Mitbewohner mit Messer verletzt Brüderpaar nach Messerangriff in Flüchtlingsheim verurteilt

Von Bettina Otten

Angeklagt waren zwei aus Afghanistan stammende Brüder, die bis zum Prozessende die Tat bestritten. Symbolfoto: dpaAngeklagt waren zwei aus Afghanistan stammende Brüder, die bis zum Prozessende die Tat bestritten. Symbolfoto: dpa

Meppen. Kürzlich wurde vor dem Amtsgericht Meppen ein Fall von schwerer Körperverletzung verhandelt, der sich am 7. Februar 2017 in einem Sögeler Flüchtlingsheim zugetragen hatte. Angeklagt waren zwei aus Afghanistan stammende Brüder, die bis zum Prozessende die Tat bestritten.

Die Angeklagten waren im Prozess anwaltlich nicht vertreten, dadurch ergaben sich im weiteren Verlauf erhebliche Beeinträchtigungen in der Beweisaufnahme, da die Befragung nur über einen Dolmetscher erfolgen konnte. Sie und die insgesamt acht geladenen Zeugen waren zum Tatzeitpunkt Bewohner eines Flüchtlingsheims. Dort war es im Vorfeld immer wieder zu größeren Spannungen unter den Insassen gekommen. So hatte sich z. B. ein Bewohner anlässlich eines Heizungsausfalls von der Heimleitung Wolldecken besorgt, an denen der ältere der angeklagten Brüder beteiligt werden wollte. Ein Mitbewohner hatte dagegen den jüngeren Bruder dem Sozialamt gemeldet, weil dieser wiederholt seinen häuslichen Reinigungspflichten nicht nachgekommen sei und häufig Alkohol konsumiere.

Mit Messer schwer verletzt

Am 17. Februar sei die Lage dann eskaliert, als ein Mitbewohner nach Hause kam und in der Küche auf den jüngeren Bruder traf. Dieser sei angetrunken gewesen und habe ihn wegen der „Denunziation“ zur Rede stellen wollen. Dabei habe er ein Messer gezückt und dieses gegen die Wand geschlagen. Dadurch habe er sich selbst an der Hand verletzt, und das Messer zerbrach. Der Mitbewohner flüchtete in sein Zimmer, dass er sich mit mehreren Mitbewohnern teilte. Kurz darauf seien die beiden Brüder vor dem Zimmer erschienen und der ältere habe die Tür eingetreten. Beide seien auch dort bewaffnet gewesen, der jüngere mit dem abgebrochenen Messer und der ältere mit einem Schraubenzieher. Im folgenden Handgemenge habe der jüngere einen der Bewohner so schwer mit dem Messer verletzt, dass sich dieser ins Krankenhaus zur Behandlung begeben habe und anschließend den Vorfall der Polizei meldete.

Einheitliche Zeugenaussagen

Das Gericht vernahm nur fünf der acht geladenen Zeugen. Aufgrund der sehr schleppenden Beweisaufnahme und des einheitlich dargestellten Tatverlaufes verzichtete das Gericht auf die weiteren Vernehmungen. Die Brüder legten dennoch kein Geständnis ab, sondern stellten die übereinstimmenden Zeugenaussagen als „abgestimmtes Komplott“ dar.

Kein Zweifel an der Tat

Die Staatsanwältin würdigte in Ihrem Plädoyer zwar die schwierige Lebenssituation der Angeklagten mit der Flucht aus einem von Krieg durchwühlten Land und der beengten Wohnsituation mit Angehörigen unterschiedlicher Kulturkreise. Es bestehe aber kein Zweifel daran, dass die beiden Brüder über längere Zeit den häuslichen Frieden im Wohnheim erheblich gestört hätten. Der zur Last gelegte Tatbestand sei durch die Zeugen übereinstimmend bestätigt worden. Der Straftatbestand der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung sei gegeben. Beide Brüder seien nicht vorbestraft, deswegen sei für beide ein Strafmaß von 8 Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung auf 3 Jahre, 100 Euro Geldbuße sowie die Ableistung von 150 Arbeitsstunden im sozialen Bereich angemessen. Die Angeklagten hielten sich auch in ihrem Schlusswort für nicht schuldig. Der Richter folgte jedoch vollumfänglich der Forderung der Staatsanwältin und verurteilte die Angeklagten entsprechend.