Zahlreiche Rettungseinsätze Sturmtief Friederike zieht über das Emsland hinweg

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Meppen. Viel zu tun hatten Rettungskräfte und Polizei wegen des Sturmtiefs „Friederike“ im Emsland. Im Kreisgebiet gab es mehrere Verkehrsunfälle wegen Böen und umgestürzter Bäume

Schon frühmorgens zogen von Böen begleitete Gewitterschauer über das Emsland hinweg. Aus der Zeit zwischen 6 und 14 Uhr meldet die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim 50 sturmbedingte Einsätze. Darüber hinaus sind neun Verkehrsunfälle gemeldet worden, die auf die Witterungsverhältnisse zurückzuführen sind. Es blieb meistens bei Sachschäden.

35 von insgesamt 54 Ortsfeuerwehren mit einer Einsatzstärke von insgesamt rund 575 Kräften waren im Landkreis Emsland kreisweit im Einsatz, um die Schäden zu beheben. Dabei zählte die Rettungsleitstelle im Landkreis Emsland insgesamt 118 Einsätze wegen umgestürzter Bäume, fünf wegen Sturmschäden an Gebäuden, sechs Mal wurde die Brandmeldeanlage sturmbedingt ausgelöst (keine Brände) und in 20 Fällen drohten Gegenstände zu fallenIn Lingen, Waldstraße, forderte die Feuerwehr Lingen zur Unterstützung bei der Beseitigung der Vielzahl von Sturmschäden (gestürzte Bäume, Astabbrüche) das THW Lingen an.

Die Gesamteinsatzzahl lag bei 420 Einsätzen im Zeitraum 10 bis 15.30 Uhr im Leitstellenverbund der Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim. Darunter neben den Einsätzen der Feuerwehren auch die des Rettungsdienstes und des Krankentransportes. Um die zahlreichen Anrufe in der Leitstelle bewältigen zu können, wurde das Personal aufgestockt: Elf von 12 Einsatzleitplätzen waren besetzt, davon acht Arbeitsplätze im Kreishaus in Meppen.

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In Twist-Schöninghsdorf ist ein Traktorengespann nach einem Zusammenstoß mit einem Pkw von der Fahrbahn der Kreisstraße 202 (Südstraße) abgekommen und in einen Straßengraben gekippt, der Pkw rutschte nach dem Unfall ebenfalls in den Graben.

Auf der Autobahn 31 bei Wesuwe kam ein Transporter von der Fahrbahn ab und kippte auf die Seite. Ein Pkw rutschte in diesem Bereich in die Leitplanken.

Zwischen Emsbüren und Lingen kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Der Anhänger eines Lkw-Gespannes kippte um und blockierte die Fahrbahn. Die Autobahn war in Richtung Oberhausen komplett gesperrt. Auch auf der Gegenseite in Richtung Norden wurde ein Lkw-Gespann vom Wind erfasst. Der Lkw selbst stellte sich quer, wobei der Anhänger auf die Mittelleitplanke kippte. Durch eine weitere Böe richtete sich der Anhänger dann aber ohne menschliches Zutun wieder auf.

Großes Glück hat eine 25-Jährige aus Aschendorf bei einem Unfall auf der Bokeler Straße in Aschendorf gehabt. Sie fuhr gegen 13.15 Uhr in Richtung Ortsausgang, als aus einem Baum aufgrund einer Windböe ein 40 Zentimeter dicker Ast herausbrach und auf ihren Kleinwagen stürzte. Wie die Polizei mitteilt, waren Anwohner sofort zur Stelle und konnten die Frau aus dem Auto befreien. Sie trug lediglich kleine Blessuren am Auge davon und wurde zur Beobachtung in das Krankenhaus nach Papenburg gefahren. Ihr Auto wurde beim Unfall komplett zerstört. Aufgrund der Bergungsarbeiten blieb die Bokeler Straße für etwa drei Stunden gesperrt.

Die Feuerwehr aus Aschendorf wurde noch zu einem weiteren Einsatz gerufen. An der Kämpestraße in Herbrum war, ebenfalls aufgrund des Sturmes, ein Baum auf die Straße geweht worden. Personen kamen dabei nicht zu schaden. Die Einsatzkräfte sägten den Baum klein und transportierten ihn ab. Die Stadt Papenburg hatte aus Sicherheitsgründen alle Parks im Stadtgebiet gesperrt.

