiete oder als solche geplante Flächen aber durchschnitten wurden. Damit seien Haren, Meppen, Twist und Geeste aber nicht einverstanden gewesen, heißt es in einem Schreiben von Amprion.

Prüfung läuft

Nun prüfe man deshalb ebenfalls auf Bitten der Kommunen, ob die Verlegung der Trasse in der bis zu 40 Meter breiten Baubeschränkungs- und 20 Meter breiten Bauverbotszone stärker entlang der Autobahn 31 möglich sei, da diese Straße selbst schon eine die Landschaft zerschneidende Wirkung besitze und ein Bündelungsgebot für derartige Strukturen bestehe. Zudem seien hier die geringsten Betroffenheiten zu erwarten.

(Weiterlesen: Lathens Bürgermeister kritisiert Erdkabeltrasse von Amprion)

„Amprion erstellt hierzu eine weitere Machbarkeitsstudie“, sagte Kreisbaurat Dirk Kopmeyer im Ausschuss. Ergebnisse seien in absehbarer Zeit zu erwarten. Allerdings geht Amprion davon aus, dass unter anderem die Autobahnüberschreitenden Naturschutzgebiete (Rühler Moor, Geestmoor) Probleme bereiten könnten.

Für Dieter Rothlübbers (CDU) stand fest, dass nur eine Linienführung entlang der Autobahn Akzeptanz finden könne, zumal mit der 380-kV-Leitung weitere Belastungen auf die Region zukämen. Das sah Andrea Kötter (SPD) genauso und beklagte, die Durchleitungsgemeinden trügen unverhältnismäßig die Kosten der Energiewende. Die geplante Trasse sei jedenfalls für Meppen nicht verträglich.

Weitere Trassen?

Birgit Kemmer (Grüne) forderte schnellere Klarheit bei der Energiewende, da ansonsten an den Küsten Strom erzeugt werde, der nicht abzutransportieren sei. Heiner Reinert (CDU) warf die Frage auf, warum man angesichts zweier weiterer möglicher geplanter Trassen nicht einen einheitlichen Korridor für alle Vorhaben planen und errichten könne.

a:2:{s:7:"default";s:0:"";s:36:"54f2646b-9811-40f2-8914-358effc80664";s:0:"";}

Tatsächlich sei nicht klar, was noch kommen werde, sagte Dirk Kopmeyer. Sicher sei, dass weitere Stromautobahnen, so sie den bald vorhandenen Trassen zugeschlagen werden sollten, deren Korridore erheblich verbreitern würden.