Ein Artikel der Redaktion

Wortgewaltiger Blick Rüdiger Paulsen fesselt in Suttorfer Kulturscheune

Von Petra Ropers | 15.07.2014, 12:41 Uhr

Finster und Unheil verheißend gähnte der Abgrund der brüllenden See. Donnernd brachen sich die Wellen der wütenden Brandung am steilen Kliff. „Ist keiner, der sich hinunter waget?“ Die zynische Herausforderung traf auf spannungsgeladenes Schweigen: In der Suttorfer Kulturscheune bangten die Zuhörer um das Leben von Friedrich Schillers jungem „Taucher“.

Mit Balladen voller Dramatik und schicksalhafter Dynamik tauchte Rüdiger Paulsen zur Veranstaltungsreihe „Kultur im Dorf“ in die Tiefen der menschlichen Existenz ein. In fesselnder Intensität setzte er auf dem Hof Seidel in Szene, was in der Schulzeit allzu oft unter dem Staub trockenen Auswendiglernens verborgen blieb. Denn Balladen wollen nicht still gelesen, sondern gehört und erlebt werden.

Mit sparsamen Requisiten und wandlungsfähigem Ausdruck erweckte der Wortkünstler aus dem benachbarten Theenhausen deshalb die bekannten Texte zu neuem Leben. Zu einem mitreißenden Kammerspiel avancierte dabei der in Verse gefassten Meuchelmord an Ibykus. Unheil verkündend schwörten die Erinnyen den feigen Mördern Rache - die grausam verzerrten Mienen in geisterhaft-grünes Licht getaucht. Mit zwingender Kraft und Dynamik nahm mit dem Zug der Kraniche das Schicksal seinen Lauf.

Überzeugende Mimik

„Ich frage jetzt nicht ab. Sie können sich also ganz entspannt zurücklehnen“, versprach Rüdiger Paulsen seinem Publikum gleich zu Beginn und ließ doch mit seiner Rezitationskunst der Entspannung keinen Raum.

Atemlos verfolgten die Zuhörer stattdessen in Schillers „Bürgschaft“ den verzweifelten Wettlauf gegen die Zeit. Nacktes Grauen flackerte wie die zuckenden Flammen des Herdfeuers mit Conrad Ferdinand Meyers „Füße im Feuer“ durch den Raum.

Lebendig, mit wohlgesetzten Pausen und mit überzeugender Mimik und Gestik brachte der Rezitator die zumeist düstere Wortgewalt der Balladen auf die Bühne. In seinem reichen Repertoire fand sich Annette von Droste-Hülshoffs „Knabe im Moor“ ebenso wieder wie Heinrich Heines biblische Dichtung „Belsazar“.

Für den ausrichtenden Bürgerverein „Suithorpa“ bildete der Balladenabend den Auftakt zu einem ganz besonderen Kulturwochenende.

Denn zum ersten Mal widmete sich der Verein nicht nur den bildenden Künsten. Stattdessen bot die Kulturscheune vor dem samstäglichen Konzert mit „Female Affairs“ Raum für jene Texte, deren Faszination sich in einer eindringlichen Inszenierung ganz neu eröffnete.