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Der grüne Schatz im Meerkolk Minister Wenzel informiert sich in Twist und Geeste

Von Manfred Fickers | 08.04.2016, 19:49 Uhr

Torfmoose wachsen lassen und Nutzen daraus ziehen, das will die Staatliche Moorverwaltung im Emsland ebenso wie die Klasmann-Deilmann GmbH. Bei seinem Besuch in Geeste und Twist informierte sich Landesminister Stefan Wenzel in Naturschutzgebieten und bei der weltgrößten Torfmooskultur.

Der Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz wurde von den Landtagsabgeordneten Gerd Will (SPD), Reinhold Hilbers und Bernd-Carsten Hiebing (beide CDU) sowie dem emsländischen Kreistagsmitglied Norbert Knape (Bündnis 90/Die Grünen) begleitet. „Wir benötigen als Entscheidungshilfe Informationen aus erster Hand“, nannte Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) als Grund für den Besuch. Dafür nahmen die Politiker einiges auf sich, ließen sich im Dalum-Wietmarscher Moor nass regnen, dann von Sonne und Wind trocknen, fuhren mit einem Traktorengespann zu interessanten Flächen und stapften mit ihren Gummistiefeln durchs Moor. Zur Umsetzung des niedersächsischen Moorschutzprogramms gaben Eberhard Masch Leiter der Staatlichen Moorverwaltung in Meppen und Dezernatsleiterin Talke Hinrichs-Fehrendt vom Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems dabei Auskunft.

Masch beschrieb, mit welchem Aufwand die Renaturierung von abgetorften Hochmoorflächen verbunden ist. Die besonderen klimatischen Bedingungen im Emsland und der Grafschaft Bentheim verbunden mit den Eigenheiten der hiesigen Moore machten spezielle Lösungen für die Wasserregulierung und Biotopflege notwendig. Inzwischen sei klar, ohne Schafe, die unerwünschten Aufwuchs beseitigen, kann sich das Hochmoor nicht wieder in seinen natürlichen Zustand zurückentwickeln. Zurzeit wird ein Zaun errichtet, der wolfssicher sein soll. Dennoch bleiben ein hohes Risiko und eine große finanzielle Belastung für private Schafhalter, die im Auftrag des Landes mit ihren Herden Biotope pflegen. Seine Darstellung machte deutlich, dass die Regelungen des Landes in diesem Bereich wohl unzureichend sind.

Im Naturschutzgebiet Meerkolk erfuhren die Gäste, das hier die größte Vielfalt an Torfmoosen zu Hause ist, die an einem einzelnen Ort in Niedersachsen gibt. Hier ist die größte Sorge der Moorverwaltung, wie man das Schutzgebiet dauerhaft erhalten kann. Denn es ist ein kleiner Moorblock, der inmitten inzwischen landwirtschaftlich genutzter Flächen stehen geblieben ist.

Wie wertvoll der grüne Schatz im Meerkolk nicht nur für den Natur- und Klimaschutz sind, zeigte sich beim Besuch bei der Klasmann-Deilmann GmbH. Mit zehn Hektar Fläche übertrifft die Torfmooskultur in Twist die beiden Versuchsflächen in Kanada und die beiden anderen in Deutschland deutlich. Wissenschaftlich begleitet werden hier unterschiedliche Arten angebaut, mit dem Ziel, Weißtorf in der Substratherstellung zu ersetzten. Weltweit werden 40 Prozent der Substrate für die Nahrungsmittelproduktion verwendet, teilte Geschäftsführer Moritz Böcking mit. Es sei sehr schwierig, Ersatz für das den Rohstoff Torf zu finden. Deshalb experimentiert der Substrathersteller mit der Kultivierung von Torfmoosen. Produktionsleiter Torfmoos Jan Köbbing berichtete vom Stand des bis 2018 laufenden Forschungsprojekts. Noch gebe es mehr Fragen als Antworten. Gesucht wird nach der optimalen Pflanzensorte. Meike Lemmer, die für ihre Masterarbeit im Versuchsfeld forscht, sagt, dass es etwa 80 unterschiedliche Torfmoose in Niedersachsen gibt. Vielleicht lebt der Urahn einer künftigen Torfkultur im Meerkolk, deshalb möchte man dort Proben entnehmen dürfen.