„Legitim, ob man’s toll findet oder nicht“ SPD-Neumitgliederwelle in Meppen übertrifft Schulz-Effekt

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44 neue Mitglieder im Emsland und der Grafschaft Bentheim erhielten seit dem Aufruf der Jusos „Tritt ein, sag nein!“ ein Parteibuch. Symbolfoto: Bernd Thissen/dpa44 neue Mitglieder im Emsland und der Grafschaft Bentheim erhielten seit dem Aufruf der Jusos „Tritt ein, sag nein!“ ein Parteibuch. Symbolfoto: Bernd Thissen/dpa

Meppen. Die SPD wird in diesen Tagen von einer Eintrittswelle überrollt – auch in Meppen. Begründet liegt diese wohl in der Juso-Kampagne „Tritt ein, sag nein!“. Mit diesem Slogan werben die Jungsozialisten in der SPD um neue Mitglieder, um bei der Befragung über eine Koalition aus Union und SPD eine Mehrheit dagegen zu mobilisieren.

„Mehr, viel, viel mehr Mitglieder als gewöhnlich“, sind in den vergangenen Wochen in die SPD im Landkreis Emsland eingetreten, erklärt Carsten Primke von der Meppener Geschäftsstelle der SPD Emsland im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Geschäftsstelle der SPD in Meppen lägen seit dem Sonderparteitag der SPD am Sonntag, 21. Januar 2018, 44 Neuanmeldungen für den Landkreis Emsland und die Grafschaft Bentheim vor (Stand: 31. Januar).

Sechs Neue in Meppen

Zum Vergleich: „Es gab zwei Wellen an Mitgliederzuwächsen im vergangenen Jahr – nachdem Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten ernannt wurde und nach der Bundestagswahl. Die jetzige Welle ist noch höher“, sagt Primke. Täglich kämen etwa drei Mitglieder hinzu. Johannes Hessel, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Meppen, berichtet auf Nachfrage unserer Redaktion von sechs neuen Mitglieder im Ortsverein Meppen (Stand: 29. Januar).

Der Meppener Geschäftsstelle waren aufgrund des Schulz-Effekts sogar die Parteibücher ausgegangen. Innerhalb eines Monats traten damals knapp 40 neue Mitglieder ein.

Neumitglieder stimmen auch ab

Auf einen erneuten Ansturm war die SPD-Geschäftsstelle in Meppen nun vorbereitet. Denn das Ziel der Juso-Kampagne lautet: Eine Mehrheit der 440.000 Sozialdemokraten mit Parteibuch soll den bevorstehenden Koalitionsvertrag mit CDU/CSU ablehnen. Nun ist klar, dass die Neumitglieder auch am Votum über ein erneutes Regierungsbündnis mit der Union teilnehmen dürfen. Am Montag legte der SPD-Parteivorstand den Stichtag für Neumitglieder auf den 6. Februar, 18 Uhr, fest.

Nicht alle Neuen dagegen

Eine besondere Prüfung müssen die neuen Mitglieder angesichts des Risikos, dass sie nur für die Abstimmung eintreten und anschließend schnell wieder austreten, nicht über sich ergehen lassen. Andrea Kötter, Kreisvorstand der SPD Emsland, erklärt, grundsätzlich gebe es zwar die Vorgabe, dass ein Ortsverein die neuen Mitglieder vor der Aufnahme prüft, eine Untersuchung gemäß der tieferliegenden Gesinnung werde jedoch nicht vorgenommen. „Unter den neuen Mitgliedern sind nicht unbedingt nur die jungen Gegner der GroKo“, sagt Kötter. Alle Altersklassen seien unter den Neuzugängen vertreten.

Spalten Jusos die SPD?

Auf die Frage, ob die Aktion der Jusos nicht zu einer Spaltung der SPD führe, erklärt Kötter: „Grundsätzlich ist die Aktion legitim, ob man es toll findet oder nicht.“ Sie ist der Auffassung, dass es in der SPD derzeit durchaus die ganze Bandbreite an Meinungen gebe. Sie hoffe jedoch, dass alle Mitglieder das Ergebnis akzeptieren, egal wie es ausfällt, um die Partei gemeinsam wieder zur alten Stärke zurückzuführen.

Diffuses Bild

Eine Prognose über das Ergebnis der Mitgliederbefragung wagte Kötter nicht abzugeben. „Es ist ein diffuses Bild. Es bleibt spannend“, sagte die Kreisverbandsvorsitzende. Am Ende komme es wohl auf die Meinung der großen schweigenden Masse an. Kötter selbst wolle die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen abwarten, bevor sie sich für eine Seite festlegt.

Ein Statement eines Juso-Verantwortlichen aus dem Emsland blieb unserer Redaktion verwehrt. Mehrmalige Anfragen blieben unbeantwortet.


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