In der Samtgemeinde Lathen stürzten im Ortsteil Hilter gegen 13 Uhr zwei Bäume an der Hilter Straße und der Marschstraße um. Die Feuerwehr konnte sie schnell beseitigen.

Glück im Unglück hatte eine Familie, die auf der B 213 (E 233) in Richtung Herzlake unterwegs war. Ein Baum stürzte um, die Fahrerin konnte nicht mehr bremsen und fuhr unter dem umgestürzten Baum. Der Pkw wurde beschädigt, die Fahrerin und ihre beiden Kinder blieben unverletzt. Die Feuerwehr beseitigte den Baum, das Fahrzeug wurde abgeschleppt. Insgesamt rückte die Feuerwehr Herzlake zu sechs Einsatzstellen aufgrund des Sturms aus. Acht Einsätze gab es für die Feuerwehr Meppen.

In der Samtgemeinde Freren gab es eine Reihe von größeren Sturmschäden. Aufgrund schwerer Dachschäden an einem Gebäude an der Marktstraße ist diese zur Sicherheit abgeriegelt worden. Es haben sich großflächig Dachfolien und -ziegel gelöst und sind auf die Straße gefallen. Von einem Buswartehäuschen in Andervenne, an der B 214, hat sich die komplette Dachhaube gelöst und ist heruntergeweht. Auch an der Alten Schule in Suttrup hat es Dachschäden gegeben.

In Lingen droht ein großer Baum auf zwei Wohnhäuser an der Waldstraße zu fallen. Diese ist im Moment zwischen der Wilhelmstraße und dem Willy-Brandt-Ring voll gesperrt. „Die Lage ist verzwickt“, erklärt Daniel Herbers, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Lingen. Diese ist gemeinsam mit dem THW-Ortsverband Lingen im Einsatz. Der etwa 20 Meter hohe Baum ist im Garten eines Wohnhauses in einen zweiten Baum gekippt, der dadurch ebenfalls schon Schräglage bekommen hat. „Mit einem größeren Kran haben wir von der Waldstraße aus über das gefährdete Wohnhaus hinweg den im Garten halb gestürzten Baum gesichert“, erklärt Herbers. Ein zweiter Autokran sei im Einsatz, der eine Arbeitsbühne zu dem entwurzelten Baum herablasse. „Von dieser Arbeitsbühne entasten derzeit Helfer des THW die Krone des umgestürzten Baumes“, erläutert Herbers die aktuelle Situation. Bis die Gefahr endgültig beseitigt sein wird, dürfte es Mitternacht werden, schätzt Herbers die Lage ein. Solange wird die Waldstraße in Lingen zwischen der Wilhelmstraße und dem Willy-Brandt-Ring auch voll gesperrt bleiben - eventuell sogar etwas länger: „Die Krane, die dort derzeit stehen, müssen schließlich auch noch wieder herunterfahren“, rechnet Herbers weiter mit Verkehrsbehinderungen in der Lingener Innenstadt.

Fünf Einsätze verzeichnete die Feuerwehr Lohne in der Gemeinde Wietmarschen. Dreimal hatten die insgesamt 20 Einsatzkräfte laut Ortsbrandmeister Nico Fehrmann die Aufgabe, umgestürzte Bäume beseitigen. Zudem mussten sie ein Trampolin, das bei einem Kindergarten an der Feldstraße in einem Baum hing, herunterholen. Auf der A 31 in Fahrtrichtung Süden galt es, die Gefahr zu beseitigen, weil ein Verkehrsschild in die Fahrbahn hineinragte.

Auf der Eisenbahnstrecke durch das Emsland stellte die Deutsche Bahn AG ebenso wie in Nordrhein-Westfalen den Verkehr ein. Die Westfalenbahn fuhr aus Sicherheitsgründen mit verminderter Geschwindigkeit, sodass es zu Verspätungen kam. Südlich von Rheine ging auf Schienen nichts mehr, die Westfalenbahn richtete einen Ersatzverkehr mit Bussen Richtung Münster ein.


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