Landwirte diskutieren in Meppen Das Emsland soll aufblühen

Von Matthias Engelken

Unter dem Motto „Das Emsland blüht auf“ standen am Samstag Katrin Schnelker und Lucia Dörtelmann sowie ihre Berufskollegen auf dem Meppener Wochenmarkt und luden zum Gespräch über die Landwirtschaft ein. Foto: EngelkenUnter dem Motto „Das Emsland blüht auf“ standen am Samstag Katrin Schnelker und Lucia Dörtelmann sowie ihre Berufskollegen auf dem Meppener Wochenmarkt und luden zum Gespräch über die Landwirtschaft ein. Foto: Engelken

Meppen. Seit Freitag läuft in Berlin die Internationale Grüne Woche. Während dort Aussteller ihre landwirtschaftlichen Produkte anbieten, suchen in vielen Städten Deutschlands Landwirte den Kontakt zu Verbrauchern. So auch am Samstag auf dem Meppener Wochenmarkt.

Kaum zu übersehen war der Stand der Landwirte auf dem Wochenmarkt am Samstagvormittag. Unweit des Meppener Rathauses haben vor allem junge Vertreter der grünen Branche ihr Zelt positioniert, ein roter Trecker fällt ins Auge. Anders als in den zurückliegenden Jahren wollten die Landwirte in der gesamten Republik keine zentrale Kundgebung in Berlin geben, sondern setzten auf regionale Aktionen.

Unter dem Motto „Deutschland blüht auf!“ standen deshalb junge Bauern auch in der Kreisstadt und suchten das Gespräch zu Verbrauchern. „Wir wollen offen und ehrlich die Fragen der Menschen beantworten“, sagte Lucia Dörtelmann. Die Lähdenerin ist Landwirtschaftsmeisterin und übernimmt bald den elterlichen Betrieb. Aus ihrem Umfeld weiß sie um die Fragen zur Agrarwirtschaft. Tierskandale, Überdüngung, hoher Glyphosatverbrauch, all das sind Themen, mit denen sie täglich konfrontiert wird. „In den Medien wird unsere Seite aber kaum betrachtet“, meinte sie. Dabei möchte Dörtelmann ihr Tun gern erklären und zeigen, dass sowohl in Sachen Tierwohl als auch in Flächenschutz derzeit viel getan werde, etwa der Verzicht auf die Anbindehaltung von Rindern oder neue „Wellnesslösungen“ in der Sauenhaltung.

„Ob auf unseren Äckern als auch in unseren Ställen, wir bemühen uns immer nachhaltig zu arbeiten“, meinte auch Katrin Schnelker. Auch sie übernimmt den elterlichen Betrieb in Herzlake und hat in ihrer Ausbildung gelernt, offen mit Kritik umzugehen. „Nur bei bester Hege und Pflege gedeihen die Tiere, nur eine nachhaltige Flächenbewirtschaftung sichert auch meine Zukunft und die der nachfolgenden Generation“, erläuterte sie kritischen Passanten.

Thema Bienensterben

Auch das Thema Bienensterben sparten die Bauern nicht aus. „Landwirtschaft wird häufig als Alleinsünder dargestellt. Wir möchten aber zeigen, dass uns das Wohl der Insekten am Herzen liegt und wir uns für den Erhalt der Insektenvielfalt einsetzen“, deutete Jens Schlangen aus Westerloh auf ein großes Plakat, das Blühstreifen am Feldrand zeigte. Gerade diese Blühstreifen seien sichtbares Zeichen für die ergriffenen Naturschutzmaßnahmen. Doch zukünftig wollen seine Mitstreiter und er noch mehr blühende Flächen sehen. Allerdings nicht nur auf Äckern, sondern auch in den Gärten vieler Menschen.

Auch deshalb standen die Junglandwirte auf dem Marktplatz, boten eine Bauanleitung für eine Kräuterspirale an, präsentierten ein Bienenquiz und hatten gemeinsam mit dem Bienenzentrum Imme in Haren und der Vereinigung des Emsländischen Landvolkes (VEL) einen Handzettel entwickelt, der für Insektenhotels in den Gärten warb und viele Informationen für die heimische Tierwelt bereit hielt.

„In der heimischen Tierwelt können Insekten auch zu nützlichen Helfern werden, da sie neben dem Bestäuben auch dafür Sorge tragen, dass bestimmte Schädlinge sich nicht weiter auf den Feldern ausbreiten“, war dort unter anderem zu lesen. Tipps für das Anlegen eines Gartens waren ebenso aufgeführt. „Während viele die Landwirtschaft als Insektenvernichter abstempeln, sind vielerorts in den heimischen Gärten kaum noch blühende Pflanzen zu erleben, viele Flächen versiegelt“, meinte Helmut Schwering. Er ist Vorsitzender des Kreisvereins Meppen beim Emsländischen Landvolk und begleitete die jungen Landwirte bei ihren Gesprächen in Meppen.

Ein Dialog sei möglich, meinte er. „Das Feedback bei der Bevölkerung ist äußerst positiv“. Auch deshalb war der Landwirt aus Groß Hesepe überzeugt von der Aktion und hoffte auf viele blühende Orte in diesem Jahr. Denn auch das hatten seine jungen Berufskollegen am Samstag dabei: Viele bunte Blumensamen, die sie den Besuchern mitgaben.