Halbjahresbilanz des Freiwilligenjahrs Meppenerin lernt in Ghana, spontan zu sein

Von Konstantin Stumpe

Über das Bistum Osnabrück macht Lisa Wenzel ein Auslandjahr in Ghana. Dort bringt sie Kindern Englisch bei. Foto: WenzelÜber das Bistum Osnabrück macht Lisa Wenzel ein Auslandjahr in Ghana. Dort bringt sie Kindern Englisch bei. Foto: Wenzel

Meppen. Seit August 2017 ist die inzwischen 19-jährige Lisa Wenzel im Freiwilligendienst für das Bistum Osnabrück in Ghana tätig. Damals berichtete die Meppenerin von großer Vorfreude auf das Jahr, äußerte aber auch Bedenken. Für uns zieht sie eine Halbzeitbilanz.

Lisa lebt in Appiadu, einem Randgebiet östlich der 2,5-Millionen-Einwohner-Stadt Kumasi. Dort wohnt sie im ICARD, dem Institut für Katechese und ländliche Entwicklung, bei dem Geistlichen Father Tony, der jedes Jahr Freiwilligendienstler bei sich aufnimmt. Zu dem Gelände gehört ein privates College, auf dem angehende Lehrer ihre Ausbildung machen, sowie eine Farm.

Dort steht auch ein kleines Haus, in dem sie zusammen mit Father Tony und Jannis, einem weiteren Freiwilligendienstler, lebt. „Wir sind wie eine kleine Familie“, erzählt die 19-Jährige. „Tony kümmert sich um uns, als wären wir seine eigenen Kinder.“ Das habe ihr gerade am Anfang sehr geholfen. Worauf sie sich aber habe einstellen müssen: „Wir haben öfter mal Stromausfälle, oder es ist mal ein paar Stunden kein fließendes Wasser da.“

Wunsch verwirklicht

Ein erklärtes Ziel war für Lisa auch, den Alltagstrott zu durchbrechen. „Das hat tatsächlich gut geklappt. Es ist hier einfach wie eine ganz andere Welt für mich. Wie ein neues Leben.“ Zwar habe sie inzwischen auch wieder einen gewohnten Alltag, das sei für sie aber ein Zeichen dafür, angekommen zu sein. „Es ist nicht mehr alles nur noch neu und aufregend. Daran habe ich gemerkt: Jetzt bist du da, jetzt bist du angekommen.“ Den Alltag in Ghana bezeichnet Lisa aber ausdrücklich nicht als Trott.

Ängste nur teilweise begründet

Die Ängste und Zweifel, die Lisa vor dem Antritt ihrer Reise gehabt hat, waren nur teilweise begründet. Natürlich habe sie am Anfang ein paar Zweifel und Unsicherheiten gehabt, zum Beispiel, „ob ich gut reinkomme und Anschluss finden werde. Diese Ängste waren am Anfang auch begründet“, gesteht sie. „Ich war neu und fremd und wusste nicht, wie ich mich verhalten muss.“ Aber das sei kein Dauerzustand gewesen. Nur in den ersten Tagen, vielleicht Wochen, sei sie auf die Hilfe der anderen angewiesen gewesen. „Aber die herzliche Art der Leute hat mir direkt sehr, sehr viele Ängste genommen.“

Mentalität gewöhnungsbedürftig

Die Angst vor Überfällen sei gar nicht begründet gewesen. Lisa empfindet Ghana bislang als eines der friedliebendsten Länder der Welt. „Ich hatte nie das Gefühl, dass mir etwas passieren könnte, als ich allein unterwegs war. Wenn ich mich verlaufen hatte, sind die Leute teilweise so lange mit mir gegangen, bis ich am Ziel war.“

(Weiterlesen: Rüt´n Rock Haren startet CD-Hilfsprojekt für Ghana)

Dennoch falle ihr so manches Mal die Mentalität der Menschen schwer. „Spontanität ist hier das Motto“, sagt Wenzel lachend. Das liege aber vielleicht auch an ihr selbst. Schon immer sei sie sehr strukturiert gewesen und möge es zu wissen, „wann was passiert“. Sie habe jedoch festgestellt, dass man sich darauf einlassen muss. „Dann passiert immer mal wieder etwas Lustiges. Es ist auch einfach schön, mal nicht zu wissen, was kommt.“ Daraus lerne sie, mal etwas flexibler zu sein. „Das ist vielleicht gar nicht so schlecht.“

Unterricht im Kindergarten

Spontanität hat auch das ICARD bei Lisas Job bewiesen. Statt sie wie angekündigt als Englischlehrerin einzusetzen, arbeitet sie nun im Kindergarten des Instituts. Sie unterstützt zwei Betreuerinnen in ihrer Gruppe mit 40 Kindern von „den ganz Kleinen“.

(Lesen Sie auch: Meppenerin erlebt Mexiko als Land der Gegensätze)

Doch auch dort unterrichtet sie ein wenig, denn die Kinder lernen schon im Kindergarten das ABC und machen die ersten Rechenversuche. Von einem deutschen Kindergarten unterscheide sich der in Appiadu vor allem durch die feste Sitzordnung. Jedes Kind hat einen festen Platz mit Tisch und Stuhl. Die Unterrichtsphasen würden aber immer wieder durch Spiele und Gesang durchbrochen.

„Alles ist so rummelig“

„Das ganze Umfeld ist anders. Der Verkehr ist sehr rummelig“, beschreibt die 19-Jährige. „Überall fahren Motorräder und Autos und Tro-Tros, das sind die Taxis hier, und überall dazwischen laufen Menschen auf den Straßen.“ Es gebe immer was zu sehen. „Als ich hier ankam, war das wirklich eine Reizüberflutung. Man weiß teilweise echt nicht, wo man zuerst hingucken soll.“ Die Menschen tragen bunte Sachen und es wird überall etwas verkauft. Weil alles so anders sei, wünsche sie sich auch jedes Mal, wenn sie ihrer Familie und ihren Freunden von den Erfahrungen erzählt, dass sie bei ihr wären, um alles mit eigenen Augen zu sehen.