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Kein schöner Land... Überragendes Chorkonzert in der Gymnasialkirche in Meppen

Von Peter Löning | 16.09.2019, 14:25 Uhr

Groß war der Andrang zum Konzert des Knabenchor Hannover zusammen mit den NDR Philharmonic Brass in der Meppener Gymnasialkirche.

„Kein schöner Land…“ war der Titel, und auf dem Programm dieses Konzertes standen vor allem Volkslieder. „Ein mutiges Thema“, wie Arnold Terborg in seiner kurzen Begrüßung unterstrich; Damit aber unterstrich er das Motto der diesjährigen „Niedersächsischen Musiktage“, und dieses Konzert war eines aus dieser landesweit aufgestellten Reihe.

Tatsächlich hängt dem Thema Volkslied einiges Klischee an: von langweilig, unzeitgemäß zu gar heimattümelnd zu sein. Wohl kaum eine Nation scheinbar hat solche Probleme mit ihrem Liedgut, wie die unsere. Dabei finden sich gerade hier ungeahnte Schätze.

Chorleiter Jörg Breiding betonte, man trete an, damit wieder mehr gesungen würde und unterstrich: „uns machen diese Lieder Spaß“. Was die Sache hier durchaus beförderte, war auf der einen Seite das Antreffen zweier unglaublich exzellenter Spitzenensembles, auf der anderen Seite die vorgetragenen Arrangements aus der Feder Andreas N. Tarkmanns, welche den mitunter schichten Melodien überaus geschickt Ausdruck und Lebendigkeit verliehen.

Der Knabenchor Hannover mit seinen 24 kleineren und 24 größeren ‚Knaben‘ ist wohl unstreitig ein Klangkörper der Oberklasse, transparent und ausgewogen im Klang, dazu lebendig, textverständlich und am Ende ein Hörgenuss allererster Güte. Dem stehen allerdings die fünf Blechbläser des NDR Philharmonic Brass in nichts nach (vom Alter einmal abgesehen). Gemeinsam bilden sie einen Klangkörper, der gerade in der hübschen Gymnasialkirche keine Wünsche offenließen.

In nach Themen sortierten Potpourris ging es alsdann vom inhaltlich vom Handwerksberuf über Abendlieder zu Seemanns- und Tierliedern (inklusive hier „Dem Pastor sin Kauh“; es grüßt das südliche Emsland!) Dabei überzeugten die Arrangements –speziell für dieses Programm erstellt - welche die Lieder in teilweise ganz neuem Gewand aber mitunter auch genau so erklingen lassen, wie sie sind. Und bald wurde die Suche unwichtig nach Liedern, die man kennt oder nicht. Denn was hier erklang war ganz großer Konzertgenuss in sehr vielseitiger Gestalt. Herzanrührend kamen vor allem die Abendlieder, wie „Ade nun zur guten Nacht“ oder (mit Soloparts versehen) „Verstohlen geht der Mond auf“. Aber auch „Im Märzen der Bauer“, mitsamt seinen gerwerkigen Hintergrund erklang beglückend.

Manches Lied hat inzwischen einen festen Platz in Chören anderen Schwerpunkts und so überraschten hier Lieder wie das Steigerlied durch ihre ungeahnt ergreifende Schönheit.

In einem Arrangement von Oliver Glies wurde „Dat du min Leevsten büst“ zu einem kleinen, stillen Juwel. Tieftrauriges erkennt man in „Es waren zwei Königskinder“.

Ein großartiges Konzert mit rasend lustigem Abschluss mit „Die Affen rasen durch den Wald“ und als Zugabe Bolles (leicht Hannoveranisch veränderten) Pfingstreisen. Ein Gewinn für die Emsländische Kulturregion.

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