Salonorchester Weimar überrascht Hohe Musikalität und Unterhaltung im Theater Meppen

Von Iris Kroehnert


ikr MEPPEN. Eine Überraschung gab es für die Besucher der Veranstaltung des Salonorchesters Weimar im Theater Meppen am Samstagabend: Statt des erwarteten Programms „Berlin – Paris – San Francisco“ mussten sie sich spontan auf „Willkommen im Schlagersalon“ einstellen.

Arnold Terborg von der Theatergemeinde Meppen erklärte den Grund: „Es gab gestern einen Todesfall in der Familie der ersten Geigerin“, entschuldigte er. Doch habe man keineswegs komplett auf die Veranstaltung mit den hochkarätigen Künstlern verzichten wollen. So sei spontan die Programmänderung umgesetzt worden.

So mussten sich die Besucher anstatt der angekündigten kontrastreichen und berührenden Reminiszenz an jüdische Künstler, die während der NS-Herrschaft verfolgt wurden, auf vorrangig deutsche Schlager und Musik aus den UFA-Filmen der 1930er- und 1940er-Jahre einstellen, die eine Ergänzung durch zwei Titel aus den 1950er-Jahren fanden. So gab es dann ein Wiederhören mit Titeln aus der Zeit, als der Tonfilm zum Kassenschlager wurde. Boris Raderschatt versetzte sich stimmlich in Zarah Leander und bot dem Publikum Titel wie „Ich weiß, es wird noch mal ein Wunder gescheh´n“ an oder er schlüpfte in die Rolle von Heinz Rühmann und intonierte „Jawohl meine Herren“.

Unvergessener Heesters

An Johannes Heesters erinnerte Raderschatt nicht nur mit dem Titel „Bel ami“ sondern berichtete auch über die Gala zum 107. Geburtstag des bei vielen unvergessenen Stars, die in Erfurt stattfand – im Beisein von Raderschatt, wie dieser sagte. „Jopi Heesters hatte in jedem Ohr einen Knopf, um im ersten seine eigene Stimme mit kleiner Verzögerung zu hören, so wie das in der Branche üblich ist, und im zweiten Ohr hörte er seine Frau Simone Rethel, die hinter der Bühne saß und ihm den Text für die Bühne vorgab“, erinnerte sich der Frontmann des Salonorchesters Weimar.

Zu den Titeln der 1930er- und 1940er-Jahre gesellten sich zwei Stücke aus den 1950er-Jahren: „Skandal im Harem“, allein dessen Text in der heutigen Zeit ein Skandal wäre und als alles andere als politisch korrekt zu bezeichnen ist, sowie der Song „Ich will keine Schokolade“ mit dem seinerzeit Trude Herr am Schlagerhimmel aufstieg. Ergänzt wurde das Programm durch Einlagen, wie „Bruchstücke Nummer 5 – ein Versuch über Meppen“ oder Klarinettist Klaus Wegener sorgte für eine außergewöhnliche instrumentale Umsetzung von Tönen und Klängen. Dazu suchte Conférencier und Sänger Raderschatt immer wieder erfolgreich die Nähe zum Publikum sowie zu seinen fünf Ensemblemitgliedern.

Großes Können

Das Salonorchester Weimar steht zu recht für eine hohe Musikalität und ein großes Können seiner Mitglieder. Der Abend begeisterte durch eine lockere und entspannte Atmosphäre und die Musiktitel konnten den Alltag vergessen machen. Aber Letzteres sollten sie ja bereits schon zu UFA-Zeiten, als die Unterhaltung eine politische Funktion hatte, und als sich die Menschen in Deutschland kleine Fluchten aus einem wenig lebenswerten Alltag wünschten. Wer sich im Publikum hier auch nur ein wenig Kritik erhofft hatte, war fehl am Platz. Geboten wurde reine Unterhaltung. Somit dürften mindestens alle, die sich wegen der angekündigten kontrastreichen und berührenden Reminiszenz an jüdische Künstler eine Karte gekauft hatten, doch einigermaßen vom Abend enttäuscht gewesen sein.