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Themenwoche des deutschen Landkreistages Jobcenter des Landkreises Emsland stellt seine Arbeit vor

Von pm | 25.08.2019, 14:05 Uhr

„Der Landkreis Emsland arbeitet seit 14 Jahren als Optionskommune erfolgreich gegen die Langzeitarbeitslosigkeit an. Der Lohn sind niedrige Arbeitslosenzahlen“, sagt Landrat Reinhard Winter. Um nun einmal mehr die Arbeit des Jobcenters vorzustellen, nutzt der Landkreis Emsland die vom Deutschen Landkreistag ins Leben gerufene Aktionswoche der kommunalen Jobcenter unter dem Leitmotiv „Stark. Sozial. Vor Ort".

In der Zeit vom 26. bis 30. August sollen grundsätzliche Informationen vermittelt, aber auch drei persönliche Beispiele vorgestellt werden, die verdeutlichen, dass hinter den guten Arbeitslosenstatistiken bemerkenswerte Einzelschicksale stehen.

Der Landkreis Emsland gehörte 2005 zu den bundesweit ersten 69 Kommunen, die sich an dem zunächst bis 2010 befristeten Optionsmodell beteiligten. Er übernahm damit in Eigenverantwortung die Trägerschaft von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II und die Wiedereingliederung von Personen im SGB II-Leistungsbezug in den ersten Arbeitsmarkt, heißt es in einer Pressemitteilung. 2011 wurde das Modell entfristet und für weitere Kommunen geöffnet. Zusätzliche 41 Städte und Landkreise kamen bundesweit hinzu. In Niedersachsen integrieren insgesamt 16 kommunale Jobcenter langzeitarbeitslose Personen in eine Beschäftigung.

Zahl der Arbeitslosen stark gesunken

Als das Emsland als Jobcenter startete, waren 8476 Arbeitslose aus dem SGB II-Bereich zu aktivieren. Heute liegt ihre Zahl bei niedrigen 2068. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Emsland beläuft sich aktuell auf 2,5 Prozent, teilt die Agentur mit. Im Vergleich dazu betrage die Arbeitslosenquote im Land Niedersachsen 5,1 Prozent und deutschlandweit 5 Prozent.

Ein Schwerpunkt der vergangenen eineinhalb Jahre und auch künftig ist die Vermittlung von Flüchtlingen, die verstärkt Ende 2015 in den Landkreis Emsland kamen. Nachdem viele von ihnen nun das Anerkennungs-/Asylverfahrens durchlaufen haben und damit als Flüchtling bzw. als Asylberechtigter anerkannt sind, wechselten sie überwiegend in den Leistungsbereich des SGB II und wurden damit Kunden des Jobcenters. Dabei galt es zunächst, diesen Menschen die deutsche Sprache in Wort und Schrift zu vermitteln.

578 Geflüchtete in Arbeitsstellen vermittelt

Diese Aufgabenstellung stelle eine hohe Hürde dar und habe weiterhin Priorität. Für 2018 liegen aber dennoch sehr positive Vermittlungszahlen vor, heißt es in der Pressemitteilung. Von Januar bis Dezember 2018 seien bei Menschen mit Migrationshintergrund insgesamt 678 Integrationen gezählt worden, davon 578 (85,25 Prozent) in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Zum Stichtag im Dezember 2018 waren 3044 Menschen aus dem Personenkreis der Flüchtlinge von 2015 statistisch erfasst, davon 1839 erwerbsfähige Leistungsberechtigte.

„Aufgabe des Jobcenters ist es, Leistungsberechtigen zu ermöglichen, ein Leben zu führen, dass der Würde des Menschen entspricht, heißt es im Sozialgesetzbuch. Wir unterstützen Menschen dabei, eigenverantwortlich zu leben – mit der damit verbundenen gesellschaftlichen Wertschätzung“, erläutert Landrat Reinhard Winter. Nach dem Grundsatz des „Förderns und Forderns“ biete der Landkreis Emsland nicht nur Aktivierungs- und berufliche Eingliederungsmaßnahmen sowie passgenaue Qualifikationen an, sondern gewähre auch die Leistungen zur Grundsicherung. Diese stellen den notwendigen Lebensunterhalt sicher.

Regionales Netzwerk

Dazu gehörten auch die Leistungen aus dem Bereich der Bildung und Teilhabe, die Familien mit kleinen Einkommen unterstützen und ihren Kindern eine faire Chance auf gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen sollen. „Mit allen zur Verfügung stehenden Instrumenten sorgt das Jobcenter aber auch dafür, dass Betroffene eine Ausbildung oder eine Arbeitsstelle erhalten. Dazu nutzt das Jobcenter ein umfangreiches Netzwerk an regionalen Partnern“, erläutert der zuständige Dezernent Martin Gerenkamp.

„Unsere Unterstützung ist an den Bedürfnissen des Einzelnen ausgerichtete, maßgeschneidert und keine Massenabfertigung“, betont der Leiter des Fachbereichs Arbeit und damit auch Leiter des Jobcenters, Hans Hannen. Dabei gehe es eben nicht nur um Leistungen nach dem SGB II oder um arbeitsmarktnahe Qualifizierungen, sondern um die ganzheitliche individuelle Förderung.

Als fester Bestandteil der Kreisverwaltung könnten weitere kommunale Dienstleistungen beispielsweise der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitsamtes sowie der Eingliederungs- und Sozialhilfe schnell und unkompliziert mit angeboten werden. Auch soziale Hilfestellungen wie Sucht- und Schuldnerberatung oder Unterstützung durch den Sozialpsychiatrischen Dienst werden angeboten.

"Hilfe aus einem Guss"

Darüber hinaus kenne man die Strukturen der Wirtschaft und die Ansprechpartner bei Verbänden und den kreiseigenen Gemeinden, was „äußerst wichtig“ sei. „Die Fallmanager des Jobcenters sitzen vor Ort in den Rathäusern und mit den zuständigen Sachbearbeitern Tür an Tür. Sachverhalte sind so auf kurzem Weg abzustimmen“, so Hannen. „Das ist Hilfe aus einem Guss und das ist unsere große Stärke“, betont Winter. Die drei ehemaligen Leistungsempfänger, die in den folgenden Tagen hier vorgestellt werden, machten deutlich, wie wichtig der ganzheitliche Blick auf die Lebenssituation der Menschen ist, um zielgerichtet und nachhaltig helfen zu können.