Ab Sommer auf allen Bundesstraßen Vorbereitungen für Mautausweitung laufen im Emsland

Im Juli 2018 wird die Lkw-Maut deutschlandweit auf alle Bundesstraßen ausgeweitet. Bis dahin müssen Kontrollsäulen wie die hier gezeigte aufgestellt werden. Foto: Marco Urban/Toll CollectIm Juli 2018 wird die Lkw-Maut deutschlandweit auf alle Bundesstraßen ausgeweitet. Bis dahin müssen Kontrollsäulen wie die hier gezeigte aufgestellt werden. Foto: Marco Urban/Toll Collect

Meppen. Im Juli 2018 wird die Lkw-Maut deutschlandweit auf alle Bundesstraßen ausgeweitet. Auch im Emsland sind zahlreiche Strecken betroffen. Die Vorbereitungen für die Umsetzung laufen – Details gibt Betreiber Toll Collect allerdings noch nicht bekannt.

Die Abgabe für Lastwagen mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht wird ab Jahresmitte nicht mehr nur auf 15.000 sondern auf 53.000 Straßenkilometern in Deutschland fällig – und damit auch auf viel befahrenen Strecken wie der B402 zwischen der Anschlussstelle zur A 31 und Cloppenburg oder auf der Bundesstraße 70, die sich von Norden nach Süden durch das Emsland zieht. Rund zwei Milliarden Euro zusätzlich erhofft sich die Bundesregierung durch die Ausweitung der Maut. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte den entsprechenden Beschluss vor zwei Jahren als „Systemwechsel von einer Steuer- hin zu einer Nutzerfinanzierung unserer Verkehrsinfrastruktur“ bezeichnet.

Sechs Monate Zeit bleiben dem Unternehmen Toll Collect also, die zusätzlichen 38.000 Kilometer Bundesstraße mit einem Mauterfassungssystem auszustatten – noch aber ist zumindest an B402 und B70 nichts zu sehen. Martin Rickmann, Sprecher des Unternehmens, sagte auf Anfrage: „Die Standortplanungen für Kontrollsäulen in dem genannten Bereich dauern noch an.“ Davon unabhängig funktioniere das Mautsystem aber ohnehin auch ohne die Kontrollsäulen. Die Mauterhebung erfolge entweder durch den Einsatz eines Fahrzeuggerätes, das mit Satelliten- und Mobilfunkkommunikation ausgestattet sei. Weit über eine Million Lkw verfügten inzwischen über ein solches Gerät zur automatischen Mauterhebung. Alternativ erfolge die Mautbuchung manuell an Mautstellenterminals an Tankstellen oder Rasthöfen via Online-Einbuchung über ein mobiles Endgerät des Fahrers. Für die Mauterhebung, ob automatisch oder manuell, wird keine straßenseitige Infrastruktur benötigt.

620 Kontrollsäulen

Klar ist, dass zusätzlich zu den ohnehin eingesetzten mobilen Kontrollen des Bundesamtes für Güterverkehr nicht mehr die von den Autobahnen bekannten Kontrollbrücken zum Einsatz kommen sollen, sondern bundesweit rund 620 Kontrollsäulen. Die vier Meter hohen blauen Säulen überprüfen, ob vorbeifahrende Fahrzeuge mautpflichtig sind und die Gebühren ordnungsgemäß entrichten. Nur Daten von verdächtigen Fahrzeugen werden zur Überprüfung weitergeleitet, heißt es bei Toll Collect. Der Rest werde noch in der Säule gelöscht.

Wie hoch die Maut letztlich für die Lastwagen pro Kilometer ausfallen wird, ist ebenfalls noch unklar. Unternehmenssprecher Rickmann: „Zur Höhe der Maut kann ich keine Angaben machen. Die Mauttarife werden vom Gesetzgeber auf der Grundlage eines Wegekostengutachtens festgelegt. Wann dies erfolgt ist derzeit noch unklar.“ Die Höhe der zu entrichtenden Maut pro Kilometer ist von der Zahl der Achsen des Fahrzeugs und der Schadstoffklasse abhängig. Sie lag zuletzt im Schnitt bei rund 16,5 Cent.

Bisher sind im Emsland neben den Autobahnen 30 und 31 nur zwei Bundesstraßen in Teilen mautpflichtig, weil sie vierspurig ausgebaut worden sind, nämlich die B70 zwischen Meppen-Nödike und Anschluss B70 sowie die B402 zwischen der Grenze zu den Niederlanden und der A31.

Mit gemischten Gefühlen dürften die Logistikunternehmen der Mauteinführung entgegensehen – ihre Kosten werden steigen. Und die Kritiker des Ausbaus der Bundesstraße 402/E233 erwarten, dass die Mautpflicht zu einer geringeren Belastung der Strecke durch Lkw führen werde, was den Ausbaubedarf in einem neuen Licht werde dastehen lassen.


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