Carina Teutenberg über Verleihung und Pläne Fernsehpreisträgerin aus Meppen recherchiert für Dreharbeiten im Emsland

Von Carola Alge

Strahlend bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises: Die gebürtige Meppenerin Carina Teutenberg (links), Moderatorin Barbara Schöneberger und Kabarettist und Moderator des Politiker-Checks Abdelkarim. Foto: P. WollerStrahlend bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises: Die gebürtige Meppenerin Carina Teutenberg (links), Moderatorin Barbara Schöneberger und Kabarettist und Moderator des Politiker-Checks Abdelkarim. Foto: P. Woller

Meppen. Die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises ist eins der Events der Branche. Bei der aktuellen Auflage in Köln war eine Meppenerin mit von der Partie: Carina Teutenberg. Sie gewann die Trophäe in der Kategorie beste Informationssendung des Jahres.

„Endlich Klartext – Der große RTL II Politiker Check“, heißt das Format, das den Fernsehpreis holte. Produziert wurde das Format vom BüroBerlin der Doclights GmbH und der Riverside Entertainment GmbH für RTL II – unter der Federführung von Carina Teutenberg. Was eine Woche nach der Verleihung so los ist, wo der Preis steht, wie sie den Abend erlebt hat und was sie mit Meppen verbindet, darüber sprach die 40-Jährige im Interview mit unserer Redaktion.

Frau Teutenberg, Ihre Produktion „Endlich Klartext – Der große RTL II Politiker Check“ ist (am vergangenen Freitagabend in Köln) in der Kategorie „Beste Information“ mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet worden. Was war das für ein Gefühl?

Wir haben uns wirklich riesig gefreut. Im Gegensatz zu vielen anderen Formaten im deutschen Fernsehen ist „Endlich Klartext“ kein fertig entwickeltes, internationales Lizenzformat, das in anderen Ländern schon erfolgreich gelaufen ist. Es gab für uns keine Vorlage. Alles ist bei uns im Team und in der Zusammenarbeit mit dem Chefredakteur von RTL II Matthias Walter entstanden, ausgedacht und umgesetzt worden. Dass diese Arbeit dann tatsächlich mit dem Deutschen Fernsehpreis belohnt wird, ist einfach toll. Ich muss zugeben, ich war während der Preisverleihung ganz schön nervös. Als unsere Sendung dann als Gewinner genannt wurde, fiel schlagartig die Anspannung ab. Ich freue mich noch immer, dass die Verantwortlichen bei RTL II den Mut hatten, uns diese Sendung machen zu lassen.

Hatten Sie insgeheim mit einem Preis gerechnet?

Dass eine Sendung bei RTL II, einem Sender, der nun wahrlich nicht für seine Informationsprogramme bekannt ist, für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Information“ nominiert ist, war schon eine kleine Sensation. Ich habe natürlich gehofft, dass wir den Preis bekommen. Damit gerechnet habe ich ehrlich nicht.

Wie kamen Sie auf die Idee, in der Reihe Kabarettist Abdelkarim mit sechs Politikern auf eine kleine Reise zu schicken?

Der erste Gedanke ist bei einem kreativen Meeting mit Matthias Walter entstanden. Unser Team im BüroBerlin hat sich dann an die Arbeit gemacht und aus einem ersten Gedanken eine Sendung konzipiert. Wir wollten eine Sendung zur Bundestagswahl machen, die zum Sender passt und die Zuschauer interessiert. Unser Ziel war es, politische Information unterhaltsam und frisch zu verpacken. Dafür war Abdelkarim die denkbar beste Besetzung. Es ist toll, wie er mit viel Humor durch die Sendung führt, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.

Apropos Politiker. Wie sehen Sie den Koalitionsfindungs-Dauermarathon seit der Bundestagswahl in Berlin?

Die momentan geschäftsführende Regierung ist nur eingeschränkt handlungsfähig. Daran wird sich wohl erst dann etwas ändern, wenn eine neue, stabile Regierung steht. Sowohl mit Blick auf die Rolle Deutschlands in Europa als auch auf das zunehmend geringer werdende Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Politik hoffe ich, dass der Koalitionsfindungs-Dauermarathon bald ein Ende findet.

