„Digitale Lernbegleiter“ Marianum Meppen führt Tablets ab Klasse 7 ein

Von Tobias Böckermann


Meppen. Das Lernen am Gymnasium Marianum wird digitaler: Ab Klasse 7 kommen ab sofort Tablets im Unterricht zum Einsatz. Jeder Schüler bringt sein eigenes Gerät mit – unabhängig von der Marke.

Projektleiter Franz Albers und Uli Wessling als Mitglied der Schulleitung haben das Vorhaben jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt. Parallel hatten die Schüler der jetzigen Klasse 7 eine erste Einführung bekommen und die für den Unterricht relevanten Anwendungen auf ihren Geräten installiert. „Wir haben die Einführung der Tablets zwei Jahre lang vorbereitet“, sagte Albers. Dabei habe es intensive Diskussionen innerhalb der Schulgremien gegeben, also mit Kollegen, Schülern aber auch Elternvertretern. Denn die Sorge, das Tablet könne das Buch vollständig ersetzen oder zum Verlust der Kulturtechnik des Lesens und Schreibens (per Hand) führen, sei durchaus vorhanden gewesen, sagen die beiden Lehrer.

Aber genau das werde am Marianum nicht geschehen, sagen sie. Denn das Tablet dient als „digitaler Lernbegleiter“, also als Ergänzung für den Unterricht und nicht als Ersatz für das Schreibheft oder alle Bücher. „Wir wollen damit die Qualität des Unterrichts steigern“, sagt Franz Albers. So könne etwa in Chemie ein Experiment auf herkömmliche Weise von den Schülern durchgeführt und mit Buch und Schreibheft abgearbeitet werden. „Die Dokumentation des Versuches kann dann aber per Tablet-Foto samt Beschriftung oder ein kleines Video geschehen.“

Heft bleibt Leitmedium

Das Heft bleibe das Leitmedium und die Gymnasiasten sollten auch weiterhin mit der hand schreiben, sagt Uli Wessling. „Aber methodisch erweitern die Lernbegleiter die Möglichkeiten zur Individualisierung im Unterricht enorm“ – was bedeute, dass die Kinder per Tablet besser nach ihren eigenen Möglichkeiten, Interessen und Geschwindigkeiten lernen könnten. „Der Prozess der digitalen Transformation ist auch in der Schule unaufhaltsam“, sagte Franz Albers und Medienkompetenz sei aus Sicht des Kultusministerium inzwischen als eigene Kulturtechnik anzusehen. Deshalb stehe der kritische Umgang mit digitalen Quellen auch stetig auf der Tagesordnung. Es komme immer darauf an, eine Quelle als seriös oder nicht seriös einstufen zu können. Um die Kinder darauf vorzubereiten, gebe es in den Klassen 5 und 6 seit 2015 das Fach „Informatorische Grundbildung“ (ITG).

Hilfe durch Schul-Cloud

Eingebunden ist die Einführung der Tablets in einen bundesweiten Pilotversuch zur Schul-Cloud, an dem das Marianum seit 2017 teilnimmt. Ziel der vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam betreuten Cloud ist die Bereitstellung geeigneter digitaler Unterrichtsinhalte. Wer über ein passendes Endgerät verfügt, kann das in Bits und Bytes versammelte Wissen dieser „Datenwolke“ jederzeit und überall, wo es Internet gibt, nutzen. Bei der Einführung der Tablets war deshalb auch Nils Karn vom HPI dabei. Er berichtete, die Digitalisierung des Unterrichts sei ein fortschreitender Prozess, an dem sich das Marianum derzeit beteilige. „Auch der Unterricht mit Tablets wird immer wieder überprüft und angepasst“, sagte Wessling.

„Bring your own device“ (BYOD) lautet dabei das Motto, übersetzt also: „Bringe dein eigenes Gerät mit.“ Die Schule schreibt also keine Marke und kein System vor (Apple oder Android), allerdings einen Mindestspeicher von 32 Gigabyte. Und das Tablet darf keine SIM-Karte enthalten, soll also nur per schuleigenem WLAN Daten abrufen und zum Beispiel nicht mogeln können.

In Kombination mit der Schul-Cloud ergäben sich neue Möglichkeiten, sagte Franz Albers, unter anderem auch das Verfolgen des Unterrichts auch während längerer Krankheitsphasen. Ob am Ende auch ein teil der Bücher ersetzt und damit eine allzu schwere Schultasche vermieden werden könne, werde die Zeit zeigen und noch diskutiert.