Serie Platten-Geschichten Wie ein Meppener mit Simple-Minds-Album das Gitarrenspiel lernte

Von Tim Gallandi

Zu einem Wegweiser in die Welt der Musik wurde für Karsten Streeck, hier im Tonstudio des Meppener Jugendzentrums Jam, das Simple-Minds-Album „Live In The City Of Light“. Foto: Tim GallandiZu einem Wegweiser in die Welt der Musik wurde für Karsten Streeck, hier im Tonstudio des Meppener Jugendzentrums Jam, das Simple-Minds-Album „Live In The City Of Light“. Foto: Tim Gallandi

Meppen. In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre wurde Karsten Streeck von melodischem Gitarren-Poprock beeinflusst. Das formte den Geschmack des heutigen Meppener Stadtjugendpflegers als Hörer, aber auch das eigene musikalische Schaffen. Eine Schlüsselrolle spielte das Album „Live In The City Of Light“ der Simple Minds.

Dass er einmal begeistert Gitarre spielen und einer Band angehören würde, deren Mitglieder sich nach mehr als 25 Jahren immer noch regelmäßig zum Jammen zusammenfinden, hätte sich Streeck zu Beginn seiner Teenagerzeit nicht vorstellen können. Nach der Früherziehung hatte er die Blockflöte eingemottet, „und damit war das Thema Musik für mich jahrelang erledigt“. Zusammen mit einem Freund, der sich auf Klavier und Keyboard konzentrierte, stieg er dann aber in die Jugendschola ein. „Dort wurde ein Gitarrist gesucht, woraufhin ich mir mit der alten Gitarre meines Vaters selbst ein paar Akkorde beibrachte“, erzählt der heute 44-Jährige.

Beschränkte sich das Musizieren in der Schola auf neue geistige Lieder, stieg Streeck wenig später auf Rock und Pop um. Im Freundes- und Bekanntenkreis entstand um 1987 die Keimzelle der späteren Band Wonderland. Gecovert wurden Songs von U2, die seinerzeit mit „The Joshua Tree“ einen Karriere-Meilenstein gesetzt hatten, Tracks von Marillion, die mit „Misplaced Childhood“ ihren kommerziellen Zenit erreichten, Stücke der Simple Minds, deren „Don‘t You“ aus dem Soundtrack des Films „Breakfast Club“ zu einem Signatursong der 80er wurde.

Das Nachhallen der Akkorde

„Ich saß erst nur dabei und guckte zu“, sagt Streeck. Die Fähigkeiten des damaligen Bandgitarristen beeindruckten ihn ungemein, besonders dessen Spiel mit dem Nachhallenlassen der Akkorde – dem Delay-Effekt, wie ihn The Edge von U2 und Charlie Burchill von den Simple Minds zum Markenzeichen gemacht hatten. Dem jungen Meppener war von da an klar: „Du musst Gitarre spielen lernen“, jetzt aber richtig. Mit einer gebrauchten Gibson Les Paul machte er sich ans Üben, und als Vorlagen dienten die Songs von Simple Minds‘ „Live In The City Of Light“.

Fast alle Songs des 1987 erschienenen Albums waren im Jahr zuvor in der Konzerthalle Le Zénith in Paris, der Stadt des Lichts, mitgeschnitten worden. Die Band um Burchill und Sänger Jim Kerr hatte zuvor schon durch ihr Mitwirken bei Live Aid Ruhm geerntet; neben Poprock-Hymnen wie „Alive And Kicking“ und „Promised You A Miracle“ kreierten sie zunehmend Stücke mit politischen Inhalten.

Nach Gehör

„Ich habe das Album rauf und runter gehört“, sagt Streeck. Das passierte in einer Zeit, als Youtube und Spotify noch Science-Fiction waren – und LPs und CDs ziemlich teuer. Den auf Audio-Kassette überspielten Longplayer spulte er immer wieder zurück; Kopfhörer, Verstärker und Echogerät waren wichtige Utensilien, während er sich nach Gehör das Spielen beibrachte.

Die autodidaktisch erworbenen Fähigkeiten reichten für erste Auftritte mit der Band, und nach einem dieser Gigs bot ein Konzertbesucher an, ihn kostenlos zu unterrichten. „Ein halbes Jahr lang habe ich dann die E-Gitarre von der Pike auf gelernt.“

Fury als Referenzband

Zu einer weiteren Referenzband wurde für Streeck und seine Wonderland-Kollegen Fury in the Slaughterhouse: Die Hannoveraner machten erstmals Ende der 80er mit „Won‘t Forget These Days“ und „Time To Wonder“ in der deutschen Rockszene von sich reden. Einige Jahre darauf, 1996/97, als Wonderland laut Streeck ihre Hoch-Zeit erlebten, konnte die Meppener Formation auf heimischem Terrain der Furys, im Studio Peppermint Park in Hannover, dank eines Sponsors eine Single aufnehmen.

„So konnten wir mal ins Profi-Business schnuppern“, sagt der heutige Stadtjugendpfleger. Seite an Seite mit Branchengrößen hatte die Band bereits 1995 beim ersten Emslandfestival im Meppener Stadion gespielt. Streeck denkt zurück an den Auftritt im Vorprogramm von Toto, den Hooters und eben Fury – und ans gemeinsame Fußballgucken mit einigen der Genannten im Backstage-Bereich.

Aus privaten und beruflichen Gründen treten die Wonderland-Mitglieder seit 2000 musikalisch kürzer, treffen sich aber weiterhin alle zwei Monate, um gemeinsam Musik zu machen und gelegentlich, wie zuletzt im vergangenen November, auch aufzutreten. Über 20 Jahre nach dem Festival in Meppen – und für Streeck 30 Jahre nach den Übungsstunden mit dem Simple-Minds-Album.