Bei der Verleihung des Fernsehpreises standen Sie mit Barbara Schöneberger auf der Bühne. Es gibt ein Foto von Ihnen beiden, bei dem Sie um die Wette strahlen. Wissen Sie noch, was Sie in dem Moment gesagt hatten?

Ja! Barbara Schöneberger hatte uns auf der Bühne mit den Worten empfangen: „Die kommen von RTL II und haben trotzdem was an“. Eine gelungene Anspielung auf ein anderes Format bei RTL II.

Wo steht der Preis jetzt?

Der steht bei uns im Büro. Schließlich habe ich den Preis nur stellvertretend für das ganze Team entgegengenommen. So haben jetzt alle was davon.

Wie groß ist der Rummel um Sie seit Freitag?

Ich habe sehr viel positive Resonanz aus dem Kollegen- und Freundeskreis auf die Auszeichnung bekommen. Das ist toll. Und natürlich stoßen wir mit dem ganzen Team ordentlich auf den Fernsehpreis an.

Wie waren die Reaktionen aus Ihrer Heimat Meppen?

Meine Eltern sind natürlich stolz, wenn auch etwas enttäuscht, dass die Verleihung nicht mehr im Fernsehen ausgestrahlt wird. Von meinen Freundinnen und Freunden aus der Schulzeit habe ich einige sehr herzliche Glückwünsche per Mail, Facebook oder Whatsapp bekommen.

Vor ein paar Jahren waren Sie mehrfach in Meppen, als Ihr Mann Oliver Jahn den Film „Die Eisbombe“ drehte. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Es war schön, dass Oliver den Film in meiner Heimatstadt gedreht hat. Wir haben dort sehr viel Unterstützung erfahren, und einige Meppener haben ja sogar mitgespielt. Gerne erinnere ich mich auch an die Premiere des Films im Kino in Meppen. Ich hatte den Eindruck, viele Meppener empfanden den Film zu Recht auch ein ganz kleines bisschen als ihren Film.

Wäre für Sie eine Fernsehproduktion in Meppen, im Emsland in näherer Zukunft denkbar?

Aber klar. Tatsächlich bin ich gerade in Recherchen für Dreharbeiten zu einer neuen Fernsehsendung im Emsland. Mehr darf aber noch nicht verraten werden …

Bevor Sie als Reporterin und Moderatorin arbeiteten, studierten Sie Betriebswirtschaftslehre, Psychologie und Publizistik in Berlin. Was raten Sie jungen Leuten, die Journalist werden wollen?

Das Gute an dem Beruf der Journalistin ist, dass viele verschiedene Wege zum Erfolg führen können. Heißt: Man muss nicht unbedingt eine Journalistenschule besuchen oder Publizistik studieren. Eine akademische Ausbildung ist sicher gut. Ganz wichtig ist es, möglichst viel praktische Erfahrung zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und sich mutig auszuprobieren. Das geht über das Medium Internet ganz wunderbar – auch ohne gleich Mitglied einer großen Redaktion zu sein.

Wie sinnvoll ist es zum Beispiel, sich in einer Lokalredaktion „auszuprobieren“?

Sehr sinnvoll. Darüber hinaus halte ich es gerade für junge angehende Journalistinnen für essenziell, sich möglichst breit aufzustellen. Print, TV und Online – wobei der Fokus sicher auf Letzterem liegen sollte.

Innovatives begleitet Ihren Berufsweg. Mit dem Programm „Deine Chance“ entwickelten Sie eine der erfolgreichsten Daytime-Sendungen des Jahres 2007. In welche Richtung geht es für Sie journalistisch?

Seit zwei Jahren leite ich das BüroBerlin der Firmen doclights GmbH und Riverside Entertainment. Mein Team und ich entwickeln und produzieren Polit-Formate wie das ZDF-Talkmagazin „Dunja Hayali“, Infotainment wie „Endlich Klartext“ oder auch Factual-Entertainment-Formate für öffentlich-rechtliche und private Sender. Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Polit-Talk und Reportagen, zwischen Doku-Soap und Dokumentation. Die erfolgreiche Arbeit des BüroBerlin weiter auf- und auszubauen ist die Richtung, in die ich als Produzentin weitergehen möchte.